Wie Ehrenamtliche im Oldenburger Land helfen

Caritas appelliert: Flüchtlinge brauchen weiterhin Hilfe

Es gibt weiter viele Flüchtlinge. Denn es kommen neue. Und es gibt weiter viele Menschen in den Gemeinden, die sich um sie kümmern. Freiwillig, ehrenamtlich. Das ist der Befund, den Caritas-Referent Dietmar Fangmann im Gespräch mit „Kirche+Leben“ vorgelegt hat. Fangmann ist beim Landes-Caritasverband für Oldenburg für Flüchtlingsfragen zuständig.

Seine Sorge: Dass Menschen dieses Problem aus dem Blick verlieren. Dass sie denken: Viel Hilfe brauchen Flüchtlinge nach dem großen Zustrom Ende 2015 und Anfang 2016 nicht mehr.

Noch nicht bewältigt

Ein schwerer Irrtum, wie Fangmann betont. „Denn die Zuwanderung dauert an, sie ist noch nicht bewältigt – auch wenn sie nicht mehr so in der öffentlichen Diskussion steht.“

Flüchtlinge in Niedersachsen
2016 sind nach Angaben der zuständigen Bundesbehörde 31.000 Asylbewerber nach Niedersachsen gekommen. Rund 1.500 abgelehnte Asylbewerber wurden abgeschoben, 5.000 sind noch ausreisepflichtig, 8.000 wollen freiwillig gehen und haben dafür Hilfe beantragt
Flüchtlinge werden auf die Bundesländer verteilt; das geschieht nach der jeweiligen Wirtschaftskraft. Zwischen Hannover, Kiel und Schwerin wird jeder sechste Flüchtling untergebracht.
Nach Angaben der UN sind weltweit rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Rund 40 Millionen davon fliehen innerhalb ihrer Heimatstaaten.

Nicht aus den Augen verlieren – das ist das Eine. Wo und wie klappt das in den Pfarrgemeinden heute noch? Etwa dort, wo es noch ein „Café International“ arbeitet, ein lockerer Treffpunkt für Flüchtlinge und Einheimische. Davon gibt es weniger als zu der Zeit, als Flüchtlinge in großer Zahl ins Land kamen. „Aber in größeren Gemeinden funktionieren die immer noch“, berichtet Fangmann. Im Kreis Cloppenburg etwa unterhalte jede Gemeinde ein solches Café, in der Stadt Wilhelmshaven berichte die Caritas von ungebrochener Anziehungskraft ihres Treffpunkts.

Die Arbeit mit Flüchtlingen habe sich über die Monate natürlich geändert, sagt Fangmann. Schließlich seien viele einen großen Schritt weiter in dem Prozess, sich in die deutsche Gesellschaft einzugliedern. Indem sie Sprachkurse besuchten, vielleicht schon Arbeit gefunden hätten. „Wo Ehrenamtliche ihre Angebote dem anpassen, funktioniert die Arbeit weiter gut.“ Denn solche Cafés bleiben nach Fangmanns Eindruck den Flüchtlingen wichtig für persönliche Kontakte und die Möglichkeit, Hilfsangebote zu finden.

Vernetzung durch Flüchtlings-Paten

Fangmann spricht auch von Vernetzung. Die funktioniere am besten in kleinen Orten auf dem Land. Vor allem dort, wo das Modell der Patenschaft aufgebaut sei. Konkret: Flüchtlinge können ihre Unterkunft verlassen und suchen ihre erste eigene Wohnung. Den örtlichen Wohnungsmarkt zu überschauen – „da sind sie klar überfordert“.

In einem kleinen Ort habe ein Flüchtlings-Pate der Pfarrgemeinde aber immer schnell die Information, wo in der Nähe eine Wohnung leer stehe, wo man fragen könne. „In der Regel klappt das“, sagt Fangmann zufrieden.

Stiller Einsatz der Ehrenamtlichen

Der Fachmann spricht mit Hochachtung und geradezu mit Begeisterung von dem „stillen  Einsatz“ der Ehrenamtlichen; ohne sie sei der Weg in der Fremde für Flüchtlinge nur schwer zu bewältigen.

Die Zentrale der Caritas in Vechta begleite und unterstütze die Ehrenamtlichen bei ihrem Einsatz; sie vermittle zum Beispiel Geld für einzelne Projekte aus einem Fonds mit Kirchensteuermitteln. Und sie stehe Ehrenamtlichen auch zur Seite, „wenn es einmal schwer wird“. Dann nämlich, wenn Flüchtlinge endgültig abgelehnt sind und abgeschoben werden sollen. Oft sei inzwischen ein enges Verhältnis gewachsen. „Dann ist das für die Helfer nicht gut auszuhalten. Wir von der Caritas versuchen, sie dabei in Gesprächen zu begleiten.“