Tag der Behindertenhilfe in Niedersachsen

Caritas-Chef Peter Neher warnt vor Rückschritt bei Inklusion

Der deutsche Caritas-Präsident Peter Neher hat Menschen mit Behinderung und Mitarbeiter der Behindertenhilfe aufgerufen, sich mit Blick auf die Inklusion nicht entmutigen lassen. Schädlich sei es, die Errungenschaften der Inklusion zehn Jahre nach ihrer Einführung klein zu reden, sagte Neher beim Niedersächsischen Caritas-Tag der Behindertenhilfe in Hannover.

Auch wenn das wissenschaftliche Fazit nicht eindeutig ausfalle, sei auf dem Weg zur Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung einiges erreicht worden: „Ich glaube, dass sich Inklusion gesamtgesellschaftlich betrachtet sogar finanziell lohnt.“ Voraussetzung sei jedoch, dass sich alle verändern müssten.

Caritas-Direktor Gerhard Tepe warnt vor „Spargesetz“

Ernüchternd seien etwa die Erfahrungen an Schulen: In keinem Bundesland seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Schaffung von inklusiven Schulen abschließend entwickelt worden, zitierte Neher eine Studie. In Baden-Württemberg etwa würden nur noch 56 Prozent der Lehrer inklusiven Unterricht als sinnvoll bezeichnen. 2015 seien dies noch zwei Drittel gewesen.

Dass das Bundesteilhabegesetz nicht zu einem „Spargesetz“ verkommen dürfe, mahnte der Vorsitzende der Caritas-Arbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Behindertenhilfe, Gerhard Tepe aus Vechta an. Auch fehlten den Betroffenen häufig die notwendigen Informationen, beispielsweise die Übersetzung in einfache Sprache, betonte der Direktor des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg.

Caritas-Behindertenhilfe in Niedersachsen
In Niedersachsen gibt es insgesamt 189 Caritas-Einrichtungen der Behindertenhilfe mit rund 12.000 Plätzen und 5.300 Mitarbeitenden. Allein zum Bereich des Offizialatsbezirks Oldenburg gehören 87 Einrichtungen mit 4.374 Plätzen und 1.820 Angestellten.