Ab 28. Juni: Gottesdienst, Festakt, Wallfahrt, Party und Zoo-Besuch

Caritas in Münster feiert 50. Geburtstag gleich viermal

Eine Rückschau auf vergangene Zeiten soll es nicht geben. Der Caritasverband für die Stadt Münster will zu seinem 50. Geburtstag in die Zukunft schauen, etwa neue Formen der Stadtteilarbeit aufbauen und neue Möglichkeiten der Digitalisierung in der sozialen Arbeit ausloten.

Viermal feiern

Doch zunächst will er feiern: Mit einem Gottesdienst am 28. Juni in St. Lamberti samt Festakt im Rathaus. Mit einer Stadtwallfahrt am 1. September von Münster nach Telgte. Mit einer Mega-Party für 900 haupt- und 1350 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am 6. September im Jovel. „Und mit einer Einladung an alle Menschen, für die wir da sind, am 24. September in den Zoo“, sagt Sebastian Koppers vom Vorstand.

Sebastian KoppersSebastian Koppers ist Vorstand im Caritasverband der Stadt Münster. |Foto: Caritas

Passend zum Jubiläum hat sich die Caritas zudem ein neues Outfit zulegt: mit der neuen Zusatzfarbe Brombeer zum klassischen Caritas-Rot und dem neuen Schriftzug „Für Menschen – Für Münster“. Das Design wird demnächst auf Autos, Fahnen und Flyern prangen. „Bislang hatte wir fünf verschiedene Logos in unseren Einrichtungen“, erklärt Thomas Schlickum vom Vorstand die Maßnahme. Es gehe um Vereinheitlichung. Der Verband wolle den Bürgerinnen und Bürgern zeigen, „überall dort steckt in Münster die Caritas drin“.

Mehr Einsatz im Quartier

Auch inhaltlich setzt der  Stadtcaritasverband auf Veränderung. Eine davon ist die verstärkte Arbeit in einigen Stadtteilen. Etwa im Aasee-Pluggendorf-Viertel. Das Quartiersbüro dort solle ältere Anwohner dabei unterstützen, länger in ihren Wohnungen zu bleiben, erklärt Koppers. Die Caritas wolle so die Phasen des Älterwerdens an Ort und Stelle besser begleiten: durch Angebote wie Spiele­tage oder einen Mittagstisch, durch Hauswirtschaftshilfe, ambulante oder stationäre Pflege.

Schlickum und Koppers haben zudem einen Blick auf die soziale Lage in der Stadt. Müns­ter stehe wirtschaftlich gut da, erklärt Koppers. Dennoch gebe es auch hier zahlreiche Probleme, insbesondere in den Außenbezirken, in denen die Caritas präsent ist: Kinderhaus, Coerde, Berg Fidel.

Betreuungslücken in Münster und viel Einsamkeit

So sei die Arbeitslosen-Quote von 4,5 Prozent (Mai 2019) zwar gering, Münster habe im selben Monat aber noch 5123 Langzeitarbeitslose. „Die müssen wir aktivieren“, sagt Koppers. Fehlender Wohnraum und teure Mieten seien weitere Problemfelder. Die Caritas unterstütze vor allem die Wohnungslosen.  Auch die Versorgung bei der Kinderbetreuung liege im Argen. Schlickum: „Die Nachfrage übersteigt das Angebot.“

Thomas SchlickumThomas Schlickum ist Vorstand im Caritasverband der Stadt Münster. |Foto: Caritas

Thomas Schlickum nennt zudem die Vereinsamung vieler Menschen. „Das sind nicht allein ältere Frauen, wie man vermuten könnte“, ergänzt Koppers. Von Vereinsamung seien arme Familien, Rentner und junge Leute betroffen. „Einsamkeit und Verarmung gehen Hand in Hand.“

Digitales mit Menschlichem verbinden

Die Überlegungen der Caritas gingen dahin, die Menschen in der Stadt besser zu vernetzen. „Wir müssen Treffpunkte in der Nähe schaffen und Nachbarn zur Selbsthilfe befähigen. Aber damit erreichen wir nur diejenigen, die ohnehin noch kommunizieren“, erklärt Koppers.Die Herausforderung sei, auch jene Menschen einzubeziehen, die durch psychische Erkrankungen oder Sucht isoliert seien. „Das muss bezogen auf den Einzelfall geschehen“, so Koppers.

Deutschlandweit auf der Pole-Position zeigt sich der Stadtverband seit Anfang des Jahres auf dem Gebiet der Digitalisierung („Kirche+Leben“ berichtete ausführlich in der Ausgabe 8 vom 24. Februar). In einer neu eingerichteten Stelle lotet ein Mitarbeiter zurzeit aus, wie  Smartphone, Tablet, intelligente Technik und womöglich auch Robotik in den Arbeitsbereichen der Caritas Münster zur Anwendung kommen könnten. Zu den Aufgaben des Stadtverbandes gehören die Jugend- und Familienhilfe, die Altenhilfe, soziale  Beratungsdienste, die Jugendberufshilfe und die Aus- und Fortbildung im Gesundheits- und Sozialwesen.

Thomas Sternberg hält die Feierrede am 28. Juni im Rathaus

Die Caritas bildet zurzeit etwa 120 Pflegeschülerinnen und Schüler  aus. 40 von ihnen werden auch praktisch in den Einrichtungen des Stadtcaritasverbands angeleitet, die übrigen stammen aus anderen Einrichtungen oder dem Umland.

Beim Festakt am 28. Juni, wird Thomas Sternberg die Feierrede halten. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken wird die his­torischen Zusammenhänge von Kirche und Caritas beleuchten. Ganz auf Geschichte will der Verband dann doch nicht verzichten.