Präsident Peter Neher für offene Reformdebatten in der Kirche

Caritas: Schuldbekenntnisse der Kirche reichen nicht mehr

Caritas-Präsident Peter Neher hat sich angesichts des Missbrauchsskandals für offene Debatten über Reformen in der katholischen Kirche ausgesprochen. Die Kirche habe „aufgrund von sexualisierter Gewalt und Missbrauch von Macht bis in den Kern unserer Gemeinden und Verbände hinein jegliche Glaubwürdigkeit verloren“, sagte Neher. Sie befinde sich „in einer abgrundtiefen Krise“.

Wenn Kirche und Caritas auch künftig noch einen wesentlichen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten wollten, dann „ist die Zeit der folgenlosen Schuldbekenntnisse endgültig vorbei“, betonte der Chef des katholischen Wohlfahrtsverbands. Es sei ein gutes Zeichen, dass „mit den gegenwärtigen Diskussionen auch die Strukturen und Ursachen in den Blick genommen werden“.

Sexualmoral, Homosexualität, Ämterfrage, Frauen, Zölibat

„Es muss gefragt werden, was eine klerikale Kultur und Macht befördert hat und nach wie vor befördert“, sagte Neher. Es müsse darum gerungen werden, wie dies korrigiert werden könne. Als Beispiele nannte der Caritas-Präsident die katholische Sexualmoral einschließlich der Homosexualität sowie die „Theologie des Amtes“. Dazu gehörten die Frage der Zulassung von Frauen zu den Ämtern und die Rolle des Zölibats.

„Unabhängig davon, wie ursächlich all diese Fragestellungen letztlich sind, haben sie mindestens eine Situation begünstigt, die zu vielen Fällen von Machtmissbrauch, sexualisierter Gewalt und Vertuschung geführt hat“, erklärte Neher. Es sei notwendig, „eine menschengerechte Sexualmoral zu entwickeln“, die sich damit auseinandersetze, wie Beziehungen gelingen könnten. Diese Debatten sollten offen geführt werden, forderte der Caritas-Präsident.