Veranstaltungen zum bundesweiten Caritas-Sonntag in Münster

Caritas warnt vor einseitiger Politik zu Gunsten der Älteren

Am bundesweiten Caritas-Sonntag hat der katholische Sozialverband die Politik gemahnt, den Ausgleich zwischen den Generationen zu suchen. Eine Klientelpolitik – etwa zu Gunsten der größer werdenden Gruppe der Älteren – „reißt die Gesellschaft auseinander“, warnte der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Prälat Peter Neher, am Sonntag (18.09.2016) in Münster. Dort fanden die zentralen Veranstaltungen zum Caritas-Sonntag statt. Sie waren zugleich Abschluss des Jubiläumsjahrs zum 100-jährigen Bestehen des Caritasverbands im Bistum Münster.

Das Caritas-Jahresthema 2016 nimmt die Generationengerechtigkeit in den Blick und sei „geeignet, um zu polarisieren“, sagte Neher. So steige zum Beispiel die Zahl älterer Wähler: Beim Votum zum EU-Austritt Großbritanniens seien deren Ja-Stimmen entscheidend gewesen – gegen die Nein-Stimmen der Jüngeren. Wahr sei aber auch, dass die Unter-25-Jährigen der Abstimmung „überdurchschnittlich häufig fern“ geblieben seien, so Neher.

Chancen der alternden Gesellschaft

Die älter werdende Gesellschaft biete auch Chancen, betonte der Caritas-Präsident: „Noch nie lebten so viele Generationen einer Familie gleichzeitig.“ Die Älteren unterstützten Kinder und Enkel mit Zeit und Geld, viele Senioren engagierten sich ehrenamtlich in Sozialprojekten und für die Gesellschaft.

Von der Politik verlangte Neher „eine chancen- und generationengerechte Verteilung des finanziellen Vermögens“. Zudem müsse das Gesundheitssystem „demografiefest“ werden. Auch sollten familiäre Leistungen wie die Kindererziehung stärker bei der Rente berücksichtigt werden.

Bei einer Diskussion in Münsters Priesterseminar brachte Kerstin Stegemann die Perspektive der Jüngeren ein. Die münstersche Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend warb für die Senkung des Wahlalters: „Jugendliche dürfen erst mit 18 oder 16 Jahren wählen. Sie sind aber oft schon viel früher politisch.“ Der Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer (SPD) wollte das Thema nicht auf das Wahlalter verengen: „Auch das Mitarbeiten in Parteien, Verbänden und Organisation hat eine Wirkung.“ Strässer räumte zugleich ein, das Geschehen in Berlin sei vielen jungen Menschen „viel zu abgehoben“, als dass es sie interessiere.

Aus dem Fundus des Engagements schöpfen

Lebhafte Diskussion (von links): Helmut Flötotto (Caritas), Kerstin Stegemann (BDKJ), Moderatorin Franziska Möller, Christoph Strässer (SPD) und Peter Neher (Caritas).
Lebhafte Diskussion (von links): Helmut Flötotto (Caritas), Kerstin Stegemann (BDKJ), Moderatorin Franziska Möller, Christoph Strässer (SPD) und Peter Neher (Caritas). | Foto: Jens Joest

Helmut Flötotto, Referatsleiter Soziale Arbeit im Diözesan-Caritasverband und Flüchtlingsbeauftragter des Bistums Münster, erinnerte an das Engagement in den vergangenen Monaten für Asylbewerber. Er nannte die Zahl von 7.000 ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern aller Generationen im katholischen Umfeld im nordrhein-westfälischen Bistumsteil: „Das ist ein Fundus, aus dem wir schöpfen können“, lobte er.

Kerstin Stegemann konfrontierte die Verantwortlichen mit Problemen junger Menschen, die zu Beginn des Arbeitslebens oft nur Zeitverträge erhielten: „Wo werden sie in fünf Jahren leben und arbeiten? Können sie mit ihrem Partner eine Wohnung finden? Und wie viele Kinder können sie sich leisten?“ Diese Frage verdränge oft die eigentliche Entscheidung, wie viele Kinder eine Familie sich wünsche.

Bischof Genn lobt „Caritäter“

SPD-Politiker Strässer warb für die Idee seiner Partei, die Grundlage der Sozialversicherung zu verbreitern: „Ich sehe nicht ein, warum ich als Rechtsanwalt nicht in die allgemeinen sozialen Sicherungssysteme einzahlen soll.“ Solche Konzepte seien auch ein Beitrag zur Gerechtigkeit zwischen den Generationen.

Vor der Veranstaltung zum Caritas-Sonntag hatte Bischof Felix Genn mit vielen haupt- und ehrenamtlichen Caritas-Mitarbeitern ein Pontifikalamt im Dom gefeiert. Genn lobte diese Engagierten auf Bistums- und Gemeindeebene: „Sie tun die Liebe. Und alles, was aus Liebe geschieht, geht nicht verloren.“ Genn schloss mit einem Appell an alle Christen: „Wer es mit Gott zu tun hat, wird Caritäter.“