Kessmann: Mitsprache von Flüchtlingen institutionalisieren

Caritas wirbt für eine Heimat in Vielfalt

Plakatmotiv
Ein Plakatmotiv der Caritas-Kampagne.Foto: pd

Die Caritas wirbt in diesem Jahr für eine Heimat in Vielfalt. Prälat Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbands, stellte die Jahres-Kampagne 2017 des katholischen Wohlfahrtsverbands am Mittwoch in Berlin vor. Sie steht unter dem Motto »Zusammen sind wir Heimat«. Angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen seien Einheimische und Zuwanderer gleichermaßen gefordert, ihren Beitrag für ein gelingendes Miteinander zu leisten.

»Wir leben in einer offenen Gesellschaft der Vielfalt, die für viele Menschen auch eine Herausforderung darstellt«, betonte Neher. Dazu gehöre auch, »sich mit Unterschieden in der Weltanschauung und der Lebensführung zu beschäftigen und Differenzen und Konflikte auf der Basis einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung auszutragen«. Das Flüchtlingsthema habe zu einer starken gesellschaftlichen Polarisierung geführt.

Neher: Durch Rechtspopulismus steigt Gewaltbereitschaft

Der Caritas-Präsident warnte vor einem Erstarken des Rechtspopulismus. »Damit geht teilweise eine Verrohung der Sprache einher, die mit einem besorgniserregenden Anstieg der Gewaltbereitschaft zusammenkommt.« Neher mahnte zu einer Versachlichung der Debatte, bei der auch die in der Gesellschaft vorhandenen Sorgen und Ängste wahrgenommen werden. Es sei Aufgabe von Politik, Kirchen und Zivilgesellschaft, die anstehenden Debatten zur Integration der Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat suchen, ernsthaft und sachlich zu führen.

»Heimat wird nicht geschützt oder bewahrt, indem man Grenzen zieht«, sagte Neher. So dürfe der Begriff der Heimat auch nicht rechten Gruppen überlassen werden. Heimat, das seien die Menschen, die einander begegnen. »Heimat entsteht, lebt und kann wachsen, indem wir unsere Sprache, unsere Kultur, unser Land teilen«, so Neher. Dies wolle die Caritas-Kampagne deutlich machen, die auch zum Dialog einlade.

Kessmann warnt vor Abschottungsprozessen

Münsters Diözesan-Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann sagte, Heimat meine heute weniger den Ort der Geburt und des Aufwachsens: »Heimat entsteht, wenn sich biografische Wurzeln im privaten Umfeld oder auch im Sozialraum entwickeln können.«

Kessmann warnte daher vor Abschottungsprozessen. Er kritisierte, dass der Familiennachzug für Flüchtlinge erschwert worden sei und ihnen Wohnorte zugewiesen würden: »So können wir keine Menschen für diesen Staat gewinnen.«

Mitsprachegremien für Flüchtlinge gefordert

Sinnvoll sei dagegen eine institutionalisierte Mitsprache von Asylsuchenden und Flüchtlingen auf lokaler, regionaler oder womöglich nationaler Ebene. Beheimatung gelinge nur, wenn Regeln und Werte der neuen Heimat übernommen werden und es Möglichkeiten der Teilhabe gebe.

Der nationale Caritas-Präsident Neher kündigte an, die Caritas wolle die Bundestagswahl 2017 mit der Aktion »Wählt Menschlichkeit« begleiten. Zudem würden Caritas-Mitarbeiter im Umgang mit rechtspopulistischen Parolen und Anfeindungen geschult. Mitarbeiter und Ehrenamtliche bekämen gerade in der Flüchtlingshilfe immer wieder abwertende oder diskriminierende Äußerungen zu hören.