Gespräch mit „Kirche+Leben“

CDU-Experte: Vatikan-Papier fehlt Ordnungsrahmen für Wirtschaft

Der Sozial- und Arbeitsmarktexperte Peter Weiß (CDU) hat das neue Vatikan-Dokument zu Wirtschafts- und Finanzfragen grundsätzlich begrüßt, aber Ausführungen zu einem Ordnungsrahmen für die Wirtschaft vermisst. Im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ sagte Weiß am Freitag: „Das Problem ist immer, wenn so ein Dokument generalisierend ist, weil es für die gesamte Weltkirche geschrieben ist.“

Weltweit gebe es Wirtschaftssysteme und wirtschaftliche Verhältnisse, die mit dem deutschen Verständnis von sozialer Marktwirtschaft wenig zu tun hätten. Dazu gehörten der ungezügelte Kapitalismus und der Sozialismus.

Der Vatikan fordert in dem am Donnerstag veröffentlichten Papier „Oeconomicae et pecuniariae questiones“ („Wirtschafts- und Finanzfragen“) eine stärkere internationale Kontrolle der Finanzwirtschaft und stärkere ethische Elemente in deren Unternehmenskultur. „Das Geld muss dienen und nicht regieren“, heißt es dem Dokument.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher tun können

Weiß begrüßte die Forderung nach einer größeren überstaatlichen Kontrolle der Finanzwirtschaft und erklärte, die Europäische Union habe die vom Vatikan geforderte Aufsicht und Regulierung im Bankenbereich bereits relativ stark umsetzen können. Im weltweiten Maßstab sei dies aber schwierig, weil sehr unterschiedliche wirtschaftliche Grundauffassungen verbreitet seien. „Da kann die katholische Kirche zur Schärfung des Bewusstseins beitragen", sagte der Sprecher für Arbeit und Soziales der Unionsfraktion im Bundestag.

Weiß rief Anleger und Konsumenten auf, bei Banken kritisch nachzufragen, nach welchen Gesichtspunkten jeweils das Geld angelegt werde. „Da können auch Verbraucherinnen und Verbraucher dazu beitragen, dass ethisches Investment weiter an Bedeutung gewinnt“, erklärte der CDU-Politiker, der selbst dem Ethik-Beirat der Kölner Pax-Bank angehört. Die Kontrolle der Geschäfts- und Anlagepolitik mit Blick auf ethische Fragen sei aber „noch ausbaufähig“, sagte der CDU-Politiker aus Emmendingen in Baden-Württemberg.