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Zum 100. Geburtstag der großen spirituellen Persönlichkeit

Chiara Lubich: Fokolare-Gründerin mit zwei Millionen Anhängern

Sie gilt als große spirituelle Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts: Chiara Lubich. Die Italienerin gründete die Fokolare, eine religiöse Laienbewegung - die nicht immer unumstritten war. Am 22. Januar wäre Lubich 100 Jahre alt geworden.

Sie gilt als eine der großen spirituellen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Chiara Lubich (1920-2008). Die Italienerin gründete die Fokolare, eine religiöse Laienbewegung - die nicht immer unumstritten war. Am 22. Januar wäre Lubich 100 Jahre alt geworden. Ihre „Karriere“ begann als Reaktion auf den Schrecken des Krieges.

Trient 1943: Bomben erschüttern die Stadt in Norditalien. Tausende Menschen fliehen, auch die Familie Lubich. Doch Chiara bleibt. 23 Jahre jung ist die tiefgläubige Volksschullehrerin. Mit Freundinnen bezieht sie eine kleine Wohnung. Die Frauen setzen auf praktizierte Nächstenliebe, sozusagen als Kontrastprogramm zum Weltkriegsgrauen um sie herum. Das erste Fokolar entsteht, das die Trienter Bevölkerung nach einem Wort für Herdfeuer benennt, in Anlehnung an die Wärme von Flammen und der sich darum sammelnden Familie.

Die Frauengemeinschaft will ihr Leben komplett in den Dienst Gottes stellen, getreu einem Satz aus dem Johannes-Evangelium: „Alle sollen eins sein.“ Daraus entwickelt sich unter den Fokolaren – zu denen bald auch Männer zählen – der vehemente Einsatz für ein friedvolles Miteinander aller Menschen in Geschwisterlichkeit, unabhängig von Konfession und Religion.

Die Eltern: sie Katholikin, er Sozialist

Chiaria Lubich (links) mit Mutter Teresa (1910-1997). | Foto: Neue Stadt

Lubich selbst wächst mit drei Geschwistern auf. Sie ist Kind einer überzeugten Katholikin und eines engagierten Sozialisten. Mit 19 beginnt ihr „geistiges Abenteuer“, wie es die Fokolare nennen. Lubich besucht den marianischen Wallfahrtsort Loreto in Mittelitalien. In der dortigen Basilika steht der Tradition zufolge Marias Geburtshaus aus Nazareth. Als sie dort gekniet habe, so Lubich später, habe etwas Göttliches sie umfasst. „Ich weinte unkontrollierbare Tränen.“

Vier Jahre später tritt Lubich dem Dritten Orden der Franziskaner bei. 1949 beendet sie ihre Mitgliedschaft, behält aber ihren geänderten Namen: Chiara – statt Silvia, wie sie getauft wurde –, zu Ehren der Ordensgründerin Klara von Assisi, wegen deren „entschiedener Wahl Gottes“, so die Fokolare. Am 7. Dezember 1943 legt Lubich das ewige Gelübde der Keuschheit ab. Dieses Datum gilt als Beginn der Fokolar-Bewegung.

An der Spitze steht immer eine Frau

Chiara Lubich mit Papst Johannes Paul II. Chiara Lubich mit Papst Johannes Paul II. | Foto: Neue Stadt

An deren Spitze steht laut Statut immer eine Frau. Dieses „weibliche Postulat“ erklärt die deutsche Fokolar-Sprecherin Andrea Rösch aus Ottmaring bei Augsburg so: „Chiara wollte sicherstellen, dass die Fokolare immer laiengeführt sind, und die marianische Dimension zum Ausdruck bringen.“

Und so heißen die längst päpstlich approbierten Fokolare kirchenrechtlich „Werk Mariens“. Aktiv sind sie heute in 182 Ländern und zählen rund 110.000 Mitglieder, davon 3.500 in Deutschland, wie Rösch sagt. Zugehörig fühlten sich der Organisation bis zu zwei Millionen Menschen. 90 Prozent der Fokolare seien katholisch, hinzu kämen Angehörige anderer Konfessionen und Religionen sowie Bekenntnislose.

So erfolgreich die Ausbreitung der Fokolare gelungen sein mag – ihre Geschichte hat auch Schatten. Da gibt es etwa den Vorwurf eines sektenähnlichen Personenkults um Chiara Lubich. Die Kritik sei heute nicht mehr haltbar, aber früher teils begründet gewesen, meint Rösch. „Chiara selbst war daran nie gelegen.“

Seligsprechungsprozess macht Fortschritte

Lubich starb am 14. März 2008 mit 88 Jahren in Rocca di Papa bei Rom. Papst Benedikt XVI. gedachte ihrer als einer „Botin der Hoffnung und des Friedens“. Geehrt worden war Lubich auch zu Lebzeiten: etwa mit dem Menschenrechtspreis des Europarats, dem Unesco-Friedenspreis und dem Templeton-Preis, dem „Nobelpreis der Theologie“. Ferner war sie Ehrenpräsidentin der „Weltkonferenz der Religionen für den Frieden“. Posthum könnte eine weitere Würde folgen: Der 2015 eröffnete Seligsprechungsprozess für Lubich hat es just in die vatikanische Prüfung geschafft.

Die Fokolare selbst gedenken ihrer Gründerin zum Jubiläum unter anderem mit einer international koordinierten Jahresschau des Historischen Museums von Lubichs Heimatstadt Trient. Zudem sind 2020 weltweit Festgottesdienste, Kulturveranstaltungen, Symposien und Tagungen zum Gedächtnis an die Italienerin geplant. Bei einem internationalen Bischofstreffen Anfang Februar hält auch der Münsteraner Weihbischof und Fokolare-Mitglied Christoph Hegge einen Vortrag. Chiara Lubich mag also fast zwölf Jahre tot sein - ihr Feuer brennt weiter.

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