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Update, 12. Mai: Kardinal auf Kaution frei

China-Kritiker Kardinal Zen offenbar in Hongkong festgenommen

  • Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (90) ist offenbar in Hongkong festgenommen worden.
  • Medien berichten, der frühere Bischof von Hongkong und prominente Kritiker der chinesischen Regierung und ihrer Religionspolitik sei von der Nationalen Sicherheitspolizei festgesetzt worden.
  • Eine Reaktion Zens oder der Diözese Hongkong gab es zunächst nicht; der Vatikan äußerte sich besorgt.

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (90) ist offenbar in Hongkong festgenommen worden. Wie die Zeitung "South China Morning Post" berichtet, wurde der frühere Bischof von Hongkong und prominente Kritiker der chinesischen Regierung und ihrer Religionspolitik gemeinsam mit zwei weiteren Personen von der Nationalen Sicherheitspolizei festgesetzt.

Bei den beiden anderen handelt es sich den Angaben zufolge um die ehemalige Oppositionsabgeordnete Margaret Ng Ngoi-yee und die Sängerin Denise Ho Wan-sze. Laut ungenannten Quellen der Zeitung wird ihnen vorgeworfen, mit ausländischen Kräften zusammenzuarbeiten. Bereits am Dienstag sei auch der Kulturwissenschaftler Hui Po-keung am Flughafen von Hongkong verhaftet worden, hieß es.

Unterstützer prodemokratischer Proteste

Insgesamt sollen fünf Personen verhaftet worden sein, die wie Zen als Treuhänder an der Verwaltung eines inzwischen aufgelösten humanitären Fonds für Demonstranten der gegen Peking gerichteten prodemokratischen Proteste 2019 beteiligt waren. Ihnen werden laut Medienberichten "geheime Absprachen mit ausländischen Kräften" vorgeworfen.

Kardinal Zen war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Auch aus der Diözese Hongkong lag vorerst keine Reaktion vor. Der Vatikan erklärte, man habe die Nachricht "mit Besorgnis zur Kenntnis genommen" und verfolge "die Entwicklung der Situation sehr genau".

Menschenrechtler sehen neuen "Tiefpunkt" erreicht

Zen zählt zu den kirchenpolitisch prägenden katholischen Kirchenvertretern Asiens. Über seine Amtszeit hinaus gehört der Ordensmann der Salesianer Don Boscos zu den prominenten Kritikern der chinesischen Regierung und ihrer Religionspolitik, zuletzt zunehmend auch des Vatikans und seiner China-Politik.

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) nannte die Festnahmen "schockierend". "Die Verhaftung eines 90-jährigen Kardinals wegen seiner friedlichen Aktivitäten ist ein schockierender neuer Tiefpunkt für Hongkong und veranschaulicht den freien Fall der Menschenrechte in der Stadt in den vergangenen zwei Jahren", sagte HRW-Mitarbeiterin Maya Wang dem Portal "Hong Kong Free Press".

Hartes Durchgreifen in Hongkong

Weiter hieß es: "Die Verhaftungen, die nach der Ernennung des ehemaligen Sicherheitschefs John Lee durch die chinesische Regierung zum Regierungschef der Stadt erfolgen, sind ein unheilvolles Zeichen dafür, dass das harte Durchgreifen in Hongkong eskalieren wird." Der chinatreue bisherige Sicherheitsminister John Lee war am Sonntag zum Regierungschef Hongkongs bestimmt worden.

Seit Einführung des sogenannten Nationalen Sicherheitsgesetzes Ende Juni 2020 durch China werden in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong Freiheitsrechte, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit unterdrückt. Hunderte Demokratieaktivisten wurden verhaftet; Tausende entzogen sich der Verfolgung durch die Flucht in Ausland.

Bereits zuvor Aktionen gegen die Kirche

Auch die Religionsfreiheit gerät zunehmend unter Druck der prochinesischen Führung. Im Juni 2021 wurden Gottesdienste in sieben katholischen Kirchen am Jahrestag des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens Ziel pro-chinesischer Aktivisten. Sie postierten vor den Kirchen Transparente mit der Aufschrift "Bösartiger Kult" und stellten Kardinal Zen als gehörnten Teufel dar.

Update 12. Mai: Kardinal wieder frei

Der in Hongkong festgenommene Kardinal Joseph Zen Ze-kiun ist offenbar wieder in Freiheit. Das unabhängige Internetportal „Hong Kong Free Press“ verbreitete am Mittwochabend auf Twitter ein Foto des Kardinals mit Maske und die Information, der 90-jährige Zen sei auf Kaution aus dem Polizeihauptquartier entlassen worden. Anschließend habe er den Ort ohne weitere Erklärungen in einem Privatauto verlassen.