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Borkener Kantor über seine Arbeit in der Corona-Pandemie

Chormusik im Advent: Hoffen auf das Singen von Bachs Weihnachtsoratorium

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Advents- und Weihnachtszeit ohne Konzerte und Chormusik – das mögen sich viele Menschen gar nicht vorstellen. Die Corona-Pandemie hat auch die Kirchenchöre fest im Griff, die in diesen schwierigen Wochen ihre Proben für Aufführungen und festliche Gottesdienste haben. Vor welchen Herausforderungen Chöre jetzt stehen und warum die Sängerinnen und Sänger hoffen, für adventliche Stimmung sorgen zu können, erklärt im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ der Leiter der Kirchenmusik der Propsteigemeinde St. Remigius in Borken, Thomas König.

Herr König, seit einigen Wochen beginnen wieder Planungen für die Auftritte von Chören. Wie sind die Chöre von St. Remigius in Borken zuletzt durch die Corona-Zeit gekommen?

Als sich die Corona-Situation nach dem zweiten Lockdown im November 2020 etwas entspannte, konnten unter Einhaltung der Hygieneregeln wieder Proben stattfinden. Vor den Sommerferien 2021 konnte sogar ein gemeinsamer Gottesdienst aller Gruppen stattfinden, der ein bisschen als Ersatz für die ausgefallenen Sommerfeste stand. Nach den Sommerferien wurde mit verpflichtender Testung wieder weitgehend normal geprobt. Mit viel Vorbereitung und Überlegungen zur Sicherheit war es möglich, in den Herbstferien sogar eine Chorfreizeit für unsere „ChorSingSchule“ stattfinden zu lassen, bei der mehr als 60 Kinder und Jugendliche drei Tage zum Proben und Spielen gemeinsam nach Kranenburg am Niederrhein gefahren sind.

Wie laufen die Chorproben aktuell ab?

Zurzeit wird die Lage wieder schlechter, und die Überlegungen bezüglich der Feiertage sind noch nicht endgültig abgeschlossen. Aber wie sich auch immer die Corona-Situation entwickelt, ist es der Propsteimusik in Borken ein großes Anliegen, auch in diesen Zeiten mit den Mitgliedern der Chöre verbunden zu sein und mit Musik durch die schwere Zeit zu kommen in der Hoffnung, dass das Singen bald wieder sorgenfrei möglich ist.

Viele Sängerinnen und Sänger engagieren sich in Chören der Propsteigemeinde in Borken: Propsteichor, ChoR96, Assisi-Chor, Emmaus-Chor, Engelradingchor, Kirchenchor St. Michael. Wie schätzen Sie die Bereitschaft ein, „nach Corona“ wieder in einem Chor mitzusingen?

Thomas König, Kantor der Propsteigemeinde St. Remigius in Borken.
Thomas König, Kantor der Propsteigemeinde St. Remigius in Borken, bei einem Konzert. | Foto: privat

In der Propsteimusik engagieren sich insgesamt mehr als 120 Kinder und Jugendliche sowie 150 Erwachsene. Sie kommen wöchentlich zu den Proben. Während der letzten zwei Jahre haben wir uns oft die Frage gestellt, ob die Menschen auch nach der Pandemie bereit sind, wieder mitzusingen. Nachdem wir wieder singen durften, waren wir positiv überrascht, dass die allermeisten Sängerinnen und Sänger wieder zu den Proben kamen und viele im Gespräch bekundeten, wie sehr ihnen das Singen und das gemeinsame Musizieren gefehlt hat. Somit hat die Zwangspause vielen Menschen gezeigt, was ihnen die Mitwirkung im Chor bedeutet.

Wie motivieren Sie junge Menschen, in einer Musikgruppe mitzumachen?

In der heutigen Zeit, in der es für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene eine große Vielfalt an Freizeitangeboten gibt, ist es gar nicht so einfach, neue Sängerinnen und Sänger zu gewinnen. Zunächst ist es wichtig, sein Angebot erst einmal zu kommunizieren. Gerade in sozialen Medien sind wir in den letzten Jahren sehr aktiv geworden. Wir berichten regelmäßig von unseren Aktivitäten rund ums Singen. Für viele Menschen ist auch heutzutage die Hemmschwelle hoch, sich längerfristig zu binden. Aus diesem Grund bieten wir regelmäßig die Möglichkeit, projektmäßig in den Ensembles dabei zu sein und zum Beispiel nur das Weihnachtsoratorium mitzusingen. Um langfristig Menschen für die Musik zu begeistern, versuchen wir außerdem schon sehr früh, den Kindern Freude am Singen zu vermitteln. Erfolgreich bieten wir in sieben Kindergärten der Borkener Propsteigemeinde wöchentlich eine „SingSchule“ für alle Vorschulkinder an. Die Kinder entdecken dabei spielerisch ihre Stimme, und viele wechseln im Anschluss an die Kindergartenzeit in die Vorchöre der „ChorSingSchule“.

Die Wochen im Advent und die Weihnachtszeit gelten als wichtige Zeiten für Auftritte von Chören und Konzerte. Auf welche Konzerte und musikalische Darbietungen dürfen sich die Musikbegeisterten in Borken freuen, wenn die Corona-Situation es zulässt?

Wir möchten am 9. Dezember 2021 das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufführen. Nachmittags ein Konzert für Kinder, zu dem wir den Autor des „Bachs Weihnachts-Oratorium für Kinder“, Michael Gusenbauer, als Schauspieler verpflichten konnten. Abends werden dann die Kantaten I-III für alle erklingen, für die Weihnachten ohne Bachs Weihnachtsoratorium kein Weihnachten ist. Neben hervorragenden Solisten haben wir wieder mit „L’arpa festante“ ein Spitzenorchester verpflichten können, das auf historischen Instrumenten spielt. Der Propsteichor und die Kammerchöre der Mädchen- und Knabenkantorei proben seit einiger Zeit unter hohen Corona-Sicherheitsmaßnahmen für dieses besondere Ereignis.

Was planen Sie weiterhin?

An den vier Adventssonntagen finden traditionell die adventlichen Besinnungen statt, die die verschiedenen Chorgruppen musikalisch gestalten. Bei besinnlicher Musik und tiefgründigen Texten sind die Menschen eingeladen, innezuhalten und zur Ruhe zu kommen. Auch an Weihnachten sollte eigentlich zu allen Festtagen anrührende Weihnachtsmusik, begleitet von einem Orchester, erklingen. Zurzeit ist jedoch wegen der Corona-Lage alles ungewiss. So sehr wir uns ein unbeschwertes Weihnachtsfest mit toller Chormusik wünschen: Die Sicherheit der Menschen steht an erster Stelle.

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