HEILIGES LAND

Christen in Israel: Warum der Patriarch kaum Hoffnung auf Besserung hat

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Übergriffe und Spuckattacken auf Christen: Wie Patriarch Pierbattista Pizzaballa die Lage einschätzt.

Von KNA

Ein Übergriff eines jüdischen Fundamentalisten auf eine Ordensfrau, Spuckattacken auf Christen: Der Jerusalemer Patriarch Pierbattista Pizzaballa schaut mit Sorge auf die Lage der Christen in Israel. Die Situation habe sich zuletzt deutlich verschlechtert, sagt der Kardinal dem "Spiegel". Dass Christen angespuckt werden, sei nichts Neues, aber viel häufiger geworden.

Befürchtungen hat der Patriarch auch wegen der anstehenden Parlamentswahl in Israel. Da könne es etwa im jüdischen Viertel der Altstadt oder auf dem Zionsberg "für Christen sehr unangenehm werden".

Übergriff auf Ordensfrau

Ende April war eine 48-jährige Ordensfrau aus Frankreich in der Jerusalemer Altstadt von einem Mann zu Boden gestoßen und mit Tritten verletzt worden. Pizzaballa sagt, es habe eine Gerichtsverhandlung geben sollen, doch die Kammer habe sich bis Juli vertagt.

"Die Polizei hat das Video der Tat veröffentlicht, was ungewöhnlich ist. Offenbar hat man erkannt, wie ernst der Fall ist", so der Kardinal. "Sicher hat die internationale Empörung dazu beigetragen. Ob sich wirklich etwas für uns ändert, wage ich zu bezweifeln - auch mit Blick auf die bevorstehende Parlamentswahl."

Weltweite Folgen der Lage in Israel

Auf den Hinweis, die auch von Rechtsextremen besetzte israelische Regierung rühme sich eines guten Verhältnisses zu den Christen, sagt der Kardinal: "Mit den evangelikalen Christen, etwa in den USA, kommen sie sehr gut klar. Mit den traditionellen Christen weniger." Nach den jüngsten Vorfällen habe die Regierung einen Gesandten im Außenministerium eingesetzt; einen Diplomaten, der zuvor im Vatikan war.

Der Patriarch beklagt, die weltweite Stimmung von Christen gegenüber Israel werde immer schlechter. Er werde von Christen aus vielen Ländern zur Lage befragt. Sie erlebten problematische Äußerungen einiger israelischer Minister, die etwa die Todesstrafe für Palästinenser propagierten, und beobachteten, wie der Konflikt in ihren eigenen Ländern zu Problemen führt. "Sie fragen uns, wie sie damit umgehen sollen. Manchmal weiß ich nicht, was ich sagen soll."

Gibt es Hoffnung?

Auf die Frage, was ihm Hoffnung gibt, sagt Pizzaballa, er sehe kurzfristig keine Lösung. "Derzeit kann ich weder auf politische noch religiöse Institutionen bauen."

Aber er sehe an der Basis viel Engagement. “Ich war kürzlich bei einer Friedenskonferenz in Tel Aviv, dort waren tausende Menschen, die etwas tun wollen. Das gibt mir Hoffnung.”

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