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Chefredakteurin Annette Saal über zunehmende Intoleranz in der Kirche

Christen sollten anders streiten

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Der Ton wird schärfer, wenn es um Konflikte in der Kirche geht. Zunehmend werden im Streit Grenzen überschritten, meint Annette Saal, Chefredakteurin Print von "Kirche+Leben", in ihrem Kommentar.

In wenigen Tagen feiern wir Ostern. In der Osternacht geben wir das Osterlicht an unsere Mitchristen weiter. Wir feiern unsere Erlösung – das Beste, was uns passieren kann.

Doch schon bald wird uns, wie es nach den Feiertagen halt immer so ist, der graue Alltag wiederhaben. Und bald werden wohl alle wieder in die alten Rollen verfallen. Das betrifft auch die Streitkultur in der katholischen Kirche.

 

Bei manchen Fragen  gibt es keine Kompromisse

 

Da wird verbal aufeinander eingedroschen, dass die Fetzen fliegen. Kirchenvolk gegen Amtskirche, rechts gegen links, progressiv gegen konservativ. Der Ton wird schärfer, Beleidigungen häufen sich. Urteile verfestigen sich zu Vorurteilen, indem man nur das liest und hört, was man lesen und hören will. Offensichtlich ist es um die Kompromissbereitschaft nicht mehr allzu gut bestellt.

Wohlgemerkt: Bei bestimmten Themen wie beim sexuellen Missbrauch und dessen Vertuschen darf es keine Kompromisse, kein verbales Weichspülen, kein „Ja, aber...“ geben. Jedoch liegen durchaus Themen in der Luft, die berechtigterweise kontrovers gesehen werden können. Schließlich ist es höchste Zeit für die Kirche, darüber zu diskutieren, wie sie Gegenwart und Zukunft gestalten will.

 

Es geht nicht darum, jemanden kleinzukriegen

 

Dafür steht zum Beispiel der Synodale Weg. Auch hier wird miteinander gerungen – in der Regel auf respektvolle Weise. Denn darum geht es: So zu streiten, dass andere Meinungen zumindest ernsthaft zur Kenntnis genommen werden. Es geht nicht darum, jemanden kleinzukriegen. So zu streiten, dass bei Abstimmungen Mehrheiten zu akzeptieren sind. Dass die eigene Position nicht um jeden Preis die einzig gültige ist. Dass im Streit keine vernichtenden Wörter fallen.

Christen – Amtsträger wie Laien – sollten sich bei Auseinandersetzungen um eine respektvolle Streitkultur bemühen. Das entspräche einer österlichen Grundstimmung – gerade in diesen Wochen.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche soll einmal gesagt haben, dass die Christen eigentlich erlöster aussehen müssten. Müssten sie nicht auch erlöster streiten?

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