Früherer Stadtdechant: Entscheidung höchst fragwürdig

Christen und Juden kritisieren AfD-Einladung zum Katholikentag

Als „höchst fragwürdig“ kritisiert die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (CJZ) Münster die Einladung des AfD-Politikers Volker Münz zu einem Podium des Katholikentags im Mai in Münster. Der geschäftsführende CJZ-Vorsitzende Ferdinand Schumacher verwies in einer Rede auf Selbsteinschätzungen von Münz.

Dieser beteuere, sich als Christ zu verstehen, der das Abendland gegen den Einfluss Anderer und Fremder verteidigen wolle. „Aber was ist das Abendland?“, fragte Schumacher. Zum abendländischen Denken gehöre auch Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

„Katholische Kirche ist Volk Gottes aus allen Völkern“

Zudem gelte: „Die katholische Kirche versteht sich als Volk Gottes aus allen Völkern und Sprachen.“ Ähnlich habe sich nach Schumachers Worten Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) in der Gedenkstunde für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung Ende Januar im Bundestag geäußert: „Wer vom Volk spricht, aber nur bestimmte Teile der Bevölkerung meint, legt Hand an unsere Ordnung.“

Schumacher kritisierte, bei einem Katholikentag solle dem Vertreter einer Fraktion das Wort erteilt werden, die diese Einschätzung offenbar nicht teile. Der frühere katholische Stadtdechant von Münster verwies darauf, dass die AfD-Fraktion der Rede Schäubles kaum applaudiert habe – und an der zitierten Stelle gar nicht.

„Ist das nicht die Sprache der NS-Propaganda?“

Darüber hinaus zitierte Schumacher einen Facebook-Post der münsterschen AfD-Ratsfraktion. Der Eintrag unterstelle dem Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Münster, Sharon Fehr, Freude an einem angeblichen Untergang Deutschlands. „Ist das nicht die Sprache der NS-Propaganda?“, fragte Schumacher rhetorisch. Der CJZ-Vorsitzende sprach bei der Eröffnungsveranstaltung zur „Woche der Brüderlichkeit“ in Münster.