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Zu Ostern gibt es in vielen Ländern unterschiedliche Traditionen. Unser Gastautor wuchs in Belarus auf. Warum er christliches Brauchtum schätzt.
Jedes Mal, wenn ich Kinder beobachte, die im Garten überall nach Ostereiern suchen, habe ich etwas Heimweh. Und das, obwohl der Osterhase in meiner Kindheit nie existierte und die Ostereier nie jemand versteckt hat.
In meiner Kindheit gingen wir im Dorf meiner Oma einfach von Haus zu Haus, fast pilgernd, und sammelten die Eier von den Hausbewohnern in Handkörben. Das lief oft so:
Auf dem Dorf in Belarus
Wir, klopfend: „Christus ist auferstanden!“ Die fremden Omas, lächelnd: „Wahrhaftig auferstanden! Und von wem seid ihr, Kinder?“
Hier fingen wir durcheinander an, aufzuzählen, wer von welchen Omas und Opas in diesem Dorf kommt. Dann fragten die Omas uns lächelnd: „Und was wollt ihr bei uns?“
In diesem Moment schwiegen alle, bis irgendein kleines Mädchen leise antwortete: „Ostereierchen…“ Dann wurde gelacht, und wir bekamen – jedes Kind ein Stück – ein farbiges Ei. In manchen Häusern erbeuteten wir statt Eiern ein paar Kekse oder Schokolade. So ein „österliches Halloween“, nur ohne Totenschädel.
Die Eierschlacht
Der Autor
Ilja Lapato hat Journalistik in Minsk und München studiert. Aktuell arbeitet er als Referent bei der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde in Münster.
Der wichtigste Moment war, wenn man wieder nach Hause kam und mit den Geschwistern die „Eierschlacht“ begann. Wessen Ei beim Zusammenstoßen keinen Schaden hatte, der gewann. Ich weiß noch, wie überrascht ich war, als ich zum ersten Mal von anderen ein grünes oder gelbes Ei bekommen hatte.
Meine Oma hat die Eier für den Ostersonntag immer mit Zwiebelschalen gefärbt. Und als die fremden Kinder bei uns für die Ostereier klopften, hatte Oma immer mehrere zwiebelrote Eier aus dem Kühlschrank parat. Genauso wie die Frage: „Von wem seid ihr, Kinder?“ So war die katholische Ostertradition auf dem Dorf in Belarus.
Anders in Deutschland
Uns Kindern war es in der Fastenzeit oft untersagt, zu singen. An Tanzen haben wir sowieso nie gedacht. Am Karfreitag brachte man zur Kreuzverehrung keine Blumen oder Steine mit, sondern… das Geld für die Kollekte. So eine Box stand immer links vor dem Kreuz.
Als ich meinen ersten Karfreitag in Deutschland erlebte, war ich einer der wenigen in der Kirche, der ohne Blumen gekommen war – aber mit Münzen in der Tasche. In der Osternacht war die Geschichte ähnlich: Auf meinen Korb mit Eiern, Schinken, Brot und anderem Fingerfood, den ich extra zum Segnen mitgebracht hatte, schielten die Menschen, ohne etwas zu sagen.
Was Traditionen bewirken
„Das gibt es heute noch in polnischen Gemeinden oder bei den Sorben“, antwortete mir nach der Messe der Priester. Heute weiß ich aber, dass sich dieselbe Feier unterschiedlich gestalten lässt.
Die Traditionen zu beobachten und sie zu vergleichen, macht Spaß. Sie prägen unser christliches Ich und bilden unseren kirchlichen Hintergrund. Es ist schön, diese Traditionen weiter zu pflegen. Letztendlich tragen sie auch zu unserer Identität bei, auch wenn wir es heute in der Zeit des Säkularismus nicht unbedingt zugeben möchten.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.