POLITIK

„Karikatur“: Soziologin warnt vor rechter Vereinfachung des Christentums

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Religiöser Radikalismus verfängt weltweit immer stärker. Die österreichische Wissenschaftlerin Kristina Stoeckl hat eine Erklärung dafür.

Von KNA

Die Soziologin Kristina Stoeckl hat vor einer zunehmenden Vermischung von Religion und Politik gewarnt. Religiöse Inhalte würden gezielt vereinfacht und politisch zugespitzt, sagte Stoeckl der österreichischen Wochenzeitung „Die Furche“. „Es entsteht eine Karikatur des globalen Christentums und ein Zerrbild der liberalen Gesellschaft. Aber diese Vereinfachung funktioniert vielerorts.“

In Europa werde Religion zunehmend politisch genutzt. Rechte Parteien beriefen sich auf „christliche Werte“, ohne sich an kirchliche Lehren zu binden. Zugleich nehme in Teilen der Bevölkerung die religiöse Bindung ab, wodurch vereinfachte und zugespitzte Deutungen leichter Anschluss fänden.

Inhaltliche Reduktion

Charakteristisch für diese Strömungen sei eine starke inhaltliche Reduktion. „Das heißt, es werden wenige Inhalte zusammengefügt, die maximale Spannung mit liberalen Werten erzeugen, zum Beispiel pro-life, anti-gender, traditionelle Familie gegen pro-choice und LGBT-Rechte“, so Stoeckl. Dadurch entstehe eine gewollte Polarisierung. Dabei verlaufe die Trennlinie nicht zwischen religiösen und nichtreligiösen Akteuren, sondern quer durch Gesellschaften und Kirchen.

Die Folgen seien auch innerhalb der Kirchen spürbar. Differenzierte Positionen würden verdrängt, während sich Debatten zunehmend in Gegensätzen zuspitzten.

Verhältnis von Kirche und Staat in Gefahr

Nach Stoeckls Analyse gerät damit auch das lange stabile Verhältnis von Staat und Religion ins Wanken. Während sich in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ein Modell der Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Säkularisierung etabliert habe, sei das religiöse Feld in den USA durch Konkurrenz und Polarisierung geprägt. Davon profitierten heute insbesondere fundamentalistische Gruppen, deren Positionen zunehmend einflössen.

Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Entwicklung laut Stoeckl in den USA. Dort hätten fundamentalistische Gruppen durch ihre Nähe zur politischen Führung an Einfluss gewonnen. Religiöse Deutungsmuster fänden sich bis in staatliche Kommunikation hinein, teils verbunden mit apokalyptischen Vorstellungen innerhalb politischer Bewegungen. Gleichzeitig wirkten diese Narrative über nationale Grenzen hinaus. Durch globale Vernetzung und strategische Einflussnahme verbreiteten sich die zugespitzten Deutungen international, mit wachsendem Einfluss auf politische Debatten und religiöse Diskurse auch in Europa.

Stoeckl stammt aus Österreich und lehrt an der Libera Università Internazionale degli Studi Sociali in Rom.

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