Das Fest und die Symbolik des „Nach-Hause-Kommens“

Christi Himmelfahrt – lässt Jesus uns allein?

Das ist das Merkwürdige am Fest Christi Himmelfahrt: Jesus geht zurück zu seinem Vater – und lässt seine Lieben allein. Oder doch nicht?

Möchten Sie Ihren Lebensabend in angenehmer Wohlfühlatmosphäre verbringen, sich wie zu Hause und rundum versorgt fühlen? Dann sind Sie bei uns richtig: „Haus Abendfrieden“ oder „Residenz Sonnenuntergang“. Danach kümmert sich Ihr Bestattungsinstitut „Himmelsleiter“ oder „Heimkehr“ um alles weitere.

Das war es dann wohl. „Heimkehr“? So hieß doch eine Parabel von Franz Kafka. „Ich bin zurückgekehrt.“ Aus gespannter Vorfreude auf ein Wiedersehen im Elternhaus werden nach langer Abwesenheit jedoch Unsicherheit, Angst und Fremdheit: „Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man.“ Das einst vertraute Heim der Familie scheint dem Ankömmling nun wie ein unzugängliches Geheimnis. Hier kann er nicht (mehr) ankommen. Was bleibt, ist Entfremdung. Die ursprüngliche Beziehung erscheint gestört, wenn nicht gar zerstört. Nichts ist mehr selbstverständlich. Heimischsein, liebevolle Geborgenheit und Harmonie sind in weite Ferne gerückt.

Schmerzlicher Verlust?

Der Dichter Hermann Lingg empfand ähnlich: „In meine Heimat kam ich wieder, es war die alte Heimat noch, dieselbe Luft, dieselben Lieder, und alles war ein andres doch. ... Vor dem Haus, wo uns vor Jahren die Mutter stets empfing, dort sah ich fremde Menschen fremd gebaren; wie weh, wie weh mir da geschah!“ Der Verlust der unwiederbringlichen Vertrautheit schmerzt zutiefst.

Es gibt aber auch die Heimkehr zum schweren Neuanfang an alter Stätte. Israel musste allerdings lange darauf warten, erst nach 70 Jahren konnte es aus dem babylonischen Exil zurückkehren. „Heimkehrer“ nannte man die Kriegsgefangenen und Internierten des Zweiten Weltkriegs, die nach Jahren der Gefangenschaft in eine stark veränderte Heimat zurückgelangten.

Heimkehr bei Lukas und Kafka

Was Heimkehr wirklich bedeutet, kann nur der erfahren, der seine Heimat verlassen hat und Sehnsucht nach ihr verspürt. Der „verlorene Sohn“ (Lk 15) zog aus in die Welt und verprasste sein Vermögen. Ganz unten angekommen trat bei ihm die Wende ein und trieb ihn nach Hause. Anders als bei Kafkas „Heimkehr“ wird er wider Erwarten von seinem Vater aufs herzlichste in Empfang genommen. Er ist nicht mehr verloren, da er sein Zuhause wieder gefunden hat.

Vielleicht ist der andere Sohn viel verlorener, der seine Heimat zwar nie verlassen, aber sie auch nie recht schätzen gelernt hat. Bei Kafka blieb offen, ob der Heimkehrer ins Haus hineingegangen ist, bei Lukas bleibt offen, ob der zu Hause Gebliebene in den Festsaal eintrat, in dem die glückliche Heimkehr des anderen Bruders gefeiert wurde.

Das endgültige Zuhause

Jesus gebraucht in seinem Gleichnis das „Verlorengehen“ und „Wiedergefundenwerden“ als Bild für das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Er wusste, was Heimat und Heimatlosigkeit bedeutet. Von sich selbst sagte er: „Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Zugleich kannte er seine Herkunft, er war bei seinem Vater zu Hause (Lk 2,49) und wurde nach seiner Auferstehung von den Toten in den Himmel aufgenommen (Apg 1,11), das heißt er kehrte endgültig zu seinem Vater heim. Damit lässt er uns nicht verwaist zurück, vielmehr bietet er uns eine Zukunft über dieses Leben hinaus, ein endgültiges Zuhause.

Bei der Heimkehr zu Gott werden wir kein Massenquartier vorfinden, sondern er spricht bildhaft von den vielen Wohnungen, die für uns bereit stehen werden (Joh 14,2). Auf diese Zusage der bleibenden Geborgenheit bei Gott dürfen wir bauen. Eine Residenz „Abendrot“ oder ein Beerdigungsinstitut „Lebensnah“ sind nicht das Letzte. Gott sei Dank.