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Die Kirchen haben das Fach, das unter anderem den katholischen Unterricht ersetzt, selbst entwickelt. Medien kritisieren die Lehrpläne.
Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) weist Vorwürfe zurück, im neuen christlichen Religionsunterricht kämen christliche Inhalte zu kurz. Das Fach, das ab Sommer schrittweise die Fächer Evangelischen und Katholische Religion ersetzen soll, sei "selbstverständlich" bekenntnisgebunden, sagt die Ministerin.
Im Fach "Christliche Religion" sollen ab August evangelische und katholische Schüler der Klassen 1 bis 10 gemeinsam unterrichtet werden statt wie bisher zumeist getrennt. Das Fach ist offen für weitere Interessierte, die keiner Kirche angehören.
Medien: Jesus kommt im Lehrplan kaum vor
Die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer - darunter das Offizialat Oldenburg für das Bistum Münster - hätten das bundesweit einzigartige und wegweisende Modell des christlichen Religionsunterrichts selbst entwickelt, sagt Hamburg. Sie hätten auch dafür gesorgt, dass im Entwurf der Lehrpläne christliche Themen, Handlungsperspektiven und Glaubenserfahrungen "im Fokus des Fachs stehen". Hamburg: "Die aktuellen Schlagzeilen zum geplanten neuen Religionsunterricht in Niedersachsen verzerren die Tatsachen."
Die Ministerin reagiert auf Berichte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) und von "Bild". Demnach komme in den Lehrplan-Entwürfen zum christlichen Religionsunterricht Jesus nur in fünf der rund 130 Themen vor. "Dafür ist unter anderem die Rede von der Scharia und den UN-Klimazielen", so die NOZ.
SPD: Medienberichte verzerren und spalten
Die SPD-Fraktion im Landtag nennt die Berichte von NOZ und "Bild" verantwortungslos: "Hier wird bewusst mit Verzerrungen und Schlagworten gearbeitet, um Stimmung zu machen und gesellschaftliche Spaltung zu befeuern", sagt der religionspolitische Sprecher Thore Güldner. Der neue christliche Religionsunterricht stelle christliche Inhalte klar in den Mittelpunkt.
Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen betont in einer Stellungnahme, der Unterricht werde religiöse Grundfragen des Menschen auf der Grundlage des Christentums diskutieren. Religiöse Bildung sei für Kinder und Jugendliche wichtig, "um mit den Herausforderungen des modernen Lebens, den multiplen Krisen und der Gestaltung von Zukunft umgehen zu können".
Evangelische Kirchen: Lehrpläne noch nicht final
Die Unterrichtsinhalte seien aber im Detail noch nicht festgelegt, so der Sprecher der Konföderation, Benjamin Simon-Hinkelmann. Die von Lehrkräften, Kirchenvertretern und Religionspädagogen entwickelten Entwürfe befänden sich in der Anhörung und könnten noch verändert werden. Auch die voraussichtlich Ende April vorliegende Endfassung sei vorbehaltlich der Zustimmung der Kirchen wie auch des Landtags.