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„Ein-Mann-Demo“ mit Schildern wie „Moderne Sklaverei beenden“

Corona bei „Westfleisch“ in Coesfeld - Pfarrer Kossen demonstriert

Der katholische Sozialpfarrer Peter Kossen aus Lengerich hat mit einer angemeldeten „Ein-Mann-Demo“ vor den Toren von „Westfleisch“ in Coesfeld protestiert. Dort war das Corona-Virus ausgebrochen.

Der katholische Sozialpfarrer Peter Kossen aus Lengerich hat am Samstag mit einer angemeldeten „Ein-Mann-Demo“ gegen Arbeitsbedingungen in Fleischfabriken und Schlachthöfen demonstriert. Fast drei Stunden lang stand er mit Schildern wie „Moderne Sklaverei beenden“ vor dem Werkstor von „Westfleisch“ in Coesfeld.

Der Betrieb war am Freitag geschlossen worden, nachdem mehr als 100 Beschäftigte positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren. Auch bei einem „Westfleisch“-Betrieb in Oer-Erkenschwick im Kreis Recklinghausen gibt es knapp drei Dutzend Infektionen. In Nordrhein-Westfalen werden nun sämtliche Schlachthof-Mitarbeiter auf das Virus getestet. Anhaltspunkte dafür, dass vom produzierten Fleisch eine Corona-Gefahr ausgeht, gibt es nach Angaben der Landesregierung nicht.

„Man kann sich auf Zusagen der Betriebe nicht verlassen“

Pfarrer Kossen (links) und ein Mitstreiter vor dem Westfleisch-Tor
Pfarrer Kossen (links) und ein Mitstreiter vor dem Westfleisch-Tor. | Foto: Gudrun Niewöhner (pbm).

Die Coesfelder Schließung könne nur ein Anfang sein, sagte Kossen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Die Reißleine musste gezogen werden, weil offensichtlich wurde, dass man sich auf die Zusagen der Betriebe nicht verlassen kann.“ Das betreffe nicht nur „Westfleisch“, sondern auch viele andere Fleischfabriken. Er hoffe, dass Niedersachsen nachziehe und auch dortige Schlachtbetriebe „stärker kontrolliert und gegebenenfalls schließt“.

„Ein Systemwechsel ist dringend notwendig“, ergänzte der Theologe. Unter anderem müsse die Corona-Vorschrift „Ein Mensch - ein Raum“ auch in der Fleischindustrie durchgesetzt werden.

„Ausländische Arbeitskräfte wehrlos gegen das Virus“

Momentan seien Massenunterkünfte für die meist ausländischen Arbeiter der Regelfall, wo zum Teil sehr schlechte hygienische Bedingungen herrschten. Außerdem würden die meisten „in vollgestopften Bussen zur Arbeit gekarrt“, was das Infektionsrisiko weiter erhöhe.

Saisonarbeiter in Fleischindustrie und Landwirtschaft stünden dem Virus oft wehrlos gegenüber, so Kossen. Ihre Lebensbedingungen müssten grundsätzlich verbessert werden. Weitere Infektionen seien sehr wahrscheinlich.

„Arbeiter in Hotels unterbringen“

Die Behörden müssten den Betrieben „endlich auf die Füße treten“, damit diese für menschenwürdige Arbeitsbedingungen sorgen. Zum Beispiel müssten Unternehmer freie Hotelkapazitäten und andere Alternativen zur Unterbringung nutzen.

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