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Serie "Das Schöne bleibt" (4) - Kommentar aus der Redaktion

Corona hat Mut gemacht, sich von Traditionen zu trennen

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Das Leben ist durch die Corona-Pandemie kräftig durchgeschüttelt worden. Die Beschränkungen betrafen viele Lebensbereiche, so auch das Gemeindeleben. Viele Ideen und Innovationen sind in den Gemeinden des Bistums Münster entstanden, die nun dauerhaft fortgeführt werden. Mit diesen Neuheiten beschäftigt sich unsere Serie "Das Schöne bleibt". In ihrem Kommentar zieht unsere Redakteurin Marie-Theres Himstedt ihre ganz eigene Bilanz.

Aufatmen, seufzen, Luft holen: Was bleibt uns nach dieser Pandemie? Unter anderem die Erkenntnis, dass es gar nicht so viel Mut braucht, sich von Vertrautem zu trennen, und dass es ganz hilfreich sein kann, sich mit alten Zöpfen und neuen Styles auseinanderzusetzen.

Mit dem Friseurbesuch war das in Lockdown-Zeiten ja so eine Sache: Unrasierte Nackenhaare, Wuschelkopf und Vokuhila waren plötzlich wieder en vogue. Im kirchlichen Bereich dagegen kam erst mit dem zweiten Lockdown ein größerer Wachstumsschub zum Tragen. Mit dem Stillstand des ersten Lockdowns wurde Kirchens häufig vorgeworfen, sich zu wenig bewegt zu haben. Statt mit hipper Sturmfrisur und motivierenden Seelsorgeangeboten mutig und trendig voranzugehen, blieb es vielerorts beim Brett vor dem Kopf.

Aus der Not geborene Ideen etabliert

Und nun? Lockerungen, Urlaubssehnsüchte, Entspannung. Endlich aufatmen, zumindest für den Sommer. In vielen Gemeinden und Institutionen haben sich aus der Not geborene Ideen etabliert. Kirchliche Behörden setzten Homeoffice schneller um, als so manche Firma.

Ordensgemeinschaften vernetzten sich zur digitalen Selbsthilfegruppe auf Instagram, um online stärker präsent zu sein. Einmal im Monat wollen sie nach Auskunft des Social-Media-Mönchs Julian Kendziora von den Kapuzinern in Münster ein Schulungsangebot vorhalten, um online immer auf dem Laufenden zu sein. In der Rheinenser St.-Josefs-Bücherei hat sich „die literarische Überraschungstüte“ bewährt: per Telefon Lesestoff bestellen, die fremdbefüllte Büchertasche abholen - und zu Hause wird dann das gelesen, was auf den Tisch kommt.

Harte Schnitte brauchen Mut

Die Pandemie hat aber auch so manches graue Haar wachsen lassen. Wie damit umgehen? Überfärben und weiter machen wie bisher? Manchmal gehört auch ein harter Schnitt dazu, um sich von Liebgewonnenem, von althergebrachten, ans Herz gewachsenen Traditionen zu trennen, an denen sich aber nur noch einige wenige beteiligen. Respekt vor solchem Mut.

Das ermutigt dazu, manche alte Zöpfe abzuschneiden. Und, wer weiß: Vielleicht kommt darunter so manche Goldlocke zum Vorschein.

Korrektur
In einer früheren Fassung hieß es: „In Lembeck beispielsweise gibt es in Zukunft an Fronleichnam statt zwei Prozessionen nur noch einen Freiluftgottesdienst.“ Das ist so nicht richtig. In den verantwortlichen Gremien wird darüber nachgedacht, noch sind jedoch keine Beschlüsse öffentlich. Fakt ist, dass die sogenannte „Hagelprozession“ nicht mehr stattfindet. | 08.07.2021 red

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