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Themenwoche "Kirchenmusik nach Corona" (1) - aus Drensteinfurt

Kantorin zuversichtlich: Sänger kommen nach Corona wieder

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Nein, diese Sorge macht sie sich nicht. „Es besteht keine Gefahr, dass sie nicht wiederkommen“, sagt Miriam Kaduk. Sie meint die vielen Mitglieder in den Chören und Ensembles, die sie als Kantorin der Pfarrgemeinde St. Regina in Drensteinfurt leitet. Im Gegenteil: Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sie niemanden aktivieren muss, wenn die Corona-Situation Treffen, Proben und Auftritte wieder ermöglichen. „Ich muss keinen anrufen – sie rufen mich an, wann es endlich wieder losgeht.“

Die Pandemie traf die Chöre in Drensteinfurt, Rinkerode und Walstedde, für die sie zuständig ist, im Frühjahr 2020 genauso unvermittelt wie an allen anderen Orten. „Samstagabend kam die Mail, dass die Kirchen geschlossen werden – Sonntagmorgen waren die Türen zu“, erinnert sich Kaduk. „Wir konnten nicht einmal organisieren, dass die Chormitgliedern ihre Liedermappen mit nach Haus nehmen, um dort üben zu können.“

Zwei Jahre ohne Planungssicherheit

Was folgte, waren fast zwei Jahre, in denen es wenig Planbarkeit gab. Mal war das Singen in den Kirchen ganz verboten, mal durften nur einzelne Sänger vorsingen, mal die Gemeinde mit Maske einstimmen. Auch für die Proben galten Vorgaben kaum mehr als einige Wochen: Es gab komplette Versammlungsverbote, zahlenmäßig beschränkte Möglichkeiten, strikte Vorgaben für Abstände und Belüftung, kaum aber wirklich freie Möglichkeiten zum gemeinsamen Singen.

Umso intensiver waren die Momente, in denen Kaduk mit ihren Sängern und Sängerinnen mal etwas Normalität erleben durften. Etwa im Frühsommer 2021, als sie zum ersten Mal wieder in der Kirche vor ihrem großen Chor stand: „Ich hatte Tränen in den Augen.“ Nicht nur sie. Vielen Chormitgliedern erging es ähnlich. „Nicht allein weil sie endlich wieder singen konnten, sondern weil sie es gemeinsam tun konnten.“

Kraftvoller Wiederbeginn

Ähnlich war es bei der zwischenzeitlich ersten gemeinsamen Probe im Pfarrsaal. „Ich war völlig überrascht, wie kraftvoll alle wieder mit einstimmten – so als hätte es nie eine Übungspause gegeben.“ In Erinnerung blieb ihr auch die Begleitung einer Beerdigung auf dem Friedhof, bei der sie mit großer Zahl singen durften. Das irische Segenslied war dort wohl noch nie so intensiv und laut gesungen worden. „Sänger und Trauernde waren gemeinsam gerührt.“

Ihr wurde in diesen Momenten noch einmal bewusst, wie wichtig die soziale Komponente ihrer Arbeit ist. „Die Chöre sind für viele nicht nur musikalischen Mittelpunkt, sondern auch ein zentraler Ort für gemeinsames Erleben.“

Kreativ Kontakte gehalten

Kaduk hat viel dafür getan, dass trotz aller Einschränkung gerade das Gemeinschaftliche der Chöre nicht völlig wegbrach. Schon zu Beginn des ersten Lockdowns produzierte sie Videos, ging mit ihrer Handy-Kamera durch die Kirche, Proberäume und das Noten-Archiv im Keller, um „irgendwie das Gemeinschaftsgefühl zu halten“. „Ich bin ein kreativer Typ und hatte immer schon viele Ideen – jetzt war endlich Zeit, sie zu realisieren.“ Hilfreich war, dass auch die älteren Semester in ihren Chören mittlerweile problemlos die digitale Vernetzung nutzten, sagt Kaduk lächelnd: „Ich habe das Gefühl, dass jedes Geburtstagskind zum 70. ein Smartphone geschenkt bekommt.“

Auch für ihre anderen Chorangebote wurde sie kreativ. In einer Serie stellte sie den Kindergarten- und Schulkindern die Orgeln der Filialkirchen von St. Regina vor. „Ich liebe die Sendung mit der Maus und habe mich daran orientiert.“ Das kam so gut an, dass irgendwann auch die evangelische Gemeinde anfragte, wann ihre Orgel an der Reihe sein könnte. Bei allen Angeboten war ihr wichtig, dass es viele Möglichkeiten der Rückmeldung gab. So konnten etwa die Kinder abstimmen, welches „Lied der Woche“ sie ihnen vorspielen sollte.

Chöre überstehen Pandemie-Einschränkungen

Die Kantorin in Drensteinfurt ist sich sicher, dass alle Chöre von St. Regina so auch die künftigen Pandemie-Ereignisse problemlos überstehen werden. „Ich merke, dass die Kirchenmusik durch die vielen Einschränkungen der vergangenen Monate sogar eine Aufwertung erfahren haben“, sagt sie. „Allen ist noch einmal bewusst geworden, wie wichtig ihnen nicht nur die musikalische Seite der Angebote ist, sondern auch das Zwischenmenschliche.“

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