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Gast-Kommentar von Sharon Fehr zu Gefahren des Antisemitismus

Corona-Leugner missbrauchen Judenstern

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Anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945 schreibt Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster, über die Bedeutung der Erinnerungskultur und über Gefahren des Antisemitismus.

Seit vielen Jahren ist es die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Münster, die seit Ende der 1950er Jahre immer wieder am 27. Januar und am 9. November an die Verbrechen der Nationalsozialisten und die sich unter anderem daraus ergebende Verantwortung erinnert.

Nicht selten haben diese Gedenk- und Erinnerungsveranstaltungen sich mit dem Einwand auseinander zu setzen, es handle sich doch nur um Pflichtübungen und um ein sinnentleertes Erinnerungs-Ritual.

Unrecht darf nicht vergessen werden

Der Autor:
Sharon Fehr ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster und Mitglied im Vorstand des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen.

Aus der vieljährigen Zusammenarbeit unserer Jüdischen Gemeinde in Münster mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sowie der Bezirksregierung Münster und der authentischen Gedenkstätte Villa ten Hompel in Münster ist eine solche Kritik nicht haltbar. Alle Beteiligten setzen sich engagiert für durchdachte Konzepte des Erinnerns ein, um das Wissen von der Vergangenheit für die Verantwortung der Zukunft zu erhalten.

Das geschehene Unrecht darf nicht in Vergessenheit geraten. Es ist Teil der historischen Verantwortung, womit festgeschrieben ist, dass es eine Zukunft ohne Erinnerung nicht gibt. Da unsere Zeitzeugen langsam aussterben und anzunehmen ist, dass es zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz kaum noch Überlebende geben dürfte, stehen wir vor der Herausforderung, dass es auch künftig kein Ende des Erinnerns geben wird.

Noch immer Vorurteile gegenüber Juden

Die Suche nach neuen, klugen und nachhaltigen Formen der Gedenk- und Erinnerungskultur bleibt ein gesellschaftlicher Auftrag. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund des gegenwärtig steil ansteigenden Antisemitismus, der uns zeigt, dass es in unserer Gesellschaft leider immer noch tiefsitzende Vorurteile gegenüber Juden gibt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bemerkt dazu in seiner Rede im vergangenen Jahr in Yad Vashem (Jerusalem): „Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches (…) Denken als Antwort für die Zukunft. Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt.“

Unbehagen durch Corona-Leugner

Mit Unbehagen beobachten wir in diesem Zusammenhang, dass auf den sogenannten „Montagsspaziergängen“ der Impfgegner und Corona-Leugner Corona-Masken mit gelbem Judenstern und dem Wort „Ungeimpft“ sowie Bildmontagen „Tor zum Konzentrationslager Auschwitz“ mit dem Schriftzug „Impfen macht frei“ verbreitet werden, als sei die heutige Corona-Politik mit der Judenverfolgung durch das NS-Regime vergleichbar und plane die Bundesregierung einen Völkermord.

Meine Zuversicht im Jubiläumsjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ wächst, wenn wir es nach der Pandemie neben den vielen anderen Herausforderungen schaffen, weiter an einer gesellschaftlichen Atmosphäre ohne Hass, Hetze und Ausgrenzung zu arbeiten – und dies mit größtmöglichem Abstand nach rechts.

Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche-und-Leben.de“ wider.

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