Begabten-Förderwerk unterstützt Studierende seit 60 Jahren

Cusanus-Werk: 9.000 Mal Starthilfe für kluge katholische Köpfe

„Das ist ein Riesengeschenk!“, sagt Florian Kleeberg. Ein Satz, in dem Dankbarkeit und Überzeugung liegen. Das Riesengeschenk für den 35-jährigen Doktor der Theologie war seine Promotionsförderung durch das Cusanuswerk, das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Träger ist die Deutsche Bischofskonferenz. Benannt ist es nach dem Gelehrten Nikolaus von Kues (1401-1464). Am 11. November feiert das Cusanuswerk mit Sitz in Bonn sein 60-jähriges Bestehen.

Mit staatlichen, kirchlichen und privaten Zuwendungen hat das Werk bisher rund 9.000 besonders begabte katholische Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen gefördert. Aktuell erhalten in Deutschland 1.200 Studierende Stipendien durch das Cusanuswerk. In Münster, Vechta und Oldenburg sind es zusammen rund 100.

Florian Kleeberg, der „riesig Beschenkte“, gehört zu den ehemaligen Stipendiaten. Weil das Cusanuswerk ihm ein Promotionsstipendium gewährte, war er über einen Zeitraum von drei Jahren finanziell abgesichert und konnte sich voll und ganz auf seine wissenschaftliche Arbeit konzentrieren. Mit großem Erfolg: 2015 schloss er an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster seine Doktorarbeit im Fach Dogmatik mit dem Prädikat „summa cum laude“ ab. Heute arbeitet Kleeberg als Referent für die Fort- und Weiterbildung in der Hauptabteilung Seelsorge-Personal des Bischöflichen Generalvikariats in Münster. Zusätzlich arbeitet er am Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Ruhr-Universität Bochum.

Seine berufliche Vielseitigkeit verwundert nicht. „Es ist typisch für Cusaner, dass sie auf mehreren Hochzeiten tanzen“, sagt Kleeberg. Cusaner – so nennen sich diejenigen, die während ihres Studiums durch das Cusanuswerk gefördert werden oder deren Stipendium bereits abgeschlossen ist.

Bildung und Austausch

Die Grundförderung beträgt 300 Euro im Monat als Studienkosten-Pauschale. Je nach dem Einkommen der Eltern kann die finanzielle Unterstützung erweitert werden – bis zum BAFöG-Höchstsatz. Zurückzahlen muss man das Geld später nicht. Die Dauer der Förderung richtet sich im Normalfall nach der Regelstudienzeit.

In der Promotionsförderung werden die Stipendien unabhängig vom Einkommen der Eltern gewährt. Das Grundstipendium beträgt monatlich 1.150 Euro. Es läuft maximal drei Jahre.

Bekannte Cusaner
Unter den bisher 9000 Geförderten sind prominente Namen aus Politik, Kirche, und Gesellschaft. Darunter der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, der frühere Verfassungsrichter Paul Kirchhof, die Journalistin Claudia Nothelle, der ehemalige Forschungsminister Heinz Riesenhuber (CDU), der Theologe Albert Biesinger, der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer und der Politiker Oskar Lafontaine (Linke).

Insgesamt gesehen, beziffert der aktuell verfügbare Jahresbericht 2014 den Stipendienhaushalt des Cusanuswerks auf 10,5 Millionen Euro. Zusammen mit dem Bedarf für Verwaltungs- und sonstige Aufgaben belief sich der Gesamthaushalt auf 13 Millionen Euro. Davon steuerte die Deutsche Bischofskonferenz als Träger des Cusanuswerks 920.000 Euro aus Kirchensteuermitteln bei. Den Mammutanteil von knapp 12 Millionen Euro übernahm das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Wenn Florian Kleeberg von einem „Riesengeschenk“ spricht, meint er zum einen die finanzielle Absicherung. Doch so wichtig dieser Teil auch ist – mindestens ebenso dankbar ist er über die Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft der Cusaner, die die Zeit des Studium überdauert. Die Förderung umfasst über die finanzielle Unterstützung hinaus ein interdisziplinär angelegtes Bildungsprogramm. Ferienakademien, Graduierten-Veranstaltungen und geistliche Angebote laden zu Diskussionen über Wissenschaft und den Glauben, Gesellschaft und Kirche ein. Anregend sind Begegnungen mit Alt-Cusanern, die in Politik und Gesellschaft prägend mitwirken. Aber auch die Studierenden, die aus allen Fachrichtungen kommen, sind selbst aktiv und tragen ihren Teil zu Diskussion und Bildung bei. „Man kann dort die gesamte Bandbreite katholischer Menschen kennen lernen“, sagt Kleeberg. „Das Verbindende ist der Glaube.“

Auch der Cusanus-Preis zeigt, welchen Stellenwert das Engagement aus dem Glauben heraus hat. Die mit jeweils 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 2009 im zweijährigen Turnus von der Stiftung Begabten-Förderung Cusanuswerk für herausragendes ehrenamtliches Engagement an ehemalige und aktive Stipendiatinnen und Stipendiaten des Cusanuswerks verliehen.

Weihbischof Christoph Hegge.Weihbischof Christoph Hegge. | Foto: Michael Bönte

Ein eigenes Studienhaus in Bonn-Mehlem zeigt ebenfalls die Verankerung im Glauben. Verantwortlicher ist der aus Lüdinghausen stammende Geistliche Rektor des Cusanuswerks, Siegfried Kleymann. Im Cusanushaus können Stipendiatinnen und Stipendiaten strukturiert und ohne Ablenkung arbeiten. Sie fügen sich in einen Rhythmus von Gebets- und Arbeitszeiten ein und üben sich so in christlicher Lebenshaltung.

Biografien im Blick

„Es ist eine umfassende Förderung von Gaben und Charismen“, so bezeichnet Kleeberg aus eigener Erfahrung das, was das Cusanuswerk ausmacht. „Cusaner sein, das prägt fürs Leben.“ Der Umgang miteinander sei „ein wertschätzendes Miteinander, das die Stärken des anderen sieht.“

„Es ist eine Förderung von Biografien“, so bringt es Weihbischof Christoph Hegge aus Münster auf den Punkt. Seit 2013 ist er Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Cusanuswerk. Zugleich ist Hegge Vorsitzender der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Ansatz des Cusanuswerks gehe weit über die finanzielle Förderung hinaus, betont Hegge. „Cusaner tragen dazu bei, christliches Gedankengut in eine säkularisierte Gesellschaft einzubringen“, sagt er. „Die Beiträge und das Engagement der Cusaner verschiedener Fachrichtungen lassen spüren, dass man in dieser Zeit christlich leben kann.“ Voraussetzungen für ein Stipendium seien Begabung, Leistungsbereitschaft, ein katholisches Profil, Dynamik und Lernbereitschaft. Unter rund 800 Bewerberinnen und Bewerbern pro Jahr würden 125 bis 150 für die Förderung ausgewählt.