Mit 85 Jahren gestorben – Präsident stammte aus Metelen

Cusanuswerk würdigt Ex-Bundesbankchef Tietmeyer

Der frühere Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, ist am Dienstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Das teilte die Bundesbank am Mittwoch in Frankfurt mit. Die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk würdigte Tietmeyer als „prägende Persönlichkeit und Gründergestalt“.

Tietmeyer, 1931 im münsterländischen Metelen geboren, studierte katholische Theologie, dann Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Münster, Bonn und Köln. Danach war er erster Geschäftsführer der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk, bevor er 1962 in das von Ludwig Erhard (CDU) geführte Bundeswirtschaftsministerium kam. 1982 wurde er Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, 1990 wechselte er ins Direktorium der Bundesbank, deren Präsident er von 1993 bis 1999 war.

Gründungsmitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften

In der Zeit danach war Tietmeyer unter anderem Vorsitzender des Trägervereins des Cusanuswerks und Vorsitzender des Kuratoriums der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. 1994 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften.

Zum 75. Geburtstag Tietmeyers würdigte der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, dessen „Gradlinigkeit und Unerschrockenheit“. Er habe sich große Verdienste bei der Ausgestaltung der Sozialen Marktwirtschaft erworben und auf notwendige Reformen hingewiesen. Sein gesamtes Wirken sei geprägt gewesen von den Prinzipien der Katholischen Soziallehre.

Papst zeichnete Tietmeyer mit Gregoriusorden aus

Als Tietmeyer 2011 den Vorsitz im Trägerverein des Cusanuswerks abgab, bescheinigte ihm Lehmanns Nachfolger an der Spitze der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, er habe immer deutlich gemacht, dass Begabung nicht Privileg, sondern Verpflichtung bedeute. Bis zuletzt war Tietmeyer Mitglied im Stiftungskuratorium des Cusanuswerks. Für sein langjähriges Engagement in der Begabtenförderung war er 2011 auch vom Papst mit dem Großkreuz des Gregoriusordens ausgezeichnet worden.

Die Begabtenförderung der katholischen Kirche verliere in Tietmeyer „eine prägende Persönlichkeit und eine Gründergestalt“, sagte der Leiter des Cusanuswerks, der Tübinger Literaturwissenschaftler Georg Braungart, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Zur Zukunftssicherung der katholischen Studienförderung beigetragen

Der Verstorbene sei nicht nur einer der ersten Stipendiaten gewesen, sondern sei dem Werk bis zu seinen Tod in verschiedenen wichtigen Funktionen verbunden geblieben. Dabei habe er mehr als ein halbes Jahrhundert „die Geschicke der bischöflichen Begabtenförderung ganz entscheidend bestimmt und ihre Dynamik gestärkt“. Mit der Gründung der Stiftung Begabtenförderung habe er zudem „einen wichtigen Schritt zur Zukunftssicherung der katholischen Studienförderung getan“.

In einer kürzlich erschienenen Festschrift zum 60. Geburtstag des Cusanuswerks hatte Tietmeyer die Notwendigkeit einer katholischen Begabtenförderung hervorgehoben. Auf die Frage, was er jungen Cusanern mit auf den Weg geben möchte, hatte er geantwortet: „Das Erlernen von Verantwortung ist entscheidend.“