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KFD Goch wird 125 Jahre und leidet an Überalterung

Darum lassen sich junge Frauen kaum für KFD und Kirche begeistern

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Die KFD in Goch besteht seit 125 Jahren. Eine lange Tradition. Der Frauenverband hat große Schwierigkeiten, junge Frauen für die KFD zu gewinnen. Der Altersdurchschnitt ist nur ein Grund. Es gelingt dem Verband kaum, sich aus eigener Kraft zu erneuern und ein anderes Image als das des Frauen- und Müttervereins aufzubauen. "Kirche-und-Leben.de" spricht mit der Schriftführerin Jutta Jenneskens (74).

Seit 125 Jahren besteht die KFD in Goch, St. Maria Magdalena. Wie gelingt es ihnen, heute auch junge Frauen für den Verband zu interessieren?

Leider ist es in der heutigen Zeit aus vielerlei Gründen sehr schwierig, junge Frauen für den Verband zu begeistern und zu gewinnen. Unsere Einladungen treffen praktisch immer auf Ablehnung. Für die Kirche sind Frauen kaum noch zu begeistern und auch für die KFD nicht mehr. Das liegt auch daran, dass sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft sehr verändert hat. Die Stellung der Frau in der Kirche weniger. Die jungen Frauen müssen heute Beruf, Familie und Freizeit unter einen Hut bringen. Da bleibt für einen kirchlichen Verband wie die KFD noch wenig Motivation, sich aktiv zu engagieren.

Inwieweit hat der Verband auch vor Ort sein Image weg von der Hausfrau und Mutter verändert?

Sicher. Die KFD hat sich modernisiert. Durch Internet und die modernen Medien sind die Frauen informierter als früher. Das Thema „Frau“ ist oft im Mittelpunkt unserer Gespräche. Der kirchliche Missbrauch oder die Stellung der Frau werden auch bei unseren Zusammenkünften immer wieder thematisiert. Wir nehmen an den Programmen aus dem Bistum teil, gestalten dazu aber weniger eigene Programme. Manchmal laden wir Referenten ein, um diese Fragen zu diskutieren. Die meisten Frauen in unserem Verband sind schon älter. Mit 74 Jahren gehöre ich vom Alter her zum Durchschnitt unserer Gruppe. Wir gehen bei der Programmgestaltung mehr auf die Interessen der Gruppe ein und feiern Andachten und Gemeinschaftsmessen zu den verschiedensten aktuellen Themen oder auch in der Fasten- und Adventszeit. Auch das Vergnügen kommt nicht zu kurz. Es werden Ausflüge und Feste organisiert, Kaffeenachmittage angeboten.

Die KFD fordert auf Bundes- und Bistumsebene mehr Rechte, mehr Beteiligung, mehr Wertschätzung für Frauen in der Kirche. Was denken sie vor Ort darüber?

Natürlich spricht sich unsere KFD, auch wenn wir überaltert sind, für mehr Mitspracherecht der Frauen in allen kirchlichen und politischen Bereichen aus. Wir verfolgen mit Interesse, was der synodale Weg an neuen Möglichkeiten für uns Frauen zu ermöglichen sucht. Die Themen Missbrauch oder die Emanzipation der Frau in der Kirche am Beispiel des Diakonats werden immer wieder aufgegriffen. Zum Beispiel: Neulich hat die Pastoralreferentin Kerstin Ebben in unserer Gemeinde einen Wortgottesdienst vorbereitet und sie hat das sehr gut gemacht. Dann stellt sich doch die Frage, warum die Frauen angesichts vieler Aufgaben nicht mehr Möglichkeiten in der Kirche bekommen sollen. Das haben wir den Pfarrer auch mitgeteilt.

Inwieweit spüren sie den Vertrauensverlust in der Kirche vor Ort?

Auch hier vor Ort merken wir, dass das Interesse an Kirche im Allgemeinen und am Verband im Besonderen merklich nachgelassen hat. Die Kirchenbesucherzahlen sind - gerade auch durch die Corona-Pandemie - sehr zurückgegangen. Die Messen waren und sind zum großen Teil ausschließlich von älteren Gläubigen besucht, davon überwiegend von Frauen. Hier ist von Seiten der Kirche – und damit auch von uns - absoluter Handlungsbedarf erforderlich. Die Kirche muss offener werden und den Jugendlichen eine Perspektive bieten. Denn die jungen Menschen fehlen in der Gemeinde. An Orten wie Taizé tauchen sie doch auf. Es gibt also das Bedürfnis nach Glauben und Gemeinsamkeit. Die Jugend zu gewinnen, wird schwierig und bleibt ein Spagat für die Kirche.

Was halten sie von der Kooperation der KFD mit „Maria 2.0“?

2019 hatten wir vor unserer Stadtkirche Maria Magdalena eine Aktion im Zusammenhang mit Maria 2.0. Da unsere Mitglieder aber zwischen 60 und 90 Jahre alt sind, werden wir die eventuellen Früchte von Maria 2.0 kaum noch ernten. Viele Frauen sind, wenn sie gesundheitlich in der Lage sind, mit großer Selbstverständlichkeit in unserer Pfarrgemeinde ehrenamtlich tätig.

Was sind für die KFD in Goch die wichtigsten Themen in ihrem Einsatz in der Pfarrei?

Wichtige Themen in unserer KFD sind: Sozialarbeit, Umweltfragen, politische und religiöse Themen. Wenn Menschen krank sind, werden sie von uns betreut und wir besuchen die Frauen im Altenheim. Wir veranstalten Treffen mit Kaffee und Kuchen und organisieren Geselligkeit. Gerade für ältere Menschen sehr wichtig. Und wir diskutieren über Umweltfragen und greifen zum Beispiel die Themen in „Junia“ auf, wie die Umweltverschmutzung durch Plastik, die Wasserbelastung durch falsche Bedienung einer Waschmaschine.

Die KFD Maria Magdalena Goch
Mitglieder: 105 Frauen (September 2021)
Ältestes Mitglied: 98 Jahre
Jüngstes Mitglied: 53 Jahre
Durchschnittsalter: 75 Jahre

Die KFD im Bistum Münster:
Mitglieder: 87.000 Frauen
Ältestes Mitglied: 98 Jahre
Jüngstes Mitglied: 25 Jahre
Anzahl der Ortsgruppen: 450

Die KFD im Bistum positioniert sich zu den drängenden Problemen unserer Zeit und vertritt eigene gesellschafts- und kirchenpolitische Standpunkte. Als katholischer Frauenverband meldet er sich in Kirche und Gesellschaft regelmäßig zu Wort.

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