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Jubiläum: 50+1 Jahre pastoralpsychologische Ausbildung im Bistum Münster

Darum sind psychologische Schulungen für Seelsorgende enorm wichtig

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Seit 51 Jahren gibt es im Bistum Münster pastoralpsychologische Schulungen für Seelsorger. Die Diözese war damals Vorreiter in diesem Bereich und hat seither die Aus- und Weiterbildungen weiterentwickelt. Das Jubiläum wird mit einjähriger Corona-Verspätung gefeiert. Reinhild Runde ist im Bistum für die pastoralpsychologische Ausbildung zuständig. Die Angebote leisten einen wichtigen Beitrag für die Kirche der Zukunft, sagt sie im Interview mit „Kirche-und-Leben.de“.

Womit beschäftigt sich die Pastoralpsychologie?

Die Pastoralpsychologie beschäftigt sich mit Fragen, Erfahrungen und Inhalten, die sich im pastoralen Alltag ereignen. Sie beleuchtet Zusammenhänge zwischen den Themen der Theologie und Psychologie, zwischen Glaubensinhalten und der Lebensgeschichte. Sie folgt der Frage, welche Bedeutung und Wirkung die Themen des Glaubens auf unser Leben haben. Und welche Bedeutungen und Wirkungen unsere Lebenserfahrungen auf den Glauben haben.

Warum ist dieser Hintergrund für die seelsorgliche Arbeit wichtig?

Seelsorgliche Berufe sind Kommunikations- und Beziehungsberufe par excellence. Die Pastoralpsychologie ermutigt dabei, Fragen zu stellen, Verknüpfungen herzustellen, Glaubenssätze und Inhalte zu hinterfragen und sich selbst besser zu verstehen. Sie verhilft durch Reflexion und Einbezug psychologischer Methoden und Sichtweisen, von Emotionen und Gedanken, von Fantasien und Motiven, sich selber besser zu verstehen. Die Seelsorgenden benötigen dafür selbst ein hohes Maß an Bewusstheit und Sensibilität für die eigene Persönlichkeit, damit nicht unbewusste Anteile ihrer selbst in die Beziehungen hineingetragen werden.

Was genau lernen die Seelsorgenden in den pastoralpsychologischen Angeboten?

Die erforderlichen Kompetenzen im pastoralen Beruf sind vielfältig. Daher werden in der Pastoralpsychologie Skills gelernt, die dabei helfen, den pastoralen Alltag mit all den Themen, die er so mitbringt, zu managen. Es geht nicht allein darum, reine Techniken zu vermitteln, sondern vor allen Dingen eine reflektierte Haltung zu fördern. Mit welcher Haltung und mit welchem Handwerkszeug begegnet der Seelsorgende den Menschen in deren unterschiedlichen Lebenslagen und mit deren unterschiedlichen Glaubensfragen? Vor diesem Hintergrund geht es darum, Interaktionen zu verstehen, Beziehungsfähigkeit und Kommunikationskompetenz zu entwickeln, Konflikte managen und Gruppenprozesse steuern zu können.

Welche Bedeutung kann das für das kirchliche Leben vor Ort haben?

Die Pastoralpsychologie kann einen großen Beitrag leisten für die Zukunft der Kirche. Denn das, was die Pastoralpsychologie ausmacht, ist die erfahrungsorientierte Auseinandersetzung mit den Fragen des Glaubens und des Lebens. Unsere Themen in der Kirche sind Themen, die für Leben und Lebensgestaltung bedeutsam sind. Seelsorgende beschäftigen sich mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens. Bei der Beantwortung dieser Fragen helfen keine Glaubenssätze, die nicht mehr mit dem Leben verbunden werden können. Da braucht es Menschen, die zusammen mit anderen auf der Suche sind. Es geht um die Möglichkeit, dass die Menschen für all ihre Situationen und Umbrüche des Lebens in den Seelsorgenden kompetente und verlässliche AnsprechpartnerInnen finden können.

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