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Peter Otten zu Gottes Perspektive auf die Wirklichkeit

Darum sollten Christen respektvoller mit Tieren umgehen

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Noch immer behandeln wir Tiere und die Schöpfung generell respektlos. Würde die Kirche mehr auf die Wünsche von Kindern hören, müsste sich der Umgang radikal ändern, sagt Pastoralreferent und Autor Peter Otten in seinem Gast-Kommentar.

Wenn ich in Kinder- und Schulgottesdiensten die Kinder einlade, bei den Fürbitten zu erzählen, für wen oder was sie beten möchten, dann dreht sich mindestens die Hälfte ihrer kleinen Gebete um die Tiere, und hier besonders um die, die von den Menschen „nicht gut behandelt werden“. Kinder sagen noch nicht: gequält, geschlachtet oder getötet.

Wenn das nicht nur eine Floskel ist, dass junge Menschen so etwas wie Prophetinnen und Propheten und sowas wie Zeitansager sind – dann ist es eigenartig, wie wenig sich die Kirchen darum scheren. Natürlich: Es gibt die in weiten Teilen sehr überzeugende Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus mit sehr deutlichen Ansagen, die aber doch unter dem Strich erstaunlich wenig rezipiert worden ist.

Welt in einer prekären Lage

Der Autor:
Peter Otten ist Pastoralreferent in St. Agnes, mitten in Köln. Als pointierter Autor und Seelsorger mit vielen Ideen und Perspektiven hat er sich sowohl im WDR als auch im Internet einen Namen gemacht – nicht zuletzt zusammen mit Greta, seinem Hund, der ihn bei vielen seelsorglichen Einsätzen begleitet.

Denn zu fragen wäre doch: Wen meinen wir in unserem theologischen Nachdenken, wenn wir von Erlösung sprechen? Meinen wir dann immer noch nur uns selbst, den homo sapiens? Was ist mit den Schweinen und Rindern in den Schlachthöfen? Was meinen wir, wenn wir im Gebet um die Erlösung von dem Bösen bitten? Auch unseren achtlosen und respektlosen Umgang mit Tieren? Wenn ja: Welche Konsequenzen müsste das haben?

Am Ende des Anthropozäns (Zeitalter, in dem die Menschen die Vormacht haben, d. Red.), das die Philosophie ja erreicht sieht, haben auch die Christ­innen und Christen mehr als ausreichend Grund, selbstkritisch zurückzublicken und festzustellen, in welche prekäre Lage auch sie die Welt gebracht haben. Durch ihre Art zu wirtschaften, durch den unverantwortlichen Gebrauch von Ressourcen. Zu denen auch sie die Tiere und Pflanzen oft genug leichthin gezählt haben.

Menschen und Landtiere am selben Tag erschaffen

Verhaltensforscher wissen längst: Tiere sind wie die Menschen der Mittelpunkt je ihrer Welt. Ihr Leben ist ihnen genauso wichtig wie mir meins. Angst und Schmerz kennen sie. Den Hunger und das gute Gefühl des Satt seins. „Ihr Leben ist das Gute, das sie erhalten wollen“, sagt der Theologe Thomas Ruster. „Sie sind sich selbst Zweck. Sie haben deswegen auch das Recht, als Zweck an sich selbst behandelt zu werden. Darin gründet ihre Würde.“ Und die Bibel berichtet, dass die Menschen und die Landtiere am selben Tag erschaffen werden. Damit gehören sie zur selben Schöpfungsfamilie.

„Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich.“ Dieser Gedanke, dass Gottes Wirklichkeit Grenzen überwindet, war mal attraktives Alleinstellungsmerkmal der neuen Jesusbewegung. Ich finde, es ist höchste Zeit, diesen Gedanken voller Überzeugung weiterzudenken: „Es gibt nicht mehr menschlich und tierisch; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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