Im Marienheim in Warendorf ist die Vorfreude groß

Das Friedenslicht kommt seit 20 Jahren ins Bistum Münster

Das Friedenslicht darf nicht mehr brennen – und das ausgerechnet zum Jubiläum der Aktion. Aber seitdem das ewige Licht in der Kapelle des Marienheims in Warendorf vor einigen Monaten fast einen Brand ausgelöst hat, sind unbeaufsichtigte offene Flammen im ganzen Haus verboten. 20 Jahre, nachdem Pfadfinder das Licht zum ersten Mal in die Altenpflegeeinrichtung der Malteser gebracht haben, wird es deshalb beim symbolischen Akt der Übergabe am Heiligen Abend bleiben. Die Kerze, die sonst bis in den Januar ununterbrochen an der Krippe brannte, wird dann nur noch zu den Gottesdiensten entzündet werden.

 „Das ist zwar schade, aber nicht wirklich schlimm“, ist die einhellige Meinung in der Runde, die sich kurz vor dem Advent in einem Gemeinschaftsraum des Hauses eingefunden hat. Dieter Nissen, der Beauftrage der Deutschen Pfadfinder St. Georg (DPSG) für die Friedenslicht-Aktion im Bistum Münster, ist gekommen, um den diesjährigen Besuch zu Weihnachten anzukündigen. Er und die Senioren sind sich einig: „Die Symbolik ist wichtig – der Besuch der jungen Pfadfinder mit dem Licht ist entscheidend.“

Alle haben persönliche Erinnerungen

Alle verbinden persönliche Erinnerungen mit der Friedenslicht-Aktion, auch aus der Zeit, in der sie noch nicht im Pflegeheim wohnten. „Ich weiß noch, wie es das erste Mal nach Warendorf kam“, sagt Paul Nünning. Der ehemalige Küster von St. Laurentius gibt zu, dass er damals nicht damit gerechnet hat, dass die Flamme aus Bethlehem in der Weihnachtszeit eine Dauereinrichtung in seiner Kirche werden würde. „Direkt an der Krippe – mit einem Docht daneben, damit jeder seine Kerze daran anzünden konnte.“

Friedenslicht
Seit 20 Jahren bringen Pfadfinder das Friedenslicht nach Münster in den Paulus-Dom. | Foto: Michael Bönte

Das hat auch Annette Isselstein von Anfang an gemacht. „Ich habe aber ein wenig geschummelt“, gibt die 77-Jährige zu. Für den Weg nach Hause löschte sie die Flamme, um sie auf der Fensterbank im Wohnzimmer wieder anzuzünden. „Leuchtend, hell, für alle sichtbar.“ Die Symbolik war schon damals entscheidend.

Über Nacht in der Dusche

Geschichten wie diese kann jeder in diesem Raum erzählen. Nach und nach kommen die Berichte und Anekdoten auf den Tisch. Von der ehemaligen Pfarrhaushälterin, die erzählt, wie die Kerze außerhalb der Öffnungszeiten der Kirche im großen Glas gesichert wurde. Natürlich immer mit Blick auf den Brandschutz: „Das Gefäß stand über Nacht in der Dusche.“ Oder von Schwester Rita Schalkamp, die von der großen Unruhe berichtet, die entstand, als das Friedenslicht in der Altenheimkapelle einmal einfach erlosch. „Nur wenn das Ewige Licht ausgegangen wäre, wäre die Unruhe wohl noch größer gewesen.“

Auch Dieter Nissen kann einiges erzählen. Kein Wunder, war er es doch, der die Aktion vor 20 Jahren ins Bistum Münster holte. Und sein Vater war es, der 1998 aus Holz das Logo des Friedenslicht anfertigte, um für die ersten Aussendungsfeiern eine passende Kulisse zu haben. „Noch heute springt er ein, wenn ein Transportgefäß gebastelt werden muss.“ Nissen selbst denkt oft an die Bahnfahrten, mit denen er und eine Delegation aus Münster seither jedes Jahr das Licht aus Wien abholen. „Dabei haben wir einiges erlebt.“ Zwei Kerzen hat die Bahn „halb offiziell“ genehmigt, sagt er. „Natürlich in speziellen Behältern gesichert.“

Aktion wirkt auf alle

Der Schlaf im ICE bleibt für ihn aber trotzdem bis heute unruhig. „Immer wieder wachen wir auf, um zu schauen, ob beide Lichter noch brennen.“ Umso schöner sind dann die Momente in den Bahnhöfen, in denen der Zug hält. Dort warten immer Pfadfindergruppen, die das Licht abholen wollen. „Wir zünden immer kurz vor den Stops einige Kerzen an, damit wir sie nur hinausreichen müssen.“ Dass viele Zugbegleiter alles möglich machen, damit das gelingt, freut Nissen besonders.

Zentrale Aussendungsfeiern
Im Dom in Münster wird das Friedenslicht am Sonntag, 16. Dezember, um 16.30 Uhr ausgesendet. Im Forum St. Peter in Oldenburg ist die Feier um 15 Uhr. Zwei Tage später gibt es um 19 Uhr eine Aussendungsfeier im St.-Viktor-Dom in Xanten. | Foto: Michael Bönte

Warum hat das Friedenslicht eine solche Ausstrahlung – auf die jungen Pfadfinder wie auf viele andere Menschen? Wer in das Gespräch der Senioren im Marienheim in Warendorf hineinhört, kann die Antwort erahnen. „Mich erinnert es an meine Jugend, als der Zweite Weltkrieg noch ganz nah war, als keiner wusste, wie es weitergehen sollte“, ist oft zu hören. Die Sehnsucht nach Frieden war damals so groß wie nie, sagen alle.

Flüchtlinge und Friedensbotschaft

Aber auch die heutige Situation im Nahen Osten und Europa nährt diese Sehnsucht. „Die vielen Flüchtlinge suchen bei uns doch nichts anderes als Frieden.“ Andere in dieser Runde denken jetzt mehr an den Streit in den Familien oder im Alltag. „Frieden hat so viele Gesichter“, sagt Annette Isselstein.

Der Moment, an dem das Friedenslicht in die Krippe der Hauskapelle gesetzt wird, wird auch in diesem Jahr diese Bedeutung für alle deutlich machen. Da ist sich Dieter Nissen sicher: „Ich erlebe in Kirchen selten so ruhige und andächtige Augenblicke wie diese.“ Jeder hat dann seine eigene Gedanken, seine eigenen Hoffnungen und Wünsche“, sagt er. „Das ist den Gesichtern anzusehen.“

Strahlende Gesichter

Die strahlen schon heute bei dem Gedanken daran. Gerade jetzt, als die jungen Menschen zum Thema werden, die diesen Moment jedes Jahr ermöglichen: die Pfadfinder. Für die 84-jährige Maria Tombrink ein besonderes Weihnachtsgeschenk: „Wie wunderbar, dass es sie gibt, dass sie uns hier nicht vergessen, dass sie sich für uns bemühen.“