Fundstücke der Reformation: Ausstellung im Xantener Stiftsmuseum

Das Geschäft mit dem Ablass im Xantener Dom

„Die Urkunde gehört zu den Schätzen des Xantener Stiftsmuseums“, erläutert Elisabeth Maas, stellvertretende Leiterin des Stiftsmuseums. Die Urkunde ist aus Pergament, und die Bleibulle an rot-gelber Seidenschnur qualifiziert sie als päpstliche Urkunde. Sie ist mit Rankenwerk bemalt, und in der Initiale ist die Figur des heiligen Viktor dargestellt. „Die rot-gelben Seidenfäden bedeuten, dass es sich hierbei um ein Privileg handelt, das dem Xantener Stift zuteil wurde“, sagt Maas.

Papst Julius II., so steht in der Urkunde geschrieben, erklärt am 19. Februar 1507, dass die Stiftskirche des heiligen Viktor zu Xanten „von den Gläubigen besucht und verehrt sowie erhalten wird“. Deshalb verleiht der Papst allen Gläubigen, die unter „wahrer Reue und Beichte“ die Kirche besuchen und an entsprechenden Festtagen zur Erhaltung und Ausbesserung des Kirchbaus und der Beleuchtung beitragen, einen Ablass von 25 Jahren und 25 Quadragenen (40-tägige strenge Kirchenbuße) von den ihnen auferlegten Strafen.

Erhebliche finanzielle Mittel

Auch die Festtage sind genau benannt: an den Festen der Kirchweih, des heiligen Viktor (10. Oktober), der heiligen Helena (18. August), des Apostels Thomas (21. Dezember) und Mariä Verkündigung (25. März), und zwar zwischen der ersten Vesper bis zur zweiten Vesper einschließlich des jeweiligen Festtages.

Hintergrund dieses Privilegs, das der Stiftskirche erhebliche finanzielle Mittel beschert haben dürfte, ist die Tatsache, dass Magister Wilhelmus de Enckenvoirt, dem Papst in seiner Kanzlei als vertrauter Schreiber und Notar zur Verfügung stand – und nur nominell als Kanoniker der Xantener Stiftskirche angehörte.

Bedeutendes Privileg

In der Ablasstruhe wurden Ablassgelder gesammelt. | Foto: Jürgen Kappel
In der Ablasstruhe wurden Ablassgelder gesammelt. | Foto: Jürgen Kappel

Diese Urkunde vermittelt nicht nur einen Eindruck von der Bedeutung der Xantener Stiftskirche im Mittelalter – päpstliche Privilegien waren nicht die Regel – sondern gibt auch einen Einblick in die Ablasspraxis. Ablässe werden bis heute im Zusammenhang mit dem Bußsakrament der Beichte gewährt.

Zehn Jahre vor dem historisch umstrittenen Thesenanschlag Luthers am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg, ist hier eine der berüchtigten Ablassurkunden zu sehen, an der sich der Funke der Reformation entzündete.

Vergebung der Sündenstrafen

In der Xantener Urkunde wurde den Sündern auf jeden Fall die Garantie gegeben, dass sowohl die Sünden vergeben als auch die Zeit verkürzt würde, die den Sündern im Fegefeuer vorherbestimmt war. Voraussetzung dafür war, dass neben der Buße eine entsprechende Geldleistung im Beutel oder vielmehr in der Ablasstruhe klingelte. Die Einkünfte aus dem Ablass von Julius II. waren in diesem speziellen Fall für die Finanzierung und Unterhaltung der Xantener Stiftskirche vorgesehen.

Die Urkunde von Papst Julius II. ist oben mit Pergamentschlaufen zum Aufhängen der Urkunde versehen. Es war damals gängige Praxis, dass diese Urkunde an prominenter Stelle hing, um so die Kirchenbesucher zu animieren, entsprechend ihrer nach der Beichte auferlegten Buße zu spenden. Vermutlich hat unter der Urkunde eine entsprechende Ablasstruhe gestanden, die ebenfalls im Stiftsmuseum zu sehen ist.

Fundstücke der Reformation
Das Xantener Stiftsmuseum beherbergt den wertvollen Kirchenschatz des Xantener St.-Viktor-Doms, eine reichhaltige historische Bibliothek und ein umfangreiches Archiv zur Geschichte des Niederrheins.
Aus dieser kunsthistorischen Fundgrube wird die Bistumszeitung „Kirche+Leben“ in regelmäßigen Abständen Gegenstände aus der Reformation präsentieren, wie in der ersten Folge die Ablass-Urkunde von Papst Julius II. und eine Ablasstruhe.
Darüber hinaus werden Lutherdarstellungen, Bilder anderer Reformatoren, Bücher von Melanchhton und Martin Bucer oder Faksimiles der Wiedertäufer gezeigt. Die hier dargestellten Fundstücke sind dann für einige Wochen im Mueum zu sehen.