Theresa Eger konnte nur mit Sondergenehmigung gewählt werden

Das jüngste Mitglied eines Pfarreirats im Bistum Münster

Das kann sie: den Speer über 19 Meter weit werfen, die Kugel über acht Meter weit stoßen. Theresa Eger aus Nordenham ist in ihrer Altersklasse eine gute Leichtathletin.

Das kann sie: In ihrer Schulband gehört sie zu den gefragten Sängerinnen. Jetzt hat sie auch eine eigene Band, die „Giants“, mit der sie im städtischen Jugendzentrum auftritt. Für ihr Alter ist sie eine gute Musikerin.

Das kann sie – Chemie und Mathematik. Da hat sie gute Noten, in der zehnten Klasse des städtischen Gymnasiums. Für ihr Alter ist sie eine gute Schülerin.

Für ihr Alter – warum spielt das überhaupt eine Rolle?

Warum ihr Alter wichtig ist

Weil ihr Alter von 15 Jahren bei einer anderen Aufgabe wichtig ist. Theresa Eger wollte im November für den Pfarreirat von St. Willehad Nordenham kandidieren, weil sie sich in ihrer Gemeinde einfach wohl fühlt.

Den Pfarreirat wählen – das geht mit 15. Für den Pfarreirat kandidieren – das geht üblicherweise erst mit 16. Das Problem ließ sich lösen. Pfarrer Karl Jasbinschek beantragte eine Sondererlaubnis – und Bischof Felix Genn stimmte zu. So wurde Theresa Eger zum jüngsten Mitglied eines Pfarreirats im ganzen Bistum.

Warum sie in den Pfarreirat wollte

Warum hatte sie diesen Wunsch, im Pfarreirat mitzumachen? Weil sie in der Kirche und mit der Kirche aufgewachsen ist. So beschreibt es Theresa Eger. Nämlich: im katholischen Kindergarten, in der katholischen Grundschule – beides ist nicht selbstverständlich in einer Stadt wie Nordenham mit so wenig Katholiken.

Die Gemeinde St. Willehad in Nordenham liegt an der Wesermündung und gehört mit Wilhelmshaven und Jever zu den nördlichsten Gemeinden des Bistums Münster. Auf einer Fläche von der Größe der Stadt Münster leben dort 40 000 Menschen, 3400 sind katholisch. Nordenham wurde vor sieben Jahren mit den Gemeinden Einswarden, Burhave und Rodenkirchen zusammengelegt. Inzwischen wurden die Filialkirchen in Abbehausen, Einswarden und Stollhamm geschlossen. Bei der Pfarreiratswahl in diesem Jahr stieg die Wahlbeteiligung nach Angaben der Gemeinde von 7,5 auf 8,5 Prozent. Um die zwölf Sitze hatten sich 19 Kandidaten beworben.

Dann wurde sie Messdienerin, inzwischen auch Gruppenleiterin der St. Willehad-Gemeinde und ist mitverantwortlich für 30 Messdienerinnen und Messdienern. Soweit auch alltäglich, aber auch weit weg vom Gedanken, im Pfarreirat mitzuarbeiten. Bis eine Frau Theresa Eger während der Firmvorbereitung fragte, ob sich eine Kandidatur nicht vorstellen könne.

Von selbst wäre sie nie auf die Idee gekommen

„Ich war zuerst völlig überfordert“, beschreibt sie ihre Gedanken. „Was ein Pfarreirat macht, davon hatte ich keine Vorstellung. Deshalb wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, mich dafür zu bewerben.“ Ihr erster Schritt deshalb: Fragen stellen. Auch an die Mutter, die schon länger im Pfarreirat mitarbeitet.

Klar wurde ihr, dass es nicht um Finanzen gehen würde. „Davon hätte ich auch keine Ahnung.“ Sondern darum: das Leben der Willehad-Gemeinde mitgestalten, Anstöße geben. „Ich hatte mir immer vorgestellt, dass mehr Jugend in der Kirche sitzt, dass die Kirche cool wird, interessant für die Jugend.“ Da lag es nahe: „Dann muss ich mich dafür auch mal einsetzen.“ Als Sprecherin der Jugend im Pfarreirat.

Gewählt wohl vor allem von den Älteren

Theresa Eger wurde schließlich gewählt, mit 117 von 256 Stimmen, als siebtes von zwölf Mitgliedern. Gewählt haben sie vor allem die älteren Gemeindemitglieder, das hat sie schnell gemerkt. Am Wahlsonntag veranstaltete die Gemeinde ihren Weihnachtsbasar, und überall sei sie von älteren Menschen angesprochen worden – sehr herzlich, wie sie betont.
Da merkte sie: Es klappt. Auch eine Jugendliche wird gewählt.