Goldschmied Josef Reifig schuf seine Nachbildung mit Szenen aus Münster-Nienberge

Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci - als Silber-Miniatur

Vor drei Jahren gestaltete Goldschmiedemeister Josef Reifig sein Elternhaus nach alten Unterlagen im Maßstab 1 zu 400 aus Gold. Das sollte eigentlich die letzte Arbeit des 87-Jährigen sein.

Doch es gibt ein Bild vom letzten Abendmahl im Wohnzimmer seines Hauses in Münster-Nienberge. Eines der zahlreichen Gemälde zu dem Thema: Am Abend vor seiner Kreuzigung versammelte Jesus die zwölf Apostel zum Mahl anlässlich von Pessach, das zu den wichtigsten Festen des Judentums gehört und an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert. Reifig hatte schon länger darüber nachgedacht, eine Abendmahl-Szene als dreidimensionale Miniatur nachzubauen – diesmal aus Silber. Also ging er ans Werk.

Vorlage war das berühmte Abendmahl von Leonardo da Vinci

Ein Foto des Originals von Leonardo da Vinci war die Vorlage.
Ein Foto des Originals von Leonardo da Vinci war die Vorlage für die Miniatur-Arbeit des letzten Abendmahls von Goldschmiedemeister Josef Reifig. | Foto: Hubertus Kost

Als Vorlage wählte er das berühmte Fresco von Leonardo da Vinci. Das 4,22 mal 9,04 Meter große Werk des Universalgenies ist in der Dominikanerkirche Santa Maria delle Grazie in Mailand zu sehen. Der Goldschmiedemeister besorgte sich Fotos davon und konzentrierte sich zunächst auf die Nachbildung der Apostel. „Das war eine besondere Herausforderung,“ erinnert er sich. Denn seine eigenen Apostel-Figuren sind 1,5 Zentimeter klein, die Köpfe nur drei bis vier Millimeter.

Jede Figur hat der Goldschmied im Ruhestand aus einem kleinen Silberblock herausgearbeitet. Das sei nur mit Hilfe einer Lupe möglich gewesen. Immer wieder musste er Kleinigkeiten verändern, „damit die Personengruppe harmonisch wirkt“. Auf Leonardos Gemälde wird das Abendmahl im Refektorium, dem Speisesaal des Klosters, eingenommen. Diesen Raum konstruierte Reifig in den Mini-Maßen 15 mal sieben mal acht Zentimeter nach, nachdem der Tisch und die Figurengruppe fertig waren.

Drei zentrale Motive aus Münster-Nienberge

Motive aus dem alten Münster-Nienberge
Diese Motive aus dem alten Münster-Nienberge sind in die Abendmahl-Szene eingearbeitet: der Hof Mersmann (von links), die Pfarrkirche St. Sebastian und das älteste Fachwerkhaus. | Foto: Hubertus Kost

Auf Leonardos Gemälde sind im Hintergrund drei Fenster zu erkennen. Daraus wurden in der Arbeit von Reifig drei zentrale Nienberger Motive: Die Fenster zeigen nun die Sebastian-Kirche, den Hof Mersmann und das älteste Fachwerkhaus „Kerger in't Lock“. Mit diesen Motiven bringt der Meister seine Verwurzelung mit Münsters Stadtteil Nienberge zum Ausdruck. Das war ihm ein besonderes Anliegen. Er hat bereits die ältesten Gebäude im Ortskern im Kleinformat geschaffen. Die Pfarrkirche St. Sebastian war die erste Meisterleistung für das Miniatur-Ensemble.
 
Reifig kann auf eine lange berufliche Karriere zurückblicken. 1964 machte er sich in Münster mit seiner Goldschmiede-Werkstatt in der Kirchherrngasse nahe der Lamberti-Kirche selbstständig. Der Familienbetrieb fertigt bis heute hochwertigen Schmuck nach individuellen Wünschen. Als er 2000 den Betrieb an seinen Sohn Peter übergab, wollte er sich noch nicht ganz zur Ruhe setzen. Die Liebe zu seiner Heimat und zu seinem Beruf brachten ihn damals auf die Idee, zunächst ein ganzes Ensemble rund um die Sebastian-Kirche zu gestalten - aus 900er Silber und im Maßstab 1 zu 200

Ausstellung nach Corona

„Mir ging es darum, wie ich das alte Nienberge für die nächsten Generationen erhalten kann“, erklärt er.  Das sei auch die Motivation dafür gewesen, ein Teilen des alten Dorfkerns der ehemals politisch selbstständigen Gemeinde in das letzte Abendmahl einzubringen – mit meisterlichem Können, Liebe zum Detail und Verbundenheit zur Kirche.

Und wo können Interessierte das silberne Abendmahl künftig besichtigen, an dem er mit Unterbrechungen ein Jahr gearbeitet hat? Die Miniatur-Arbeit soll im Fenster der Goldschmiede-Werkstatt in der Kirchherrngasse 13 in Münster ausgestellt werden – demnächst, nach Corona.