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Kunstprojekt am Taufstein der renovierten Kirche St. Georg

Das „leuchtende Schaufenster des Glaubens“ in Saerbeck

Nach ihrer Renovierung erstrahlt die Kirche St. Georg in Saerbeck buchstäblich in neuem Licht: eine Installation des Künstlers Mario Haunhorst wird zum leuchtenden Glaubenszeugnis. Am Sonntag wird es auch der Gemeinde vorgestellt.

Wer nicht aufpasst, tritt aufs Glas: Zwischen Eingangsportal und Taufbrunnen strahlt eine durchsichtige Rinne in der frisch renovierten St. Georg Kirche in Saerbeck (Kreis Steinfurt) in neuem Licht. Sie ist Teil der Installation „GeistesGegenwart“ des Osnabrücker Künstlers Mario Haunhorst. Am Sonntag, pünktlich zur Verabschiedung des langjährigen leitenden Pfarrers Peter Ceglarek, wird das Projekt vorgestellt.

„Ist das nicht einfach ,Wow?‘“ Peter Ceglarek ist sichtlich begeistert, wenn in der Kirche St. Georg das Licht angeht. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand hat sich die Gemeinde vor einem Jahr für ein ausgefeiltes Lichtkonzept entschieden. Schon 2017 war mit einer Umgestaltung und Sanierung des neugotischen Gotteshauses begonnen worden, dessen Wurzeln bis ins 800 Jahrhundert zurückreichen. 

Neues Konzept für altes Gemäuer

„Am Anfang stand die Frage: Wo ist unser Beitrag als Gemeinde zu diesem Kirchenbau heute?“, erklärt Pfarrer Ceglarek. Diese Kirche gehöre „mit allem, was ist, den Saarbeckern“.  Viele Gemeindemitglieder hatten für den Neubau Ende des 19. Jahrhunderts unter der Federführung des Münsteraner Baumeister Wilhelm Rincklake (1851-1927) gespendet. „Wir würdigen dies, wir wertschätzen und wir genießen es, aber was macht unsere Kirchengemeinde 2020 aus?“ Im Künstler Mario Haunhorst fand die Gemeinde einen Ideengeber. Bekannt ist der Osnabrücker auch für seine Schaukelinstallation in der Basilika in Rheine, mit der er Anfang des Jahres für Aufsehen sorgte.

Nicht bei allen Gemeindemitgliedern stießen die Kosten für die Umbaupläne über das Kunstprojekt hinaus auf Zustimmung. 100.000 Euro muss die Gemeinde selbst aufbringen. Eine Spendenaktion ist angelaufen: Symbolisch kann sich jeder beteiligen: von einem Meter Bank für 180 Euro bis zu einer Bodenfliese für zehn Euro.

Eine Investition, die sich lohnt: Die Besonderheit in St. Georg ist nun die herausgehobene Mittelachse aus dem Eingangsportal heraus mit unverstelltem Blick auf den Hochaltar. Dadurch, dass in den Seitenflügeln keine Bänke mehr stehen, sondern 120 Stühle, wirkt die Kirche klarer und aufgeräumter. Der Blick fällt auf das Wichtigste im Kirchraum: auf den neuen Altarblock, ein Entwurf des Steinfurter Architekturbüros Andreas Holtfrerich, und auf den strahlenden Jesus in der historischen Mandorla auf dem Hochaltar. 

Glaubenszeugnisse im Boden

Ein weiterer zentraler Punkt des Umbaus war die Versetzung des Taufbeckens: „Mir war wichtig, dass es einen zentralen Ort bekommt“, erläutert Ceglarek. Daher wurde es aus dem Turm in den Eingangsbereich zum Mittelgang gerückt. Davor ist eine schmale, etwa zwei Meter lange Bodenrinne eingelassen, das „leuchtende Schaufenster des Glaubens“. „Die Idee ist, dass Menschen in diesem Bodenfenster Glaubenszeugnisse ablegen können“. Dazu können die Glasplatten herausgenommen werden.  „Ich bin selber ganz gespannt, was die Gemeinde daraus macht. Hier kann sich ein Brief wiederfinden, warum ich überhaupt noch heute an Gott glaube, oder das kann ein Rosenkranz von Oma sein“, sagt Peter Ceglarek.

Bei einer Taufe können dann die Eltern ihren Täufling über diese Schwelle tragen und so symbolisch ihr Kind in die Gemeinde hineintaufen. „Die Aussage wird so ganz deutlich: 'Zu dieser Gemeinde möchten wir gehören‘“, sagt der 68-Jährige. Außerdem werden vereinzelt blaue Steine in das Schaufenster hineingelegt, die sich in der Farbe des zukünftigen gläsernen Taufbeckens wiederfinden werden. Das ist allerdings noch nicht ganz fertig. Es soll von einem kupfernen, gebogenen Kreuz in den Brunnen aus dem 13. Jahrhundert gehalten werden und das bisherige Innenbecken ersetzten.

Unter dem Taufbrunnen finden sich auch die vier angedeuteten Blöcke des Altares wieder. Wann dieser durch Bischof Felix Genn offiziell geweiht wird, steht nach Angaben der Bischöflichen Pressestelle noch nicht fest. Sicher ist dagegen, dass Peter Ceglarek dann aus Greven, seinem zukünftigen Wohnort als Emeritus, anreisen wird.

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