Beim Umzug gehen viele Mädchen und Jungen muslimischen Glaubens mit

Das Martinsfest gestalten in Hamm-Nord auch Vereine

Wenn heute, am Freitag vor dem Martinsfest, an der Herz-Jesu-Kirche im Hammer Norden der Martins-Umzug beginnt, sind zahlreiche Kinder muslimischen Glaubens dabei. Die Kirchen, die örtlichen Vereine und die Freiwillige Feuerwehr übernehmen viele Aufgaben. Alle sind ganz dabei, wenn das kleine Theaterstück beginnt: Martin, als römischer Soldat gekleidet, teilt seinen Mantel und gibt dem frierenden Bettler die Hälfte ab.

Kita mit 15 Nationalitäten

Der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund im Norden von Hamm ist hoch. Das schlägt sich auch in der Zusammensetzung der kleinen Besucher der dortigen Kita St. Martin nieder. 82 Kinder besuchen die Einrichtung. Sie gehören 15 Nationalitäten an.  43 Prozent der Mädchen und Jungen sind muslimischen Glaubens, zwölf Prozent sind katholisch, vier Prozent evangelisch. Der Kindergarten, der zum Familienzentrum „Hamm-Norden“ gehört, hat diese Gegebenheiten vor einiger Zeit auch beim Aktionsprogramm „Kita – Lebensort des Glaubens“ aufgegriffen.

Die bunte Zusammensetzung stellt nicht nur Anforderungen, sondern bietet auch Chancen, macht Kita-Leiterin Petra Hegemann klar. „Wir sind eine katholische Einrichtung. Wir nehmen alle mit, aber jeder muss akzeptieren, dass wir beten, dass Kreuze in unseren Räumen hängen und dass wir unsere Feste feiern.“

Kindgerechte Vermittlung

Gerade der Gedenktag des Heiligen bietet der nach ihm benannten Kita einen guten Anlass, alle einzubeziehen. Denn die Aussage des Festes ist auf sehr kindgerechte Weise zu vermitteln. Dass es gut und notwendig ist, miteinander zu teilen, verstehen Menschen verschiedenster Nationalitäten, Konfessionen und Interessen. In diesem Sinne engagieren sich auch die örtlichen Vereine. Die Freiwillige Feuerwehr, die Schützen und die Sportvereine tragen ihren Teil zur Gestaltung des Martinsfests bei, an dem Mädchen und Jungen aus fünf Kindergärten teilnehmen.

Beisammensein bei Glühwein am Grill

Nach der Einführung an der katholischen Kirche folgt der etwa halbstündige Umzug mit Liedern und Laternen. Er endet am evangelischen Gemeindehaus. Dort bekommen die Kinder traditionell eine Martins-Brezel. Für die Erwachsenen steht Glühwein bereit, und alle sind eingeladen, beim Grillen noch zusammenzubleiben.

Wenn so viele im Hammer Norden gemeinsam das Martinsfest feiern, geht es nicht nur symbolisch um das Teilen, sondern es nimmt sehr konkrete Formen an. So übernehmen die Vereine die Kosten für je eine Brezel pro Kindergartenkind. Nicht zuletzt gehört zum Teilen auch Arbeitsteilung: So stehen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr am Grill, und die Koordination des gesamten Ablaufs übernimmt die evangelische Pfarrerin.

Freitags bleibt mehr Zeit

„Die Veranstaltung wird von den Familien immer gut angenommen“, freut sich Petra Hegemann. Sicher liegt ein Teil des Erfolgs auch daran, dass alle Beteiligten den heutigen Gegebenheiten Rechnung tragen: So findet der Auftakt des Umzugs nicht mehr wie früher in der Kirche statt, sondern auf der Wiese davor – um ein niederschwelliges Angebot auch für diejenigen zu schaffen, die mit der Kirche weniger vertraut sind.

Und wenn der Martins-Umzug nicht mehr in jedem Fall am 11. November ist, sondern am Freitag davor oder danach, hat dies einen ganz praktischen Grund: „Die Familien haben heute wenig Zeit“, sagt die Kita-Leiterin. „An einem Freitag haben Eltern und Kinder größere Chancen, beim Martins­umzug dabei zu sein.“