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Was wird aus der Krippenausstellung im Westfälischen Museum für religiöse Kultur?

Das „Relígio“ in Telgte braucht in Corona-Zeiten wieder mehr Besucher

Das Relígio in Telgte braucht wieder mehr Besucher. Dem Westfälischen Museum für religiöse Kultur setzt die Zurückhaltung der Menschen in Corona-Zeiten zu. Ein Hoffnungsschimmer: die Krippenausstellung und ein digitaler Aufbruch.

Neuen Wochen war das Relígio in Telgte während des Corona-Lockdowns geschlossen, eine Ausstellung zum Thema „Geld und Glaube“ wurde komplett in das kommende Jahr verschoben. Das allein hat dem Westfälischen Museum für religiöse Kultur von den Besucherzahlen zugesetzt. Aber auch jetzt, wo mit einem umfangreichen Hygiene- und Abstandskonzept der Besuch wieder ermöglicht wurde, liegt die Nachfrage noch weit hinter der Normalität. Museumsleiterin Anja Schöne hofft, dass sich das spätestens bis zum Beginn der Krippenausstellung im November ändern wird.

„Wir brauchen die Besucher aber eigentlich schon jetzt“, sagt Schöne. „Das kulturelle Leben muss wieder in die Köpfe der Menschen zurück – es braucht ein Bekenntnis zu ihren Kultureinrichtungen.“ In den Augen Schönes scheint bei vielen der Gedanke, sich in der jetzigen Situation mit Kunst und Geschichte auseinander zu setzen, noch keinen Platz zu haben. „An manchen Tagen haben wir überhaupt keine Besucher, im Schnitt sind es derzeit vielleicht 50 in der Woche.“ In Zeiten ohne Corona sind es auch mal 1000 Gäste an einem Tag, etwa während der berühmten und beliebten Krippenausstellung rund um Weihnachten.

Finanzielles Loch und traurige Atmosphäre

Das Relígio in Telgte im Internet: www.museum-telgte.de

Das reißt natürlich ein finanzielles Loch in den Haushalt. Das Museum als GmbH mit dem Kreis Warendorf, der Stadt Telgte und dem Bistum Münster als Finanziers ist auch auf Eintrittsgelder angewiesen. Nicht weniger wichtig sind die Besucher aber für die Arbeitsatmosphäre der insgesamt etwa 20 Voll- und Teilzeit-Mitarbeiter. „Wenn die Frau am Empfang den ganzen Tag keinen Gast empfangen kann, dann ist das für sie nicht leicht“, nennt Schöne ein Beispiel.

Hinter den Kulissen ist die Zeit genutzt worden, um sich intensiv den Beständen zu widmen. „Da bleibt mit der Zeit viel liegen“, sagt die Museumsleitern. „Wir haben bisher unerschlossene Sammlungsbereiche aus dem Magazin dokumentiert und in die Datenbank eingepflegt.“ Unter anderem konnte der Nachlass von Ludwig Bauer, einem Telgter Künstler, der Kirchenfenstern, Mosaiken, Kreuzwegen und Altäre gestaltete, aufgearbeitet werden.

Digitale Angebote werden ausgebaut

Diese Arbeiten waren auch wichtig, um die digitalen Angebote des Museums weiter zu entwickeln. So sollen bald die ersten Objekte online zu sehen sein. Im Projekt #FreitagsFavoriten ist dies schon auf vergleichbarer Art umgesetzt worden. Einmal in der Woche wurde in den sozialen Netzwerken ein Film über ein Objekt aus dem Depot vorgestellt, darunter auch ein Gebetszettel zur Heiligen Corona.

„Die Menschen damit auch ins Museum zu holen, um sich das Ausstellungsstück analog anzusehen, ist aber nicht gelungen“, sagt Schöne. „Dafür sind die Zielgruppen scheinbar zu unterschiedlich.“ Genau dort scheint ein zentrales Problem zu liegen. „Wir wollen unsere digitalen Angebote ausweiten – die klassische Besuchergruppe des Museums müssen wir aber anders aktivieren.“ Dabei geht es vor allem um die Sorgen und Zurückhaltung dieser Zielgruppen in Corona-Zeiten, die sie daran hindert, die Dauerausstellungen zu besuchen. Digitale Anmeldungen sind bald möglich, Führungen durch die Ausstellung sollen weiterentwickelt werden, Veranstaltungen im Museumsgarten sind geplant.

Krippenausstellung und Corona

Normalität bedeutet das nicht, aber eine wieder wachsende Präsens des Museums in der Öffentlichkeit. Die ist auch wichtig im Ausblick auf den alljährlichen Höhepunkt des Programms: die 80. Krippenausstellung, die am 7. November eröffnet wird. Die Nachfrage der Künstler, die Werke zum Thema „Geheimnis der Heiligen Nacht“ einreichen wollen, ist größer als sonst, sagt Schöne. „120 Objekte sind zugesagt.“ Woran das große Interesse liegt, kann sie nur vermuten: „Vielleicht hat viele die Pandemie noch einmal neu zum Nachdenken gebracht.“ Mit Sicherheit werde sich das in einigen Exponaten widerspiegeln.

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