Vom Chor aus 4.000 Sängern bis Götz Alsmann

Das sind die Kultur-Highlights beim Katholikentag in Münster

Rund 300 Veranstaltungen wird allein das Kulturprogramm des Katholikentags vom 9. bis 13. Mai in Münster bieten. „Wir bestehen ja nicht nur aus Birne, sondern auch aus Herz!“, sagte Ulrich Rademacher bei der Vorstellung der Highlights aus Musik, Theater, Ausstellungen und Workshops am Donnerstag im münsterschen Borchert-Theater. Der frühere Leiter der Westfälischen Schule für Musik leitet den Arbeitskreis Kultur des Katholikentags. Das Angebot gelte „vor allem auch den Bürgerinnen und Bürgern der gastgebenden Stadt und der Region“.

 Ulrich Rademacher, Ulrike Böhmer und Anselm Thissen.Stellten das Kulturprogramm des Katholikentags im Münsteraner Borchert-Theater vor (von links): Ulrich Rademacher, Ulrike Böhmer und Anselm Thissen. | Foto: Markus Nolte

Allein 160 Konzerte sollen demnach neben Gottesdiensten und Diskussionen das Christentreffen prägen, zu dem mehrere zehntausend Menschen aus ganz Deutschland nach Münster kommen werden. Ein „besonderer Münsteraner Schwerpunkt“ sei dabei die Chormusik, betonte Rademacher. Bei einem „Begegnungskonzert“ am 10. Mai etwa führen mehr als 4000 Sängerinnen und Sänger von 138 kirchlichen Chören aus dem Bistum Münster auf dem Domplatz sowohl klassische Musik als auch erstmals ein „Münster-Halleluja“ für 16 Chorstimmen und Bläser auf.

Uraufführung eines Oratoriums im Dom

Am Samstagabend ist der Münsteraner Musiker Götz Alsmann bei einem „Fest am Dom“ zu erleben. Ebenfalls am Samstagabend tritt die A-capella-Band „Alte Bekannte“, die Nachfolgeband der „Wise Guys“, auf dem Schlossplatz auf. „Bei Jugendlichen wird zudem die Party am Samstagabend im Musikclub Jovel der Renner sein“, vermutet Rademacher. Die Stars des Abends seien Fiete Klatt und Leslie Clio.

Ein anlässlich des Katholikentags komponiertes Oratorium wird am Donnerstagabend im Dom uraufgeführt: „Pax“ ist der Titel des vom Domkapitel in Auftrag gegebenen Werks von Roland Kunz nach Texten des heiligen Franz von Assisi. Es greift das Leitwort „Suche Frieden“ des Katholikentags in Münster auf. Die Domchöre, Musiker des Sinfonieorchesters Münster und Domorganist Thomas Schmitz musizieren unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Lauer.

„Katholikentag unplugged“

Die Musiker des Münsteraner Doms Voll im Einsatz: Die Musiker des Münsteraner Doms werden das Oratorium „Pax“ von Roland Kunz während des Katholikentags aufführen. | Archiv-Foto: Michael Bönte

Als „Vision eines friedlichen Miteinanders in einer unfriedlichen Region“ bezeichnet Ulrich Rademacher ein Konzert des „Arab Jewish Orchestra“ aus Israel. Die jungen sowohl jüdischen als auch arabischen Musiker bringen am Freitagabend in der Halle Münsterland Kompositionen aus ihren je eigenen Kulturen zur Aufführung. Dass Musik keine Grenzen kennt, zeigt ein Konzert mit Preisträgern des Landeswettbewerbs der Deutschen Schulen des östlichen Mittelmeerraums oder eine Aufführung der „Women of Wuppertal“, Frauen mit Migrationshintergrund aus verschiedenen Ländern der Welt.

Ob Orgel-, Gospel- oder Mitmachkonzerte und Workshops rund um das Neue Geistliche Liedgut: „Musik wird es in der ganzen Stadt geben“, sagt Anselm Thissen: „in den Kirchen, aber auch auf den Straßen und Plätzen“. Der Münsteraner ist nicht nur für die Musik in der Jugendkirche „Effata“ verantwortlich, er leitet auch die Arbeitsgruppe „Musik – Theater – Kleinkunst“ des Katholikentags. 400 Bewerbungen habe es aus ganz Deutschland gegeben, nur ein Viertel konnte ins Programm aufgenommen werden. Es sei aber gelungen, aus der Not eine Tugend zu machen, erklärt Thissen: „Viele der nicht berücksichtigten Musiker werden bei ‚Katholikentag unplugged‘ am Donnerstag und Samstag an verschiedenen Orten der Stadt musizieren.“

Udo Lindenberg und Theater in der Unterführung

Für Kunstliebhaber werden einige Ausstellungen interessant sein: Zum einen die von vier Münsteraner Kulturinstitutionen getragene Schau „Frieden. Von der Antike bis heute“, aber auch die Gemälde der westfälischen Rock-Ikone Udo Lindenberg zu den Zehn Geboten oder die Gewinner des „Peace Image oft he year“.

Wie sich Literatur und Theater mit dem Thema Frieden auseinander setzen, lässt sich bei der Aufführung von Lessings „Nathan der Weise“ an ungewohntem Ort erleben – in der Unterführung am Schlossplatz. Zudem werden verschiedene Autoren aus dem „Writers in Exile-Programm“ des internationalen Schriftstellerverbands PEN zu Gast sein. Schirmfrau des Filmprogramms mit 15 Filmen im Cineplex ist Monika Grütters, gebürtige Münsteranerin und Staatsministerin für Kultur und Medien.

Kirchen-Kabarett auf großen Bühnen

Breiten Platz nimmt Kirchen-Kabarett schon immer bei Katholikentagen ein. „Aber erst jetzt ist die Zeit der kleinen Bühnen vorbei: Wir sind wirklich mitten im Programm angekommen“, sagt Ulrike Böhmer. Die ehemalige Pastoralreferentin aus Dortmund nimmt selber seit Jahren als „Erna Schabiewsky“ die Kirche auf den Arm. Es gebe viele hauptamtliche Kirchenmitarbeiter, die sich gesagt hätten: „Bevor ich zur Therapie gehe, gehe ich lieber auf die Bühne.“

Beim Katholikentag in Münster ist Böhmer für die Gestaltung des Kabarett-Angebots zuständig. Neben prominenten Künstlern wie Eckart von Hirschhausen, dem „jecken Diakon“ Willibert Pauels oder Manfred Lütz treten rund 20 Gruppen, Duos und Solisten bei 35 Aufführungen an. Darunter auch die vier Preisträger des einzigen deutschen Kirchen-Kabarett-Preises „Honnefer Zündkerze“ – und natürlich Ulrike Böhmer mit ihrem Programm „Friede! Komma bei mich bei!“.