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Reaktionen aus Augsburg, Bamberg, Essen, Freiburg, Köln, Rottenburg-Stuttgart, Trier, Würzburg

Debatte der Bischöfe zu Gemeindepapier des Vatikan geht weiter

Immer mehr Bischöfe in Deutschland reagieren auf die römische Instruktion zur Pfarreileitung - größtenteils äußerst kritisch. Positionen der Bischöfe von Augsburg, Bamberg, Essen, Freiburg, Rottenburg-Stuttgart, Trier, Würzburg - und erneut Köln.

Die Vatikan-Instruktion zu Reformen in katholischen Gemeinden sorgt weiter für Debatten unter den deutschen Bischöfen. Während der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki die von der vatikanischen Kleruskongregation veröffentlichte Instruktion am Freitag erneut verteidigte, übten weitere Bischöfe deutliche Kritik.

Kardinal Woelkirief zu einer differenzierten Betrachtung des Papiers auf. „Die Instruktion gibt wertvolle Anregungen, wie die uralte Institution der Pfarrei in unsere moderne Welt übertragen werden kann“, schrieb er auf dem Portal katholisch.de. Papst Franziskus rufe dazu auf, die Evangelisierung und damit Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen und Erneuerung nicht allein in der Reform von Strukturen zu suchen.

Woelki kritisierte, dass sich die Aufnahme des Dokuments auf die Leitungsverantwortung in der Pfarrei zuspitze. „Die evangelisierende Kraft einer Gemeinde ist aber weit entfernt davon, alleine an der Figur des Pfarrers zu hängen“, erklärte der Kardinal. Die letzte Verantwortung in der Leitung liege beim Pfarrer, der „ein geweihter Priester“ ist; zugleich seien die Laien zur Mitwirkung an der Leitung der Pfarrei berufen.

Worum es in der Instruktion geht

Die Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ hebt unter Berufung auf das Kirchenrecht die Rolle des Pfarrers hervor. Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien beispielsweise Teams aus Priestern und kirchlich Engagierten anzuvertrauen, widerspricht das Schreiben direkt.

Zahlreiche Kirchenvertreter und Theologen in Deutschland, darunter der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Franz-Josef Bode, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hatten das Papier als rückwärtsgewandt kritisiert.

Overbeck: Keine Berücksichtigung der Ortskirchen

Kritik am Vatikan kam auch vom Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. „Die Instruktion nimmt in keiner Weise zur Kenntnis, dass wir in Deutschland - aber auch in vielen anderen Ländern der Weltkirche - kirchliches Leben nicht mehr nach den Mustern der bisher bekannten Volkskirche gestalten können“, sagte er in Essen. „Es befremdet mich sehr, dass ein solches Dokument ohne Vorankündigung und Berücksichtigung der tatsächlichen Situation in den jeweiligen Ortskirchen veröffentlicht wird.“

Zu einem christlichen Glauben in Vielfalt und Offenheit gehöre auch, sich von einem Klerikalismus zu verabschieden, der nicht zuletzt nach den Skandalen des vielfältigen klerikalen Machtmissbrauchs zu Recht keine Akzeptanz mehr finden dürfe, so Overbeck weiter. „Ich bin außerordentlich froh über das große Engagement vieler Frauen und Männer, die ehrenamtlich wie hauptberuflich in unserer Kirche auf allen Ebenen mitarbeiten - und die selbstverständlich auch in leitenden Funktionen ihren Dienst tun.“

Schick: Mehr Schaden als Nutzen

Aus Sicht des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick hätte das Papier besser nicht veröffentlicht werden sollen. Es bringe für die Kirche und ihren missionarischen Auftrag „mehr Schaden als Nutzen“, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme. Das Papier sei theologisch defizitär und gehe nicht auf die jeweilige Situation der Kirche vor Ort ein.

Als ein „großes Manko“ bemängelt der Erzbischof, dass in dem Papier weder Anlass noch Zweck ausdrücklich genannt würden. Dies eröffne „Raum für alle möglichen Spekulationen, die Schaden anrichten“. Für einen Kirchenrechtler „nicht annehmbar“ sei, dass das Papier nur an einzelne Vorschriften des kirchlichen Gesetzbuchs von 1983 erinnere, ohne die Lehrentwicklung seither und die konkreten Verhältnisse vor Ort zu berücksichtigen.

Ackermann: Was ist mit Synodalität und Ortskirche?

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann kritisierte die Vatikan-Instruktion dagegen. „Ich bin irritiert darüber, dass vom Thema Missbrauch und Prävention keine Spur zu finden ist“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Als Beauftragter der Bischofskonferenz für dieses Thema störe ihn, dass in dem Papier kein Problembewusstsein zum Ausdruck komme, dass Pfarreien Orte von sexueller Gewalt gewesen seien und sein könnten.

Weiter kritisierte der Bischof, die Eigenverantwortung der Diözese und des Bischofs würden eingeschränkt. Papst Franziskus hebe immer wieder den Wert von Synodalität und der Ortskirche hervor. „Dieses Anliegen erkenne ich in der Instruktion nicht.“ Das Dokument setze Reformmöglichkeiten „spürbar engere Grenzen“. Zugleich betonte Ackermann, er werte das Papier nicht „als Endstation“. Es fordere vielmehr die katholischen Bistümer in Deutschland zu „noch intensiveren Gesprächen“ mit dem Vatikan auf.

Meier: Geistliche Reform statt Strukturveränderung

Dagegen erklärte der Augsburger Bischof Bertram Meier, sein Bistum könne mit der neuen Vatikan-Instruktion „gut leben“. Die wahre Erneuerung der Kirche setze weniger auf eine Veränderung von Strukturen, sie müsse tiefer an die Substanz gehen. „Ziel ist eine geistliche Reform.“

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst und Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn betonten, es gebe in der heutigen Zeit keine Alternative zu mehr Miteinander und Partizipation. „Das Rottenburger Modell steht nicht zur Disposition. Die darin festgeschriebene starke Beteiligung der Laien in all unseren Gremien bis zum Diözesanrat, der bei uns auch das Haushaltsrecht hat, ist ein großer Vorteil für die Ortskirche - und sie ist eine klare Konsequenz aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil.“ Das Schreiben aus Rom, so Fürst, habe ihn deshalb ebenso überrascht wie seine anderen Amtskollegen in Deutschland.

Burger: Es geht nicht um Zentralisierung

Auch das Erzbistum Freiburg will die geplanten Reformen in Pfarreien und Seelsorge voranbringen. „Der inhaltliche Kern der Reformen ist es, auch weiterhin Seelsorge vor Ort zu ermöglichen. Es geht keineswegs um eine Zentralisierung“, sagte Erzbischof Stephan Burgerder Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Der Würzburger Bischof Franz Jung vermisst in der Instruktion innovative Ansätze. Er frage sich ernüchtert, wo die missionarischen Impulse für eine Erneuerung der Pfarrei geblieben seien. Er hätte neue Sichtweisen erwartet, „die den Horizont weiten, Neugier wecken und Mut machen, missionarisch zu wirken“. Zudem könne der Leser den Eindruck gewinnen, „es ginge nur darum, die Rechte des Klerus einzuschärfen, ohne jedoch die geforderte Gesamtverantwortung des Gottesvolkes im gleichen Maße stark zu machen und dafür entsprechende Richtlinien an die Hand zu geben“.

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