Pfarrer von St. Peter Rheinberg liegt der Karneval im Blut

Dechant Martin Ahls mit Narrenfreiheit

Kamellewürfe nach dem Schlusssegen? Warum nicht, dachte sich Dechant Martin Ahls. Schließlich ist man ja im Rheinland, und da haben die Menschen alljährlich im Spätwinter jecke Gefühlsaufwallungen. „Viele hatten gedacht, das traut er sich nicht“, erinnert sich der Rheinberger. Weit gefehlt. Die Kirche war am Karnevalssamstag nicht nur sehr gut mit verkleideten Gläubigen besucht, das Erscheinen von Karnevalsprinz Markus III. mit Gefolge kam bei ihnen auch sehr gut an. Es war eben eine besondere, es war die fünfte Jahreszeit.

„Man hat mir gesagt, um die Menschen kennenzulernen, sollte ich nicht erst zur Fastenzeit kommen. Daher habe ich meinen Dienstantritt 2017 binnen einer Woche so durchgezogen, dass ich schon in der Karnevalszeit da bin“, erläutert Ahls. Der Dechant hat Sinn für Humor, für den normalen Witz, aber speziell auch für das Hintergründige.

Humor fürs Hintergründige

Darum tritt er auch jedes Jahr  vor der ausgelassenen Zuhörerschaft von drei Sitzungen auf und tauscht so die Kanzel gegen die Bütt ein. Spätestens wenn der Karneval in die heiße Phase einbiegt, ist es für den gebürtigen Xantener an der Zeit, an seiner Büttenrede letzten Schliff anzulegen.

Denn der Dechant, vor zwei Jahren aus dem westfälischen Haltern an den Niederrhein zurückgekommen, betritt als Till Eulenspiegel auf der Sitzung der Rhinberkse Jonges die Bühne, um den Entscheidern den Spiegel vorzuhalten. Es darf ruhig grotesk sein mit überraschenden Pointen. „Auch das ist eine Form der Kunst, um Menschen zum Lachen zu bringen“, sagt er.

Stadthalle wird ein Tropenhaus

So nimmt er in diesem Jahr die Diskussion über eine Rheinberger Beteiligung an der Landesgartenschau im benachbarten Kamp-Lintfort aufs Korn. Ein Lianen schwingender Bürgermeister lässt die Stadthalle in ein Tropenhaus verwandeln und rettete seine Beigeordnete aus den Fängen von Schimpansen. Lokalpolitik überspitzt, aber nie böse.

Seit 25 Jahren ist Martin Ahls Pfarrer, hat viele Reden und Predigten auch vor einem großen Auditorium gehalten. Doch wenn es um den Auftritt in der Sitzung geht, befällt ihn immer noch Lampenfieber. „Da bin ich nervös“, gesteht er.

Themen überspitzt

Dabei gehört er eher zu den alten karnevalistischen Hasen, hatte er doch 1997 im heimischen Xanten damit angefangen. Sein Markenzeichen: Till Eulenspiegel. „Ich fand es schon damals toll, wie er bei der Mainzer Fastnacht die Themen zuspitzte. Ich mache es auf lokaler Ebene.“

Das Jahr über sammelt er mögliche Themen, die Rede selbst hat er dann recht schnell zu Papier gebracht. „Es wie bei den Predigten“, sagt er. „Ich brauche den Druck.“ Bei seinem Spott macht er auch vor sich selbst nicht Halt. Selbstironie gehört für ihn dazu. Auch in diesem Jahr setzt er die Tradition eines karnevalistisch angehauchten Gottesdienstes fort; er findet am 2. März um 18 Uhr in St. Peter in Rheinberg statt. Seine gereimte Predigt hat aber das Evangelium zum Thema.