Warum es glücklich macht, nicht nur im Karneval die Beißerchen zu zeigen

»Deine Zähne sind wie eine Herde Schafe«

»Da lachen ja die Hühner«, behauptet eine Redensart. Offenkundig gilt diese Fähigkeit definitiv für Straußen- und andere Spaßvögel.
»Da lachen ja die Hühner«, behauptet eine Redensart. Offenkundig gilt diese Fähigkeit definitiv für Straußen- und andere Spaßvögel.Fotomontage: Andreas Depping / pixelio.de

Umfragen beweisen: Schöne Zähne machen attraktiv. Wie gut, dass in diesen Jecken Tagen die halbe Republik die Beißerchen zeigt – in absolut friedlicher Absicht. Selbst die Bibel weiß, wie erotisch eine hübsche Kauleiste ist. Und wo es besonders weh tut.

Auf die Idee muss man erstmal kommen! »Wir machen Lächeln« hat sich ausgerechnet eine Zahnklinik als Werbemotto ausgedacht. Den möchte ich kennenlernen, der mit an den Lippen abzulesender Freude zum Zahnarzt geht! In ungefähr derselben Logik könnte »Wir machen glückliche Kühe« der Slogan einer Metzgerei sein.

Der Besuch beim Zahnarzt jedenfalls dürfte für die meisten nicht eben zu den liebsten Hobbys gehören. Manche beißen trotz Schmerzen lieber die Zähne zusammen, als sie freiwillig mit weit geöffnetem Mund dem Fauchen, Surren, Krachen und Fiepen der medizinischen Gerätschaften hinzuhalten.

Schöne Beißerchen machen attraktiv

Und doch: Schöne Zähne machen Menschen attraktiv. Das haben diverse Umfragen bewiesen. Angeblich schauen zum Beispiel 58 Prozent der Männer als Erstes auf die Beißerchen einer Frau denn auf irgendein anderes Körperteil.

Das mag auch daran liegen, dass lachende Menschen auf Anhieb sympathisch sind. Schließlich haben böse Menschen redensartlich keine Lieder und tun entsprechend den Mund nicht einmal zum Singen auf. Was im Umkehrschluss heißt, dass, wer lacht, wohl ein guter Mensch sein muss.

Jeckes Zähnefletschen

So gesehen zeigt in diesen jecken Tagen ein Großteil der Republik seine Zähne – und zwar in ganz friedlicher und freundlicher Absicht. Denn eigentlich signalisiert das »Zähne zeigen« den Willen, Contra zu geben, Stärke und Autorität zu beweisen. Was beim Menschen für gewöhnlich nur redensartig gilt, ist in der Tierwelt durchaus wörtlich zu nehmen. Hunde beispielsweise fletschen die Zähne, begleitet von grimmigem Knurren, um zu drohen und buchstäblich die eigenen Waffen zu zeigen, mit denen man es lieber nicht zu tun bekommen soll.

Deeskalierend hingegen wirkt die Präsentation der menschlichen Kauwerkzeuge. Wer zum Beispiel einem anderen versehentlich auf den Fuß getreten hat, der kann sich dabei erwischen, wie er seine Entschuldigung mit einem Lächeln untermalt. Warum ist das so? Das ist so, weil tatsächlich ein Lächeln entwaffnend wirkt. Denn es signalisiert in solchen Situationen: »Tu mir nichts; ich habe nicht vor, deine Position anzufechten.«

Hühner können gar nicht lachen

So verhalten sich übrigens schon die engsten Verwandten des Menschen in ähnlichen Situationen, zum Beispiel Makaken und Paviane. Auch wenn Hühner – anders als die Redensart glauben macht – noch nie dabei beobachtet wurden, dass sie aus tiefster Hühnerbrust gelacht haben: Lächeln können Tiere also durchaus. Allerdings ist der grinsende Vogel Strauß auf unserem Foto zugegebenermaßen eine Trickserei aus der Zauberkiste der Fotobearbeitung.

Alles andere als zahnlos zeigt sich die Bibel in Bezug auf die menschlichen Beißwerkzeuge. Das berühmteste Zahn-Zitat ist sicherlich das Prinzip »Auge um Auge, Zahn um Zahn«, die alttestamentliche Version von »Wie du mir, so ich dir«. Nur am Rand sei erwähnt, dass es sich hierbei um die Lieblings-Bibelstelle von Donald Trump handelt. Im Ernst! Freilich gehört zur ganzen biblischen Wahrheit, dass Jesus diese Reiz-Rache-Logik durchbrochen hat: »Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.«

Ein eigenwilliges Kompliment

Zahn in der Zange: Detail einer Figure der heiligen Apollonia im St.-Paulus-Dom, Münster.Zahn in der Zange: Detail einer Figure der heiligen Apollonia im St.-Paulus-Dom, Münster. | Foto: Michael Bönte

Dass die Befolgung dieser Bergpredigt-Anweisung nicht nur zu massiven Hautrötungen, sondern zu Zahnschmerz und schlimmstenfalls Zahnverlust führen kann, musste eine gewisse Apollonia im dritten Jahrhundert am eigenen Leib erfahren. Die Legende sagt, ein aufgehetzter Mob in Alexandrien habe der Christin wegen ihres Glaubens den Kiefer zertrümmert. Dennoch wurde sie nicht etwa Patronin der Patienten, sondern – der Zahnärzte.

In anderen Fällen gilt Zahnweh sogar als Strafe Gottes, wovon der Prophet Amos berichtet: »Ich habe euch müßige Zähne gegeben und Mangel an Brot; dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir!« Dass das Zähneknirschen höllisch enden kann, weiß die Heilige Schrift ebenfalls, von heilsamen Beißschienen indes noch nichts.

Wer in den jecken Tagen seinem Gegenüber ein besonderes Kompliment machen möchte, dem sei das Hohelied empfohlen. Dort flötet Salomo seiner geliebten Sulamith: »Deine Zähne sind wie eine Herde geschorener Schafe, die aus der Schwemme kommen.« Das dürfte wohl wirklich ein Lächeln oder sogar Lachen machen. Oder für eine kräftige Backpfeife sorgen.