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Harsche Kritik an Bistum Münster wegen vorzeitiger Abberufung des Geistlichen

Demo in Münster: 500 Menschen gegen Versetzung von Pfarrer Laufmöller

  • 500 Menschen haben am Sonntag gegen die vorzeitige Versetzung ihres Pfarrers Thomas Laufmöller aus St. Stephanus in Münster demonstriert.
  • Der Konflikt um Laufmöller schwelt seit Monaten.
  • Zuletzt hatte das Bistum bekannt gegeben, ihn bereits zum 19. März abzuberufen.
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Rund 500 Menschen haben am am Sonntag gegen die vorzeitige Versetzung ihres Pfarrers Thomas Laufmöller aus St. Stephanus in Münster demonstriert. Unter dem Motto „Herz und Hirn statt Machtmissbrauch in der katholischen Kirche“ zogen sie zu Fuß, mit Bollerwagen und Rädern aus der Aaseestadt in einem einstündigen Protestzug zum Domplatz.

Viele Familien mit Kindern und junge Leute waren dem Aufruf gefolgt. Einige Teilnehmer waren auch aus dem Umland angereist. Lange hatte die Gemeinde um das Bleiben ihres Pfarrers gekämpft. Bei der Kundgebung auf dem Domplatz fasste David Hartmann vom Sprecherkreis St. Stephanus den „Unmut und das Unverständnis“ der Gemeindemitglieder zusammen: „Unser Pfarrer ist gegen seinen und unseren Willen vom Bistum zwangsversetzt worden“, erklärte er. Anderweitige Darstellungen enstprächen nicht der Wahrheit, meint Hartmann. „Vor Ostern wurde er zusätzlich kurzfristig aus der Gemeinde weggejagt. Ein Handeln mit Herz sehen wir hier nicht.“ Organisiert wurde der Protest von der Initiative „Nicht mit uns“.

Der Hintergrund

Hintergrund der harschen Kritik in Richtung Bischof und Bistumsverwaltung ist der seit Monaten schwelende Konflikte um den Seelsorger. Hintergrund ist eine personelle Neuorganisation der Pfarrei St. Liudger, zu der St. Stephanus gehört. Laufmöller war dort seit 17 Jahren Pfarrer und soll nun mit 30 Prozent in die Pfarrei St. Nikolaus in Münster-Wolbeck wechseln, mit 70 Prozent soll er als Seelsorger in der Friedensschule Münster tätig bleiben. 

Wegen sich zuspitzender Konflikte vor Ort war der Pfarrer von Heilig Kreuz in Münster, Siegfried Kleymann, Anfang des Jahrees als Pfarrverwalter eingsetzt worden. Im März hatte er um Entbindung von dieser Aufgabe gebeten. Zum neuen Pfarrverwalter wurde Weihbischof Stefan Zekorn ernannt. Den weiteren Prozess in der Pfarrei St. Liudger soll der Organisations- und Personalentwickler Günter Eilers aus Essen moderieren.

"Liberal oder konservativ"

Am 12. März hatte das Bistum zusätzlich beschlossen, Laufmöller noch vorzeitiger zum 19. März von seinen Aufgaben in St. Stephanus zu entbinden. „Die Gemeindemitglieder trifft das völlig unvorbereitet“, sagte Hartmann bei der Kundgebung.

Im Fokus der Kritik stehen unterschiedliche pastorale Konzepte: „Es geht letztlich um ein Ringen zwischen den liberalen und konservativen Kräften“ in der Pfarrei St. Liudger, zu der St. Stephanus gehört, erklärte Hartmann. Während nach seiner Darstellung die St.-Stephanus-Kirche Raum für ein buntes, modernes und offenes Gemeindeleben biete, lehre die geistliche Gemeinschaft Emmanuel, zu der die anderen Priester der Großpfarrei gehören, „streng nach dem Katechismus“. Sie vertrete einen „Anachronismus“ zu Themen wie Sexualmoral, zu Partnerschaften und der Rolle der Frau in der Kirche. 

Hartmann sprach sich gleichwohl für eine "katholische Weite" aus, "in der sich Christinnen und Christen in einer konservativen Gemeinschaft Emmanuel und in einer liberalen Gemeinde St. Stephanus wiederfinden können". In der Großpfarrei St. Liudger aber sei das Kräfteverhältnis "klar auf der Seite der konservativen Gemeinschaft Emmanuel". Deren Macht sei "vielfach missbräuchlich eingesetzt" worden. Hartmann fragte: "Wie passt all dies zu der Äußerung unseres Bischofs, dass es eine 'neue Machtverteilung in der Kirche' brauche?"

„Gleichschaltung“ mit dem Geist von Emmanuel?

„Warum wird der Gemeinschaft Emmanuel so viel Macht in unserer Gemeinde gegeben?“, fragte Hartmann. Begleitet von lauten Buhrufen der Protesteilnehmer warf der Sprecher dem Bistum vor, „St. Stephanus mit dem Geist von Emmanuel gleichgeschalten zu wollen“. Das Bistum, aber auch Seelsorgeteam und Pfarreirat von St. Liudger hatten dies stets zurückgewiesen und zudem Diffamierungen ehrenamtlich engagierter Gemeindemitglieder beklagt.

Hartmann kritisierte, es seien „Zusagen gebrochen und langfristige Gespräche von Seiten des Bistumes abgesagt worden“. Er beklagt, die Abberufung Laufmöllers sei bis heute nicht ausreichend begründet worden. Bis heute fehle es an einem Konzept, wie es weitergehen könne. „Der Moderationsprozess scheint sich auf formale Fragen zu reduzieren“, sagte Hartmann. „Wir wollen wissen, welche Pläne das Bistum mit der Gemeinschaft Emmanuel hat.“

"Lehrstück, für das, was falsch ist"

Auch Alexandra Fröhlich-Schulte vom Sprecherkreis St. Stephanus bemängelt mangelnde Transparenz bei der Abberufung von Laufmöller. Zudem wirft sie den Bistumsverantwortlichen vor, „Lügen zu verbreiten und Tatsachen zu verdrehen“. „Wir möchten in unserer Gemeinde keine Zensur, keine Ablehnung von schwulen und lesbischen Menschen, keine Ausgrenzung von Frauen“, fasste die Sprecherin einige Forderungen zusammen. Fröhlich-Schulte fürchtet den zunehmenden Einfluss der Gemeinschaft Emmanuel. Um diesen auszubauen, habe man „einen Grund gesucht, um Pfarrer Laufmöller zu entfernen, weil es gestört hat, wie er mit uns den Glauben lebt“, erklärte die Sprecherin.

Als dritte Rednerin erklärte sich Andrea Voß-Frick, Mit-Initiatorin der Frauen-Reformbewegung „Maria 2.0“ mit den Protestierenden solidarisch: St. Stephanus sei ein „Lehrstück für das, was in der katholischen Kirche falsch ist.“

UPDATE: Konkretisierungen im 7. Absatz (29.03.2021 / 09:30 / mn)

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