GESELLSCHAFT

Demokratie darf nicht an der Kirchentür enden!

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Die Kirche muss für christliche Werte einstehen und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen. Jonas Zielinski hat dafür Ideen.

Am 6. September wurde in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. In den vergangenen Tagen wurde viel über das Wahlergebnis der AfD und seine Folgen diskutiert. Auch mich beschäftigt dieses Ergebnis und die Frage, was wir als Gesellschaft tun können, um rechtsextremen Tendenzen entgegenzuwirken.

Für mich ist auch unser Auftrag als Kirche nach dieser Wahl klar: Wir müssen uns für Mitbestimmung, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Insbesondere in Zeiten, in denen immer mehr Menschen das Vertrauen in Politik und gesellschaftliche Institutionen infrage stellen, kann Kirche Orientierung bieten: nicht als parteipolitische Akteur*in, sondern als klare Stimme für christliche Werte und die Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens.

Mitbestimmung aktiv leben

Der Autor:
Jonas Zielinski ist 23 Jahre alt und schließt aktuell sein Studium der Sozialen Arbeit in Münster ab. Außerdem ist er Teil der KjG-Diözesanleitung im Diözesanverband Münster und arbeitet als Bildungsreferent für kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung in Dortmund.

Auch außerhalb von Sachsen-Anhalt fühlen sich viele Menschen nicht gehört oder mit ihren Sorgen nicht gesehen. Diesen Eindruck müssen wir ernst nehmen! Demokratie lebt nicht nur davon, alle paar Jahre ein Kreuz bei einer Wahl zu setzen. Sie lebt davon, dass Menschen im Alltag erfahren: Meine Stimme zählt. Ich kann mitgestalten.

Genau hier können wir als Kirche ansetzen. Mitbestimmung muss auch außerhalb von politischen und kirchlichen Wahlen aktiv gelebt werden. In Gemeinden, Jugendverbänden, kirchlichen Einrichtungen und sozialen Projekten muss Mitgestaltung und Beteiligung möglich sein. Dabei sollten junge Menschen, Ehrenamtliche und Gemeindemitglieder nicht nur helfen, wenn etwas organisiert werden soll. Sie müssen erleben, dass sie mit ihren Themen und ihrem Engagement gesehen werden und wirklich etwas verändern können.

Zur Bedeutung der Menschenwürde

In einer gemeinsamen Stellungnahme äußern die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) ihre Sorge um das Zusammenleben in Sachsen-Anhalt. Außerdem erinnern sie an die Bedeutung der universellen Menschenwürde, der Landesverfassung und des Grundgesetzes.

Das ist ein wichtiges Signal: Niemand soll wegen Herkunft, Religion, Armut, Behinderung, sexueller Identität oder Lebensgeschichte abgewertet werden. Nächstenliebe ist nicht davon abhängig, wer mein*e Nächst*e ist. Gerechtigkeit bedeutet, besonders diejenigen zu schützen, die sonst überhört und übersehen werden.

Für unsere Werte einstehen

Als Kirche müssen wir zwar nicht alle politischen und gesellschaftlichen Probleme lösen, aber wir können für unsere christlichen Werte einstehen und Grenzen markieren! Glaubwürdig werden wir dabei aber nur, wenn wir diese Haltung auch selbst leben. Wenn wir mehr Beteiligung fordern, müssen wir diese auch in unseren Strukturen ermöglichen.

Wenn uns Vielfalt wichtig ist, müssen wir unterschiedlichen Stimmen Raum geben und sie zu Wort kommen lassen.

Wenn wir Menschen und ihre Sorgen ernst nehmen wollen, müssen wir ihnen Verantwortung zutrauen.

Nicht nur Jugendverbände, sondern auch wir als gesamte Kirche können eine „Werkstatt der Demokratie“ sein. Dafür braucht es klare Werte und echte Mitbestimmung.

„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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