Bischof Christoph Bernhard von Galen weihte 1669 die Gnadenkapelle

Der „Bomben-Bernd“ von Münster und die Wallfahrt von Bethen

Diesen Beinamen wird er wohl nicht mehr los: „Bomben-Bernd“. In den Niederlanden wurde er zuerst so genannt, der Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen (1606 bis 1678). Denn der barocke Landesherr führte oft Krieg gegen seinen protestantischen Nachbarn, die junge niederländische Republik – und seine Truppen wussten sich dabei der Artillerie geschickt zu bedienen.

Ein Etikett, das schnell aufgeklebt, aber nur schwer wieder loszuwerden ist. Das weiß Joachim Kuropka als versierter Historiker nur zu genau. Der Professor an der Universität Vechta hat 1999 die „Oldenburgische Kirchengeschichte“ mit herausgegeben und dort den Abschnitt über die regionale katholische Kirche seit der Reformation verfasst. Christoph Bernhard von Galen spielt in dem Band natürlich eine wichtige Rolle.

Galen trieb Machtpolitik

Wer ihn nur als barocken Kriegsherrn sehe, verkenne seine Persönlichkeit, betont Kuropka. Sicher habe Galen europäische Machtpolitik getrieben, aber das habe zu seinem Selbstbild als Landesherr gehört. Galen habe das Gebiet seines Fürs­tentums erhalten und manches auch wiedergewinnen wollen. Wenn es nicht anders ging, dann eben durch Krieg.

Professor Joachim Kuropka, Universität Vechta, hat über die regionale Kirchengeschichte Oldenburgs geforscht. | Foto: Franz Josef Scheeben
Professor Joachim Kuropka, Universität Vechta, hat über die regionale Kirchengeschichte Oldenburgs geforscht. | Foto: Franz Josef Scheeben

Deshalb habe der Bischof durchaus Kriege gegen die Niederlande geführt. Kuropka verweist auf den Geist der Zeit: „Unsere heutige Vorstellung, Krieg an sich sei schlecht, ist ja noch sehr jung“, sagt Kuropka. „Damals war für einen Fürsten klar: Bei einem gerechten Kriegsgrund darf man Krieg führen. Und die Verteidigung des Glaubens war für ihn allemal ein gerechter Grund.“

Münster im gerechten Krieg

Gebiet zurückgewinnen – das war ein Motiv für Christoph Bernhard. Den rechten Glauben verteidigen – das war das Andere. Der Landesherr sah sich eingekreist von protestantischen Mächten, sah Gebiete in seinem Bistum abgefallen vom katholischen Glauben.

Sein Ziel war: dem gegenzusteuern. „Christoph Bernhard fühlte sich stark der katholischen Erneuerung verpflichtet, als Folge des Reformkonzils von Trient.“ Er brachte die so genannte Gegenreformation in Gang. Für diese Erneuerung setzte Christoph Bernhard nicht nur Soldaten und Kanonen ein. Sondern auch viel Geld. Zum Beispiel hielten nach dem 30-jährigen Krieg Truppen protestantischer Staaten in seinem Bistum immer noch Coesfeld, Bevergern und Vechta besetzt. Galen kaufte die Städte mit enor­men Summen frei.

Galen ein Kind seiner Zeit

Kuropka wirbt dafür, den Bischof als Landesherrn „in der damals üblichen Form“ zu sehen, also auch als Kind seiner Zeit. Denn der junge Fürstbischof von Münster, 1650 ins Amt gekommen, sei durch diesen Dreißigjährigen Krieg tief geprägt worden, durch einen brutalen Krieg, der im Fürstbistum Münster tiefe Spuren hinterlassen hatte.

Geld setzte Christoph Bernhard auch später ein, für einen ganz ungewöhnlichen Zweck: 1667 kaufte er dem Bischof von Osnabrück für eine hohe Summe die geistliche Oberhoheit über das Niederstift Münster ab. Weltlicher Herr war er dort schon, eigentlich brachte ihm dieses teure Geschäft also nichts. Festungen hatte er dort schon, auch die Steuern flossen. Warum also diese merkwürdige Investition?

Geistliche Erneuerung

Kuropka: „Er hat das nur gemacht, um direkten Zugriff auf den Klerus und die geistliche Ordnung dort zu gewinnen. Da sah er sich eben als Bischof, verantwortlich für das Seelenheil. Und nicht einfach nur als Landesherr.“

Geistliche Ordnung verstand Christoph Bernhard streng im Sinne des Konzils von Trient. In Reformdekreten verpflichtete er seine Priester, sich um ihre Gemeinden zu kümmern, den Zölibat zu halten, verpflichtete sie auch auf „die klare Predigt des Wortes Gottes“, wie es in einem Bericht des Bischofs an Papst Innozenz heißt.

Alles für die Gegenreformation

Zudem verpflichtete er die Priester, alljährlich zwei Mal zu Synoden nach Münster zu kommen, im Frühjahr und im Herbst. Diese Priestertreffen mit dem Bischof dienten – so Kuropka – „dem Austausch unter den Geistlichen, aber sie waren vor allem ein Instrument, den Klerus streng auszurichten. Alles unter dem Vorzeichen, den Abfall vom Glauben zu bekämpfen.“

Tiefgreifend und von hoher Bedeutung sei ein zweites großes Projekt des Bischofs: die Schulbildung. Mit Christoph Bernhard verbindet sich die Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Bistum. Der Bischof habe dafür auch die Strukturen geschaffen, Schulen bauen und Lehrpläne entwerfen lassen.

Mehr als nur der „Bomben-Bernd“

Ein Projekt, das neben dem Etikett des „Bomben-Bernd“ gerne übersehen wird, findet Kuropka. Und dass den münsterschen Bischof über die Landesherren seiner Zeit deutlich heraushebe. „Die Bildung seiner Untertanen hatte damals kaum ein Fürst so sehr im Blick“, sagt Kuropka. „Da war er außergewöhnlich.“ Bemerkenswert findet der Historiker zudem, dass Christoph Bernhard sich für die Mädchenbildung so intensiv einsetzte. Eigens dafür habe er Ordensschwestern angeworben, die dieses Projekt verwirklichen sollten.

Seelsorge sicherstellen und für Bildung sorgen sind klassische Aufgaben eines fürstlichen Bischofs, sollte man meinen. Christoph Bernhard habe jedoch auch bewusst geistliche Akzente gesetzt zur Erneuerung des katholischen Glaubens, betont Kuropka.

Wallfahrt nach Bethen

Etwa durch die Segnung der Gnadenkapelle im Wallfahrtsort Bethen bei Cloppenburg, vor jetzt 350 Jahren. Oder durch die Stiftung der Himmelfahrts-Prozession in Vechta – als Dank für den Abzug der schwedischen Besatzungstruppen im Jahr 1654.

Wallfahrten und Prozessionen fördern – so wirke Fürstbischof Christoph Bernhard nach bis in die heutige Zeit. Kuropka verweist auf die Jahrhunderte lange Tradition der Wallfahrten, auf die ungebrochene Tradition der Prozessionen, die der Bischof im Bistum stiftete.

Galen als „starke Figur“

„Menschen brauchen auch so etwas wie den tätigen Vollzug ihres Glaubens, das hatte der Bischof erkannt“, so Kuropka. „Offensichtlich hat er damals so einen Nerv der gläubigen Menschen getroffen – und offensichtlich auch den von uns heute.“ Der Wissenschaftler fällt deshalb dieses Urteil: „Christoph Bernhard war ein Mann seiner Zeit. Durch seinen großen geistlichen Eifer und seine Reformen war er aber auch eine imposante und eine starke Figur.“