Wie Pressesprecher Stephan Kronenburg mit schwierigen Situationen umgeht

Der Krisenmanager des Bischofs von Münster

Ereignen sich Unfälle, Kunstdiebstähle, Naturkatastrophen, persönliche Verfehlungen von Seelsorgern oder gar sexueller Missbrauch im Bistum, hat die Bischöfliche Pressestelle Hochkonjunktur. Betroffen sind in erster Linie der Pressesprecher des Bistums, Stephan Kronenburg, aber auch seine Mitarbeiter. Augenfällig wurde das zuletzt bei der „WhatsApp-Affäre“ um einen Klever Priester.

In diesen Tagen im Januar klingelte pausenlos das Handy bei dem Pressesprecher und kamen Anfragen per E-Mail. Er und der für den Niederrhein zuständige Redakteur Christian Breuer hatten in dieser Phase alle Hände voll zu tun. Sie wollten einerseits die Gremien, die Bistumsleitung und die Betroffenen auf den neuesten Stand der Entwicklungen bringen und andererseits auch die Öffentlichkeit über die Ereignisse informieren.

Offensiv und wahrhaftig reagieren

Stephan KronenburgStephan Kronenburg leitet die Medien- und Öffentlichkeitsabteilung im bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: pbm

„Schnell, wahrhaftig und offensiv zu reagieren“, ist für Kronenburg dann das Gebot der Stunde. „Wir können natürlich nicht abwarten, bis die Medien uns anfragen, sondern müssen unsererseits an die Öffentlichkeit gehen“, sagt er. Doch er stellt klar, dass er diesen Anspruch erst dann umsetzen kann, wenn er sich vorher ein klares Bild von der jeweiligen Situation gemacht hat. Er muss wissen, was wirklich vorgefallen ist. „Ich muss über den Sachstand vollständig informiert worden sein, um korrekt zu informieren“, führt Kronenburg aus.

Je nachdem, was sich ereignet hat, muss die Reihenfolge der Informationen entsprechend gewählt werden. „Geht es um innerkirchliche Probleme, steht die interne Kommunikation im Vordergrund. „Erst müssen die Betroffenen, dann die entsprechenden Gremien und die Gemeinde und erst dann die Öffentlichkeit informiert werden“, sagt der 51-jährige Chef der Medien- und Öffentlichkeitsabteilung des Bistums.

Anlaufstelle für die Medien

Er versteht sich als erste Anlaufstelle für Journalistinnen und Journalisten, die Informationen und Fragen über Konflikte, Entwicklungen oder das kirchliche Leben suchen. „Sicher gibt es für Situationen, die eine Krisenkommunikation erfordern, Pläne und Überlegungen, an denen wir uns orientieren“, fasst Kronenburg die Vorgehensweise zusammen. Es gebe natürlich Standards. „Es muss auf jeden Fall klar sein, wer wann gegenüber der Öffentlichkeit spricht“, sagt Kronenburg.

Unbedingt  müsse nach außen eine einheitliche Sprachregelung getroffen werden. Das ist für den Pressesprecher keine Zensur. Doch er betont noch einmal: „In Krisenfällen bedarf es eindeutiger und klarer Botschaften.“ Das sei gerade im Sinne der Betroffenen.
Auf dieser Grundlage müsse man natürlich auf jeden Fall individuell reagieren. „Jeder Fall ist anders, und wir achten deshalb immer genau darauf, um welches Problem oder welche Krise es sich gerade handelt.“

Das Opfer steht im Mittelpunkt

Worst case – sexueller Missbrauch. „In diesem Fall ist auf jeden Fall das Interesse des Opfers in den Mittelpunkt zu stellen. Wir müssen die betroffene Person unbedingt schützen. Und das heißt, wir überlegen in diesem Fall genau, was wir kommunizieren dürfen. Wie alt das Opfer ist, sagen wir in der Regel nicht. Wir wollen nicht, dass das Opfer zu identifizieren ist“, beschreibt Kronenburg die oft komplexe Situation. Denn würde bekannt, um wen es sich handelt, würde man dem Opfer schaden.

Konkrete Personen und deren Persönlichkeitsrechte zu achten und zu wahren, steht für den Pressesprecher im Vordergrund. „Das bedeutet auch, nicht immer alles sagen zu können, was man weiß.“ Schließlich habe auch ein Täter oder mutmaßlicher Täter Rechte – vor allem gesetzlich verankerte Persönlichkeitsrechte, fügt Kronenburg hinzu.

Sociale Medien neu bedenken

Schwierig sind auch Katastrophen und Unfälle wie der Flugzeugabsturz in den französischen Alpen im März 2015, wovon auch eine Schülergruppe in Haltern betroffen war. Oft habe sich der Unfall gerade erst ereignet, dann meldeten sich schon erste Medien auf der Suche nach schnellen Informationen. Auch hier gilt für Kronenburg, sich erst einmal selbst zu informieren – natürlich so schnell wie möglich, aber auch so gewissenhaft wie möglich. „Wir müssen gegebenenfalls erst ehrlich sagen, dass wir selbst noch nicht jeder Hinsicht über das Ereignis informiert sind“, sagt er.

In solchen Fällen ist eine spezielle Verhaltensweise von besonderer Bedeutung: Die unmittelbar Betroffenen müssen vor den Medien informiert werden. Eltern sollten zum Beispiel nicht durch die Medien von dem Tod ihrer Kinder benachrichtigt werden.
„Wir bemühen uns in einem solchen Fall die Verbreitung über die sozialen Medien so lange zurückzuhalten, bis die Angehörigen verständigt sind“, sagt Kronenburg. Er räumt aber gleichzeitig ein, dass dies schon schwierig sei, weil heute jeder diese Kanäle unmittelbar nutze. „Wir wollen für die Medien ein Partner sein, der gut erreichbar ist und schnell, seriös und wahrhaftig informiert“, fasst der Pressesprecher noch einmal die Kriterien seiner Arbeit zusammen.