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Gast-Kommentar von Markus Gehling über die Zukunft der Kirche

Der Mensch ist der Weg der Kirche

Wie soll sich die Kirche weiterentwickeln? Wie die Bewahrer mitnehmen und die Forschen nicht enttäuschen? Markus Gehling, Blogger und Pastoralreferent in Voerde, sieht keinen Weg, widerstreitende Positionen zusammenzubringen. Außer einem.

Zwischen den aktuellen Kirchenaustrittszahlen und der nächsten Etappe des Synodalen Wegs stellt sich erneut die Frage, wie sich die Kirche weiterentwickeln soll: Wie die Bewahrer mitnehmen und die Forschen nicht enttäuschen? Markus Gehling, Blogger und Pastoralreferent in Voerde, sieht keinen Weg, widerstreitende Positionen zusammenzubringen. Außer einem.

Markus Gehling, Jahrgang 1967, verheiratet, Vater von 4 erwachsen werdenden Kindern, Pastoralreferent in St. Peter und Paul Voerde mit eigenem Blog auf www.kreuzzeichen.blogspot.com.

Vor einigen Wochen lösten die Kirchenaustrittszahlen ein kleines Erdbeben aus. So hoch wie nie! Inzwischen ist die Erschütterung verdaut und der Alltag wieder eingekehrt. Einige Wortmeldungen aus dieser Zeit klingen noch nach. So plädierte ein evangelischer Pfarrer für eine „palliative Ekklesiologie“. Mit der Kirche gehe es zu Ende, man müsse sie liebevoll bis dahin begleiten. Der Psychologe und Missbrauchs-Experte Heiner Keupp analysierte den Verlust an Vertrauen in die Kirche und stellt fest, dass Kirchenmenschen einen langen Atem bräuchten: „Das kann Jahrzehnte dauern, denn jetzt ist es im Keller.“ 

Der mühsame Prozess der Aufarbeitung zieht sich so lange hin, dass jeder kleine Fortschritt hinter dem allgemeinen Eindruck zurücktritt, die Kirche reagiere zögerlich und sei ein Hort des geistlichen und sexuellen Missbrauchs. Überhaupt, so zeigt eine aktuelle Studie, vertrauen noch gerade mal 20 Prozent der Menschen der katholischen Kirche. Bischof Wilmer aus Hildesheim prophezeit für 2020 noch weit höhere Austrittszahlen.

Auch über das „Versagen“ der Kirche in der Corona-Krise ist viel gesprochen worden. Hier hat mich die Bemerkung eines Freundes nachdenklich gemacht. Von den aus leeren Kirchen gestreamten Gottesdiensten sei für ihn ein fatales Signal ausgegangen: „Die brauchen mich nicht! Die Kirche feiert ohne mich! Der Betrieb läuft weiter!“

Paulus würde auf den Tisch hauen

In meinem großen Bekanntenkreis gibt es im Grunde zwei Überzeugungen, wie die Kirchenkrise zu überwinden sei. Die einen sagen: Wir müssen gläubiger werden, wir müssen neu evangelisieren, Gott auf Knien anbeten, uns an der Tradition der Kirche und am ewigen Lehramt ausrichten. Alle, die das nicht wollen, können gehen.

Die anderen sagen: Wir müssen heutig werden, in den Strukturen der Kirche steckt die DNA des Bösen, die Kirche muss sich modernisieren, sie braucht Gleichberechtigung, mehr Vielfalt, Beteiligung und weniger Amt.

Für die erste Position setzen einige junge Menschen ihr Leben ein und treten in konservative Orden und Seminare ein. In der zweiten Position gehen der Kirche immer mehr Leute von der Fahne, weil die Reformen nicht recht vorankommen. Und zwischen den Positionen wird das Wort der Apostelgeschichte „Seht, wie sie einander lieben!“ kaum noch gelebt. Paulus würde krachend auf den Tisch hauen: „Ja ist denn Christus zerteilt?“

Schwaderlapp auf Pilgertour mit Maria 2.0

Ich sehe keinen Weg, diese widerstreitenden Positionen zusammenzubringen. Außer einem! Beide Seiten müssen umkehren. Wir dürfen niemandem den Eindruck vermitteln: „Wir brauchen Dich nicht.“ „Der Mensch ist der Weg der Kirche“, das hat Johannes Paul II. gesagt. Jesus würde vermutlich zum Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp sagen: „Wenn die Frauen von Maria 2.0 dich zwingen, eine Wegstrecke mit ihnen zu gehen – dann gehe freiwillig viel weiter mit.“ Und zu ZdK-Präsident Thomas Sternberg: „Wenn Bischof Voderholzer mit dir nach Altötting pilgern will, gehe mit ihm …“

Das Blatt für die Kirche wird sich erst dann wieder wenden, wenn wir mit vereinten Kräften in unserem kirchlichen Leben in aller Verschiedenheit dieses Wort des heiligen Papstes lebendig werden lassen: „Der Mensch ist der Weg der Kirche.“

 

Hinweis
Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

 

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