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In Frankreich bleibe die Steigerung „unter der Ein-Prozent-Schwelle“, so der Religionsforscher. Was er den Kirchen hierzulande stattdessen rät.
Nach Ansicht des Religionssoziologen Detlef Pollack bleibt Kirche trotz des Bedeutungsverlusts von Religion weiterhin als Begleiterin in kritischen Lebenssituationen gefragt. Das sagte der Münsteraner Wissenschaftler in einem aktuellen Interview mit der „Kirchenzeitung“ der Diözese Linz.
Viele Menschen seien auf der Suche nach Sicherheit, Sinnstiftung und „Halt in einer unübersichtlichen Welt“. Kirchen seien daher gut beraten, entsprechend „da zu sein, wenn Menschen Begleitung in kritischen Lebenssituationen benötigen“. Zugleich müssten sie akzeptieren, dass sie in solchen Situationen nur noch ein Anbieter unter mehreren sind, so Pollack.
Kirche muss Haltung ändern
Allerdings sei diese Einsicht in den Rückgang der eigenen sozialen Relevanz noch nicht überall gleichermaßen angekommen. „Es ist nicht so einfach, damit zurechtzukommen“, räumte der Religionssoziologe ein. „Man muss Vorstellungen universeller Zuständigkeit zurückfahren und damit fertigwerden, dass man nicht mehr für das Leben der Menschen im Ganzen zuständig ist, sondern nur noch für bestimmte Aspekte im Kompetenzbereich von Kirche und Religion.“ Es wäre daher auch „fatal“, den alten Anspruch weiterhin aufrechtzuerhalten.
Wichtiger sei die Begleitung von Menschen in kritischen Lebenssituationen: Hier mache die Kirche „in vielerlei Hinsicht einen Unterschied“, auch wenn die Gesellschaft insgesamt nicht mehr auf Kirche und Religion angewiesen sei.
Hohe Taufzahlen in Frankreich
Skeptisch äußerte sich Pollack mit Blick auf die auch hierzulande aufmerksam verfolgten hohen Taufzahlen unter jungen Menschen in Frankreich. Diese waren zuletzt auf 18.000 gestiegen und gelten seither als Beleg dafür, dass Säkularisierung nicht zwangsläufig zu einem Rückgang religiöser Bindungen führen muss.
Der Religionssoziologe verwies jedoch darauf, dass es bereits in früheren Jahren bis zu 6.000 Erwachsenentaufen pro Jahr in Frankreich gegeben habe - die Steigerung auf 18.000 bleibe angesichts von mehreren Millionen jungen Menschen in der Zielgruppe „unter der Ein-Prozent-Schwelle“. Es handle sich daher um eine „absolute Minderheit“, und man dürfe das Phänomen „nicht überschätzen“.