So wird der Rückgang der Weihnachtskollekte ausgeglichen

Deutlich mehr Adveniat-Spenden per Überweisung

Randvolle Kirchen an Heiligabend können auch täuschen. Zum Beispiel, was die Weihnachtskollekte für das Bischöfliche Hilfswerk Adveniat angeht. Die bringt zwar immer noch ein beachtliches Ergebnis zusammen, aber es wird von Jahr zu Jahr kleiner.

Landeten 2005 deutschlandweit rund 37 Millionen Euro an den Weihnachtstagen im Kollektenkorb, waren es 2015 noch 26 Millionen – 30 Prozent weniger. „Wir haben jedes Jahr rund eine Million Euro in der Kollekte verloren“, erklärt Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens dazu im Gespräch mit „Kirche+Leben“.

Volle Kirchen können täuschen

Auch im Bistum Münster sei der Rückgang zu spüren. 2015 war es zwar immer noch das deutsche Bistum mit dem höchsten Kollektenaufkommen für Adveniat. Aber mit einem Rückgang von 3,2 im Jahr 2011 auf 2,6 Millionen.

Die Gründe für die Entwicklung sind vielfältig. Eine gesunkene Katholikenzahl spielt nach Ansicht des Adveniat-Geschäftsführers ebenso eine Rolle wie die geringer werdende  Zahl an Gottesdienstbesuchern.

Ausgleich am Bankschalter

Dass Adveniat trotzdem in den vergangenen fünf Jahren durchgängig jeweils mehr als 50 Millionen Euro für seine Arbeit verwenden konnte, lag vor allem daran, dass das Hilfswerk das Minus bei der Kollekte auf anderen Feldern auszugleichen wusste. Denn weniger im Kollektenkorb zu Weihnachten bedeutet nicht automatisch weniger Spenden. Zumal immer mehr Menschen ihre Gabe direkt vom Konto an des Hilfswerk überweisen.

Adveniat-Logo

Anders als die Kollekte sind die Höhe und der Anteil solcher Einzelspenden per Banküberweisung an den Gesamtspenden in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, erklärt Geschäftsführer Jentgens. Von 2013 gut neun Millionen Euro auf zuletzt rund zwölf Millionen Euro.

Am Kollektenkorb vorbei überwiesen

Wie er an den Zahlungseingängen ablesen kann, fließen zwei Drittel davon in der Advents- und Weihnachtszeit an das Hilfswerk, meist als Reaktion auf Spendenaufrufe per Post, so genannte Mailings. Am Kollektenkorb vorbei – und dennoch ins Ziel.

Das helfe dem Hilfswerk, den Rückgang der Kollekte zu kompensieren, so Jentgens. Gelungen sei dies außer durch Mailings vor allen Dingen durch Gaben von Großspendern und den Zufluss durch Erbschaften. Außerdem arbeite man auch an neuen Ideen, um das Aufkommen zu stabilisieren.

Mobilisieren mit dem Projekt „Weinachtsmärkte“

Ein neuer Ansatz richtet sich gezielt an die Besucher von Weihnachtsmärkten. „Wir wollen den Menschen entgegengehen, und zwar dorthin, wo sie Weihnachten feiern“, so Jentgens. Einerseits, um Spenden zu erwirtschaften, aber auch, um dort Bewusstsein zu schaffen. Gelingen soll das mit Ständen auf Weihnachtsmärkten, an denen zum Beispiel Kinder selbst Plätzchen backen und gegen eine Spende mit nach Hause nehmen können oder wo Besucher Kerzen ziehen und dann gegen eine Spende mitnehmen können.

Die Marketing-Verantwortlichen für Weihnachtsmärkte  zeigten sich offen für solche Anfragen von Adveniat. Jentgens: „Auch weil sie wissen: Wenn wir noch mehr Verpflegungs- und Getränkestände auf den Weihnachtsmarkt stellen, nimmt der Umsatz eher wieder ab, weil die Leute das heimelige Gefühl von Weihnachten und Advent vermissen.“

Vielleicht 2018 auch in Münster

Der mit dieser Aktion erzielte Umsatz betrug zuletzt zwar erst rund 100 000 Euro. „Aber das soll noch wachsen“, sagt Stephan Jentgens und zeigt sich dabei optimistisch. Mit Ständen auf zwei Märkten in Essen und Bochum habe man vor drei Jahren angefangen, mittlerweile seien es zehn. „Und im nächsten Jahr wollen wir 20 schaffen“, hofft er.

2018 sei man vielleicht mit einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Münster vertreten. Derzeit liefen Gespräche darüber mit dem Oberbürgermeister.

Adveniat ist das Hilfswerk der Katholiken in Deutschland für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik. In allen katholischen Kirchen in Deutschland wird an Heilig Abend und am Ersten Weihnachtstag dafür gesammelt. Adveniat erzielt dabei den mit Abstand höchsten Kollektenertrag der katholischen Hilfswerke. Spendenkonto-IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45, oder im Internet.