Online-Befragung läuft noch bis zum 30. November

Deutsche Bischöfe mit selbstkritischer Analyse zur Jugendsynode

In ihrer Antwort zur Vorbereitung der Jugendsynode im Vatikan 2018 präsentieren die deutschen Bischöfe eine zum Teil sehr selbstkritische Bestandsaufnahme zum Thema Jugend und Kirche. Auf der einen Seite gebe es großes Engagement bei Ministranten, katholischen Jugendverbänden und geistlichen Gemeinschaften, doch zugleich sei auch eine nachlassende kirchliche Bindung sowie ein Misstrauen gegenüber der Institution Kirche zu verzeichnen.

Das geht aus dem am Freitag in Bonn veröffentlichten Antwortschreiben der Deutschen Bischofskonferenz an den Vatikan hervor. Dafür wurden Fragebögen aus allen 27 Bistümern ausgewertet, aber noch nicht die Online-Umfrage des Vatikan unter Jugendlichen selbst. Die Bischöfe rufen daher auf, sich noch bis zum 30. November auf der Internetseite youth.synod2018.va zu beteiligen.

Bischofskonferenz: Angebote reichen längst nicht

Jugendbischof Stefan Oster betont in der Antwort, dass die verschiedenen Formen kirchlicher Jugendarbeit „mit ihrem je eigenen Profil unterschiedliche und zum Teil auch nicht-gläubige Jugendliche“ erreichten: „Diesen Schatz werden wir mit nach Rom tragen. Wir müssen uns aber auch eingestehen, dass wir den von Papst Franziskus geforderten missionarischen Aufbruch intensiver umsetzen könnten.“

Die Rückmeldungen zeigen laut Bischofskonferenz, dass viele Jugendliche von der Kirche „Wertvorstellungen und Sinnangebote, Authentizität und Lebensrelevanz“ erwarten. Angesichts schwieriger Herausforderungen suchten viele nach Hilfe und Begleitung, die sie aber längst nicht immer in den bestehenden Angeboten fänden.

Genn fordert mehr Personal für Jugendpastoral

Münsters Bischof Felix Genn, der Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe der Deutschen Bischofskonferenz ist, forderte in dem Schreiben die katholische Kirche auf, mehr Personal einzusetzen, um Jugendliche bei ihren Fragen und Nöten zu begleiten.

Zugleich heben die Bischöfe hervor, dass es eine hohe Bereitschaft zu gesellschaftlichem Engagement gebe, das gerade in den Jugendverbänden gefördert werde. Konkrete Fragen der Berufung zu einem christlichen Leben – vielleicht sogar als Priester oder Ordensfrau – spielten dagegen eine geringere Rolle.

„Deutliche Distanz“ zu kirchlichen Ehe-Aussagen

Beim Thema Ehe und Familie zeige sich eine „deutliche Distanz zu kirchlichen Aussagen“, stellen die Bischöfe weiterhin fest: „So sind voreheliche Lebensgemeinschaften eine nahezu flächendeckende Realität. Fast alle Paare, die um eine kirchliche Trauung bitten, leben oft schon mehrere Jahre zusammen.“

Beispielhafte Projekte

Wie von Rom gewünscht, stellen die Bischöfe auch drei deutsche Beispielprojekte vor: die missionarische Aktion „Nightfever“, die sozial ausgerichtete „72-Stunden-Aktion“ des BDKJ sowie das christliche Orientierungsjahr „Basical“ im Bistum Augsburg.

Das „Basical“ sei ein Beispiel „für die Fülle an Freiwilligendienste und Orientierungsjahren, bei denen junge Menschen in den Diözesen nach ihrem Schulabschluss unter anderem der Frage ihrer Berufung nachgehen können“, heißt es in der Mitteilung der Bischofskonferenz.