Bischof Felix Genn und Schwester Katharina Kluitmann bei Tagung

Deutsche Bischöfe nehmen geistlichen Missbrauch ins Visier

Die deutschen katholischen Bischöfe wollen sich nicht nur mit sexuellem, sondern auch mit geistlichem Missbrauch auseinandersetzen. Im Zusammenhang mit den Diskussionen um sexuellen Missbrauch in der Kirche sei man „auf das Phänomen des geistlichen Missbrauchs aufmerksam geworden“, sagte Bischof Felix Genn aus Münster am Mittwoch nach einer internen Tagung der Deutschen Bischofskonferenz in Mainz.

„Allzu oft, so die Befürchtung, geht psychischer und geistlicher Missbrauch dem sexuellen Missbrauch voraus“, betonte Genn, der Vorsitzender der Bischofs-Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste ist. Opfer sexuellen Missbrauchs würden dabei „durch eine falsche geistliche Begleitung in Abhängigkeiten vom Begleiter gebracht und gefügig gemacht“, so Genn.

Was Geistlicher Missbrauch ist

Von dem Phänomen berichteten zunehmend mehr Betroffene. Geistlichen Missbrauch gebe es etwa in der Form, „dem anderen meine Entscheidung, die ich bei ihm für richtig halte, aufzuzwingen, statt ihm die Freiheit zu lassen“.

Bei dem Treffen in Mainz berieten sich die Pastoralkommission, die Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste und die Jugendkommission der Bischofskonferenz. Weitere Teilnehmer kamen unter anderem aus dem Bereich der Orden.

Katharina Kluitmann warnt vor Überbewertung des geistlichen Ideals

Die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz, Schwester Katharina Kluitmann OSF, mahnte Wachsamkeit in der Kirche auch für geistlichen Missbrauch an. Sie warnte vor einer Überbewertung des geistlichen Ideals „auf Kosten menschlicher Realitäten und Bedürfnisse“.

Äbtissin M. Petra Articus vom Landshuter Zisterzienserinnenkloster Seligenthal sagte, geistlicher Missbrauch könne vorprogrammiert sein, wenn Ordensobere mit Macht- und Kontrollbedürfnis mit Untergebenen zusammenträfen, die überzogene Ideale hätten und zugleich unsicher und konfliktscheu seien.