ZUKUNFT DER KIRCHE

Einheit in Vielfalt – was der neue DBK-Vorsitzende Wilmer leisten kann

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Die Reformen in der katholischen Kirche in Deutschland sollen unter Wilmer weitergehen. Doch es gibt Grenzen, ist sich Birgit Mock sicher.

Viele gute Wünsche erreichten den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, letzte Woche. Er möge den Reformweg weitergehen. Und er möge vor allem dazu beitragen, dass die vier Bischöfe, die sich am Synodalen Ausschuss nicht beteiligt haben, wieder „an Bord kämen“. Damit die deutsche Kirche wieder mehr zu einer Einheit werde.

Ich frage mich, ob und wie dies gelingen kann. Je konkreter man arbeitet und je tiefer man in die Handlungsebenen eintaucht, desto mehr werden in einer Gemeinschaft auch Unterschiede deutlich. Die Evaluation des Synodalen Weges, mit der wir das Prozessgeschehen intensiver ausgewertet haben, hat sehr unterschiedliche Verständnisse von Synodalität offengelegt. Es gibt Beteiligte, denen die Beschlüsse viel zu weit gingen, und andere, die sich deutlich mehr und weitergehende Entscheidungen gewünscht hätten. Damit in Zusammenhang steht die Frage, wie Entscheidungen zukünftig zustande kommen sollen: Entstehen sie durch verbindliche Voten – also gemeinsam – oder werden sie auf hierarchischem Wege – nach gemeinsamer Beratung – vom Bischof getroffen? Die Haltungen hierzu sind sehr divers, man kann sagen: gegenläufig.

Was der Synodale Weg geschafft hat – und was nicht

Die Autorin:
Birgit Mock ist Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins, Naturwissenschaftlerin und Organisationsentwicklerin, im Synodalen Weg (2019-2023) Vorsitzende des Forums IV „Sexualität und Partnerschaft“, im Synodalen Ausschuss (2023-2026) Vorsitzende der Kommission für Evaluation und Monitoring sowie von 2021-2025 Vizepräsidentin des ZdK.

Nun ist es aus meiner Sicht Teil des Erfolges des Synodalen Weges, sich diesen Realitäten zu stellen. Und Spannungen auch sichtbar zu machen. Damit hat ein Kulturwandel begonnen, der Herausforderungen nicht ausweicht, sondern sie besprechbar macht.

Ich glaube nicht, dass es dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gelingen kann, diese Unterschiede zu nivellieren. Dafür sind sie zu grundlegend und haben viel mit persönlichen Glaubensgeschichten und einem Grundverständnis von Kirche zu tun. Man liefe sogar Gefahr, um einer scheinbaren Einheit willen die tiefere Handlungsebene wieder zu verlassen und sich in oberflächlicheren Themen zu verlieren. Daher wäre das aus meiner Sicht auch nicht sein Job.

Seine Aufgabe wird vielmehr darin bestehen, weiterhin Formate und Räume zu eröffnen, in denen sich die Bischöfe in ihrem Kreis untereinander und zusammen mit weiteren Verantwortlichen der Kirche begegnen können. In denen sie miteinander um einen guten Weg für die Kirche in Deutschland ringen können. In denen das „Kirche sein in der Welt“ mit allen politischen Herausforderungen seinen Platz hat. Und in denen auch Glaubensüberzeugungen ihren Raum haben. „Einheit in Vielheit“ aushalten und Wege dafür finden, das scheint mir die große Aufgabe zu sein. Und dafür wünsche ich Gottes Geleit.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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