Buchautor stellt in Recklinghausen Engagement für Umweltschutz vor

Deutsche Konzerne profitieren von Bauprojekten in Brasilien

Für Brasiliens Staudammprojekte werden Millionen von Bäumen gefällt, ehemalige Schutzgebiete und das Land indigener Völker geflutet. Tausende Indigene haben bereits ihr Land und ihre Lebensgrundlagen verloren. Seit Jahren kritisieren Umweltschützer und Kirchenleute diese Projekte wie den Bau des Wasserkraftswerks Belo Monte am Rio Xingu am Amazonas.

„Der Bau ist gestoppt. Aber keiner weiß, wie die brasilianische Regierung weiter verfährt“, sagt Christian Russau. Er diskutierte mit Mitgliedern des Eine-Welt-Kreises St. Elisabeth in Recklinghausen über die Staudämme am Amazonas. Russau ist Brasilien-Kenner und veröffentlichte seine Recherchen kürzlich in dem Buch „Abstauben in Brasilien – Deutsche Konzerne im Zwielicht“.

Staudammprojekte können verhindert werden

„Viele Menschen und Organisationen in Brasilien sehen, welcher Wahnsinn mit den Großprojekten geschieht und gehen wie internationale Umweltorganisationen dagegen an“, sagte Russau. Anhand seiner Erfahrungen mit dem künftig drittgrößten Staudamm der Welt, Belo Monte am Xingu-Fluss, berichtete Russau über die sozialen und umweltrelevanten Folgen solcher Großprojekte.

In seinem Vortrag zeigte er mit dem unlängst eingestellten Bauvorhaben Sao Luiz do Tapajos-Staudamm auf, wie solche Großprojekte verhindert werden können, welche weiteren Staudämme in Amazonien derzeit in Planung sind und wie sich deutsche Konzerne dazu verhalten.

Auch Siemens und die Allianz-Versicherung

„Wer denkt, nur brasilianischen Konzerne würden ihre Interessen verfolgen, der liegt falsch“, sagte Russau und lieferte Informationen über die internationalen Verflechtungen der Konzerne wie Siemens oder die Allianz-Versicherung.

Um in Brasilien Lebens- und Futtermittel im ganz großen Maßstab anbauen zu können,  müssten  Unmengen  an  so genannten Pflanzenschutzmitteln  hergestellt und eingesetzt werden – mit verheerenden ökologischen und gesundheitlichen Folgen, wie Russau meint. Auch hier seien deutsche Konzerne beteiligt. Russau stellte das Engagement der katholischen Kirche heraus, die an der Seite der Indigos stehe. Besonders der Träger des alternativen Nobelpreises, der 2015 emeritierte Bischof Dom Erwin Kräutler, habe immer wieder für die Menschenrechte der Indigos und die Erhaltung des tropischen Regenwaldes gekämpft.

Gabriele Leinert: Partnerschaft heißt auch, den eigenen Lebensstil zu überdenken

Gabriele Leinert vom Eine-Welt-Kreis St. Elisabeth in Recklinghausen und Christian Russau. | Foto: Johannes Bernard
Gabriele Leinert vom Eine-Welt-Kreis St. Elisabeth in Recklinghausen und Christian Russau. | Foto: Johannes Bernard

Wie sehr die Eine-Welt-Arbeit notwendig sei, verdeutlichte Gabriele Leinert aus St. Elisabeth Recklinghausen. Sie setzt sich seit 30 Jahren für die Partnerschaft ihrer Gemeinde mit Sao Raimundo im nordost­brasilianischen Teresina ein und unterstützt die Franziskanermissionare im so genannten Armenhaus Brasiliens. „Mit unserer Partnerschaft wollen wir weltweit denken und solidarisch handeln. Dazu gehört auch, unseren Lebensstil zu überdenken“, sagte Leinert.

Zur Partnerschaft gehören eine monatliche Gebetsbrücke, viele thematische Gottesdienste, gegenseitige Besuche, Kollekten, Benefizkonzerte und Spenden. Unterstützt wird der faire Handel durch einen Verkaufsladen.