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Mehr Respekt, gegen Ausgrenzung. Thomas Schüller wirbt für eine neue Form des gesellschaftlichen Diskurses – nicht nur binnenkirchlich.
Gegen Ende des letzten Jahres wünschte sich Musiker Max Mutzke, dass im Jahr 2026 wieder mehr auf zivile Leitplanken im Miteinander unserer Gesellschaft bewusst geachtet werde. Leitplanken also, die helfen, gegen die Verrohung der Diskussionen, vor allem in den digitalen Weiten des weltweiten Netzes, präventiv vorzugehen, aber auch alle Formen der Ausgrenzung und Diffamierung von Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, Religion, politischen Anschauung, der sexuellen Identität und nicht selten auch wegen ihres Geschlechts zu ächten und für ein respektvolles Miteinander zu sorgen.
Zu den zivilen Leitplanken gehören für mich auch die unbedingte Achtung des Völkerrechts, der Respekt in einem demokratischen Rechtsstaat vor der unabhängigen Justiz und ihrer Urteile, die Wertschätzung für eine freie Presse und die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, gerade in Nichtregierungsorganisationen, die sich vorbildlich für die Bewahrung der Schöpfung, den sozialen Frieden und die Nachhaltigkeit beim Wirtschaften einsetzen.
Eine neue Richtung
Der Autor:
Thomas Schüller ist Direktor des Instituts für Kanonisches Recht an der Universität Münster und Mitglied des Synodalen Ausschusses.
Gesellschaftlich und innerkirchlich braucht es eine Diskurskultur, die den Anderen, gerade, wenn er eine andere Meinung vertritt, nicht herabwürdigt, sondern versucht, den Funken an Wahrheit in seiner Argumentation zu ergründen, der einen selbst zum Nachdenken bringt.
Vielleicht gibt ein so altes Wort wie Gemeinsinn die Richtung vor, der wir folgen sollten. Jesuanisch gesprochen, bei allen anstehenden wichtigen Entscheidungen immer den Nächsten sehen, die Folgen abschätzen und nicht immer auf den eigenen Vorteil achten.
Courage ist geboten
Zivile Planken gebieten aber auch Courage: den Mund aufzumachen, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden, politische Despoten ihre eigenen Bürger und Bürgerinnen und andere Völker tyrannisieren und im Bereich des Wirtschaftens der blanke, darwinistische Kapitalismus dominiert oder wie es Papst Franziskus formuliert hat: „Die Wirtschaft tötet.“
Für die binnenkirchlichen Diskurse gebieten diese zivilen Leitplanken den wechselseitigen Respekt vor unterschiedlichen geistlichen Beheimatungen und einer legitimen katholische Diversität in moralischen, theologischen und spirituellen Themen. Ein Vorsatz könnte lauten, dem Anderen, so fremd katholisch er auch erscheinen mag, zunächst sein Christsein nicht abzusprechen. Damit wäre für eine friedvolle Diskurskultur schon viel gewonnen.
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.