POLITIK

Gegen Rechtspopulismus: Wo die Kirchen der CDU einen Schritt voraus sind

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Friedrich Merz wollte die Umfragewerte der AfD halbieren – und ist bislang gescheitert. Zum Glück gibt es die Kirchen, sagt Andreas Püttmann.

Es ist eine Zäsur für die Bundesrepublik: Seit Ende April liegt die AfD in Umfragen stabil vor der Union. Nach drei Generationen „Nie wieder!“ sind Rechtsradikale stärkste Partei. Ausgerechnet unter einem Kanzler, der für den CDU-Vorsitz mit dem Anspruch antrat, die AfD zu halbieren und CDU/CSU gen 40 Prozent zu führen. Nun sind es 22 Prozent bei Forsa, die AfD hat ihre Anhängerschaft verdoppelt. Das konservative CDU-Lager um Jens Spahn und Carsten Linnemann verkalkulierte sich mit der Strategie, die CDU weiter rechts zu positionieren und AfD-Themen in moderaterer Form zu übernehmen.

Polemiken bei der Migration („Paschas“, „Sozialtourismus“, „Stadtbild“) und der Wirtschafts- und Sozialpolitik („Weg in die Knechtschaft“, „Lifestyle-Teilzeit“), die Verteufelung der Grünen und „linken Spinner“ sowie öffentlich-rechtlicher Sender („Volkserziehungsanstalten“) haben Wähler der AfD nicht abgeworben, sondern in ihrer Radikalisierung bestätigt. Sie wählen lieber das Original als eine Kopie in Light-Version, die dann doch mit Parteien der linken Mitte koaliert.

Nachahmen als falsche Strategie

Der Autor
Andreas Püttmann ist freier Publizist. Er war Redakteur der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ und Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung. 

Schon unter der Ampelregierung und dank neuer EU-Regeln sank die Zahl der Zuwanderer zuletzt drastisch – doch die Zahl derer, die „aus Überzeugung“ AfD wählen, stieg weiter. Buhlendes Nachahmen und Appeasement gegenüber Aggressoren sind auch innenpolitisch die falsche Strategie.

Schon wird der konservative „Merzias“ von denen, die ihn gegen Angela Merkel und AKK in Stellung brachten, demontiert und eine Minderheitsregierung von AfD-Gnaden propagiert. Es wird Zeit, dass nach dem krassen Scheitern des Tory- und MAGA-Flügels der Union wieder die am „C“ orientierte Mitte bestimmend wird.

Kirchen in Aussagen sehr klar

Als Katholik bin ich erleichtert und ein wenig stolz darauf, dass meine Kirche dem Rechtsextremismus 2.0 weniger wankelmütig entgegentritt. Bestärkt und angeregt durch die Päpste Franziskus und Leo XIV. bekämpfen die Deutsche Bischofskonferenz, Laienräte, Verbände, Gemeinden und viele Einzelne die Flut von Lügen und Hass rechtsverdrehter Eiferer: argumentativ versachlichend, mutig, empathisch, für christliche Normen und Tugenden werbend und wo nötig auch ausgrenzend, um humane Tabus zu schützen.

Obwohl die Kirchen hierzulande selbst in einer Krise stecken und unter Beschuss stehen, strahlt ihr Widerstand gegen Ideologie und Einschüchterungsversuche der Neuen Rechten als Zeugnis bis in kirchenferne Milieus hinein. Daran ändern, anders als in den USA, ein paar flackernde rechtskatholische Irrlichter nichts. Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ allen, die zur Unterscheidung der Geister beitragen!

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